Stiepel

Emil Becker (1903 – 1978)

Emil Becker erblickte am 24. Dezember 1903 das Licht der Welt und wuchs als Sohn eines Bergmannes auf einem klei­nen Kotten an der heutigen Haarholzerstraße auf. Er besuchte mit der Schrick­schule eine der sechs Stiepeler Volksschulen und erlebte als Schüler die Auswirkungen und das Ende des 1. Weltkrieges und damit das Ende des Kaiserreiches.

Emil Becker 1950er Jahre

Emil Becker 1950er Jahre

Während die Weltwirtschaftskrise ihrem Höhepunkt zustrebte, begann er eine Lehre als Schmied auf der in der Nachbarschaft gelegenen und gerade neu aufgelassenen Zeche Klosterbusch und legte damit wohl den Grund­stock für seine künstlerische Arbeit, die in den 1950er und 1960er Jahren ihren Höhepunkt fand. Bis zum Jahre 1928 blieb er, nachdem er 1927 ein Stiepeler Mädchen, Maria Lina Althaus, geheiratet hatte, seiner Lehrstätte noch verbunden, um dann beruflich auf die andere Ruhrseite zu wechseln. Die Anstellung als Schmied beim Bergbauzulieferer Paul Pleiger im Hammertal erlaubte es ihm, nebenberuflich seinen künstle­rischen Neigungen und Fertigkeiten mit dem Besuch der bereits seit 1911 bestehenden „Staatlich genehmigte Handwerker- und Kunstgewerbeschule“ in Essen, die später zur „Folkwangschule für Gestaltung“ wurde und mittlerweile ein Teil der Folkwang Universität der Künste ist, den Feinschliff zu geben.

Meisterstück

Meisterstück

Der Kriegsdienst blieb ihm aufgrund seiner Arbeit in einem kriegswichtigen Betrieb erspart. Mit dem Anbau einer kleinen Schmiedewerkstatt am elterlichen Kotten erfüllte er sich nach dem 2. Weltkrieg den Wunsch nach einer geeigneten Räumlichkeit, in der in den Folgejahren unzählige Kupfertreibarbeiten mit örtlichen Motiven wie Windmühle, Kirche oder Jagdmotiven sowie andere Kunst­schmiedearbeiten entstanden, die sich heute noch in und an vielen Stiepeler Häusern finden. Zum Höhepunkt seines Schaffens gehört wohl die 1966 erstellte Kupferabdeckung auf dem alten gotischen Taufstein in der Stiepeler Dorfkirche. Emil Becker, der mit einer hohen Identifikation zu seinem Geburtsort seinen Weg vom Zechenschmied zum Kunst­schmied, vom Handwerker zum Künstler machte, starb am 2. Dezember 1978.

Taufsteinabdeckung Stiepeler Dorfkirche (1966)

Taufsteinabdeckung Stiepeler Dorfkirche (1966)

Stadtteilwanderung “Rund um Frische”

Die Veranstaltungsreihe „Stiepel damals und heute“ findet eine Fortsetzung. Der Verein Pro Stiepel e.V. gemeinsam mit dem Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V. bieten für Interessierte erneut einen Rundgang mit historischem Hintergrund an. Termin ist Samstag, 31. August 2019, von 15 bis 17 Uhr. Geplant ist ein Rundgang ausgehend von den Geschäften an der Kemnader Straße vorbei am ehemaligen Haus Frische, über die Haarholzer Straße, unter anderem vorbei an der Schrickschule / Windmühle / Am Gebrannten usw. Treffpunkt ist an der Kemnader Straße 327 (Möbel Rumberg), die Teilnahme ist kostenlos. Die Stiepeler Heimatforscher Andreas Finke und Wilhelm Hensing werden kompetente Begleiter sein und möchten bei diesem Rundgang erneut ihr Wissen mit allen Interessierten teilen.

Flyer zur Stadtteilwanderung 2019

Flyer zur Stadtteilwanderung 2019

Ausstellung Emil Becker

Wir eröffnen die Ausstellungsreihe „Vergessene / Verstorbene Künstler aus Stiepel“ am Sonntag, 21. Juli 2019 im Pfingstblümchen. Die Reihe startet mit Emil Becker (1903 – 1978) und seinem „Leben zwischen Handwerk und Kunst“. Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen des Pfingstblume-Cafés um 15 Uhr statt. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 8. September jeweils zu den Café-Öffnungszeiten.

Ausstellung Emil Becker

Ausstellung Emil Becker

Emil Becker, aufgewachsen in der Bauerschaft Haar, verbrachte seine Lehrzeit als Zechenschmied auf der Zeche Klosterbusch. Er erhielt eine Anstellung als Schmied bei Pleiger im Hammertal und kümmerte sich zwischendurch um die Weiterbildung an der Handwerker- und Kunstgewerbe-Schule, heute die Folkwangschule in Essen. Emil Becker arbeitete als Kunstschmied mit Metall und Kupfer, bekannt wurde er mit seinen historischen und jagdthematischen Kupfermotiven. Ein Höhepunkt seiner Kupfer-Treibarbeiten stellt die Abdeckung des gotischen Taufsteins in der Stiepeler Dorfkirche dar.

Ausstellung Emil Becker

Ausstellung Emil Becker

Gahlenscher Kohlenweg

Gahlenscher Kohlenweg

Gahlenscher Kohlenweg

Der Gahlensche Kohlenweg gilt neben den alten Königswegen als eine  der ersten befestigten Straßen und erste Nord – Süderschließung  unserer Region. Von den ehemaligen Zechen Preußisch Zepter (Königlicher Kohlberg) und Friedrich(Müser’s Kohlberg) nahe des einzigen noch im Ruhrgebiet existierenden aus Ruhrsandstein gebauten Malakowturmes der ehemaligen Zeche Friedrich, später Brockhauser Tiefbau im Friedrichstal ausgehend , führte er  auf einer Länge von ca. 30 km zunächst über die Nachtigallstraße, die Krockhausstraße die Kemnader Straße über Weitmar, Hamme  nach Eickel, über die Emscher bei Crange und dann in Richtung Buer und Polsum zur Lippe. 1767 wurde  dort in Gahlen , einem Ortsteil der Gemeinde Schermbeck im heutigen Kreis Wesel das „Kohlhaus“  errichtet. Es diente zur Verwaltung der Transportbetriebes auf der Lippe und als Wohnhaus für die Beamten. Das Kohlhaus wurde in der Erweiterungsphase des Datteln-Hamm Kanals  um den  Wesel-Datteln-Kanal (Lippe Seitenkanal)   abgerissen. Heute zeigt eine Stele aus Stahl  den ehemaligen Standplatz des Hauses an und symbolisiert die damalige Schnittstelle zwischen Land- und Wassertransportweg für Kohle und Industriegüter zum Rhein hin. Da sich die Schiffbarmachung der Ruhr verzögert hatte und der Kohleabsatz der Zechen im Bochumer Süden gefördert werden sollte, stellte der Blankensteiner Lehrer und spätere Berggeschworenen Johann Wilhelm Müser  1765 das Projekt eines Kohlenweges von Stiepel zur Lippe vor. Die Lippe war zu dieser Zeit  schon schiffbar, erlaubte  die Rohstoffversorgung des zu Preußen gehörenden Herzogtums Kleve auf dem Wasserwege und damit im Gegensatz zum Landtransport bei den damaligen schlechten Wegeverhältnissen einen schonenderen und wirtschaftlicheren Transport in entferntere Absatzgebiete. Der Kohletransport auf der Ruhr zu den am Rhein gelegenen preußischen Territorien  wurde erst nach Errichtung der Ruhrschleusen möglich (die Blankensteiner Schleuse  als 13. von 16 um 1776). Müser selbst war zu dieser  Zeit neben Zechen in anderen Orten Haupt- oder sogar Alleingewerke an 7  Zechen allein in Stiepel (Friedrich, Haarmanns Banck, Ignatius, Krockhaus, Georg, St. Theodor) und hatte somit kein unbeträchtliches   wirtschaftliches Eigeninteresse an dem Ausbau des vorgeschlagenen Kohletransportweges. Der preußische Staat befürwortete das von Müser vorgestellte Projekt und  die  märkische Bergkasse stellte 190000 Taler als Kredit  bereit.   Müser wurden  die Transportgeschäfte als Generalunternehmer übertragen. Der Bau und die Instandhaltung erfolgte  auf behördliche Anordnung der “General-Oberfinanz-, Kriegs- und Domainendirektoriums hin. Der Bau  selbst erfolgte  von 1766 bis Januar 1767.  Dem Gericht Stiepel wurde dabei der Bau und die Instandhaltung des ersten Abschnittes anfangend am Ausgangspunkt, der Zeche Friedrich (Müsers Kohlberg) im Friedrichstal, in einer Länge von ca. 600 m zugeteilt. Daran schloss sich der District (Wegeabschnitt) des Amtes Blankenstein mit einer Länge  von ca. 1200 m an.  1769 beliefen sich die Kosten für Hand- und Spanndienste zu erbringen durch die Bauerschaften des Gerichtes Stiepel auf 501 Rthlr. Die Kosten für das zu liefernde  Holz belaufen sich in dem Jahr auf 161 Rthlr. Der Transport selbst erfolgte von Januar 1767 bis März 1772 und lag ausschließlich in den Händen des Ideengebers und Blankensteiner Fuhrunternehmers  (Kohlen-Entrepreneur) J.F.Müser. Der Stiepeler Gerichtsherr war dabei weder in Planung noch die Aufsicht oder Leitung der Erstellung des Weges in das Projekt eingebunden. Die Strecke selbst erfüllte ihre vorgesehene Funktion als Kohlentransportweg also nur die kurze Spanne von 5 Jahren mehr schlecht als recht  und die beförderten Mengen erreichten eigentlich nie den erwarteten und erhofften  Umfang. Sie ist aber  als frühe Planung und Ausführung  eines Teilstückes des Verkehrs- und Transportwegenetzes  in der industriegeprägten  Region zu sehen.  Straßennamen wie Kohlenstraße und Gahlensche Straße in der näheren Umgebung lassen auch heute noch den damaligen Straßenverlauf in etwa erkennen. Der Gahlensche Kohlenweg konnte die in ihn gesetzten Hoffnungen somit nie im vollen Umfang  erfüllen und kämpfte immer mit absoluter Ertragsschwäche. Allein die Instandhaltungskosten und damit Folgekosten waren immens. Sie,  die hohen Straßengebühren, die relativ langen Transportzeiten, der schlechte Nutzungsgrad der Wagen und die hohen Reparaturkosten an den Wagen  führten dann 1771 auch zum wirtschaftlichen Bankrott des vom Lehrer zum Transportunternehmer avancierten Kohlenentrepenneurs  und Blankensteiner Bürgers Johann Wilhelm Müser . Mit der Einführung der Ruhrschifffahrt nur etwa 10 Jahre später verlor der mit hohen Erwartungen und Hoffnungen begonnene Kohlentransportweg  seine Bedeutung, da sich der Transport auf den Ruhraaken als wirtschaftlich ergiebiger gestaltete.  Die Verbindung verfiel zusehends und der Gahlensche Kohlenweg war Geschichte. Erst nach der Aufhebung der alten territorialen Grenzen 1815 nach dem Sieg über Napoleon wurden im Rahmen des preußischen Kunststraßenbaus weitere Befestigungsarbeiten eingeleitet. Zwischen 1849 und 1854 folgte schließlich der Ausbau zur Dorstener Chaussee. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2010 und des damit verbundenen  Projektes „Kunststraße wird Straße der Kunst“, an dem mehrere Kunstvereine (Gelsenkirchen, Hattingen und Dorsten) sowie eine Bochumer Galerie und der Förderverein “Unser Fritz”   teilnahmen, erfolgte unter Leitung des  Künstlers und Ideengebers  der Künstlerzeche “Unser Fritz” Helmut Bettenhausen  ein  Bodenaustausch, bei dem Boden von “Unser Fritz” zum Ausgangspunkt des Kohlenweges  in Stiepel (Halde der Zeche “Pfingstblume), von dort eine etwa gleichgroße Menge Haldenmaterial zur Stele in Gahlen und von dort wiederum die etwa gleichgroße Menge Erdreich zurück zum Ausgangspunkt “Unser Fritz ” gebracht  und damit der Kohletransport symbolisch nachgestellt wurde. Die vor mehr als 200 Jahren angelegte künstliche Straße wurde durch mehrere Kunstwerke der beteiligten Künstlergruppen thematisiert und  ihr ursprünglicher Verlauf durch verschiedene Aktionen und Objekte  vor Ort  erlebbar gemacht. So  sollte die Entwickelung des Ruhrgebietes vom werdenden   Industriegebiet zur stetig wachsenden Kulturmetropole  aufgezeigt werden. Empfehlenswerte Literatur zum Thema : Der Gahlensche Kohlenweg , Arbeitsgemeinschaft “Geschichte des Bergbaus im Hattinger Raum”

Informationstafel

enthüllt am 14. Januar 2020 von Bezirksbürgermeister Breitkopf für den Bezirk Süd, Herrn Fründ, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Süd Vorstand,  Mitgliedern und befreundeten Knappen  des Knappenvereines Schlägel & Eisen Stiepel-Dorf 1884, Vorstand und Mitgliedern des Stiepeler Vereins für Heimatforschung e.V. PD. Dr. Dietmar Bleidick

Becker links (Unter den Linden, Kemnader Straße 251)

Das Haus an der heutigen Kemnader Straße 251 (an der Bushaltestelle Gräfin-Imma-Straße in Richtung Stadt) ist mit zwei Dingen untrennbar verbunden: zum einen ist die historische Unterscheidung von zwei gegenüber wohnenden Brüdern in „Becker links“ und „Becker rechts“ bis heute geläufig, zum anderen steht das Haus für die Geschichte der ersten katholischen Schule in Stiepel. Erbaut wurde das Haus im Jahr 1863 von Heinrich Bernhard Becker (*1830) und seiner Ehefrau Wilhelmine, geb. Stollmann (*1837). Zu jener Zeit war die Stiepeler Bevölkerung nahezu ausschließlich evangelisch, die katholische Minderheit wurde betreut von der Kirchengemeinde Blankenstein. Beim Bau des Hauses wurde in der ersten Etage neben einem kleinen Saal, der zur Gastwirtschaft gehörte, ein weiterer als „Schulsaal“ bezeichneter Raum vorgesehen. Im Oktober 1866 nahm dort die aus Blankenstein betreute katholische Schule ihren Unterricht mit immerhin 42 Kindern auf. Darüber hinaus wurde im Haus eine Wohnung für den Lehrer angemietet. Allerdings schien die Kombination von Schule und Gastwirtschaft in ein und demselben Gebäude nicht die Zustimmung aller zu finden. In einer Kirchenzeitschrift des Jahres 1872 wird erläutert, warum über den Bau eines eigenen Schulgebäudes nachgedacht wird: „ … die in letzterer Zeit in diesem Hause betriebene Schenkwirthschaft Vorkommnisse und Eventualitäten gar unerquicklicher Natur hervorgerufen hat, so daß die Beschaffung eines anderweitigen Schullocals im Interesse der guten Sache unumgänglich nothwendig erscheint.“ Bereits 1869 wurde durch die katholische Kirchengemeinde Blankenstein ein anderes Grundstück an der heutigen Kemnader Straße 248 gekauft, ab Oktober 1872 wechselt die katholische Schule dorthin. Allerdings nur für drei Jahre, dann wird die Schule wieder geschlossen, die mittlerweile 49 katholischen Kinder werden auf die übrigen evangelischen Schulen in Stiepel und die katholischen Schulen in Blankenstein und Wiemelhausen verteilt.

Postkarte der Gastwirtschaft von Witwe Ewald Becker, 1920er Jahre

Postkarte der Gastwirtschaft von Witwe Ewald Becker, 1920er Jahre

Die bereits genannten Erbauer des Hauses, die Eheleute Heinrich Bernhard und Wilhelmine Becker, waren die ersten Wirte der Gastwirtschaft „Unter den Linden“. Ungewöhnlich war zu jener Zeit, dass Heinrich Bernhard Becker nur mit dem Beruf „Wirt“ als Haupterwerb nachzuweisen ist. Denn überwiegend wurden Gastwirtschaften als Nebenerwerb betrieben. Er verstarb im Jahr 1895, ein Jahr zuvor wurde die Konzession auf seinen Sohn Heinrich Becker junior übertragen. Dieser wiederum hatte den für die meisten Stiepeler Männer zu jener Zeit üblichen Beruf des Bergmanns. Das ursprünglich rund 13.500 m² große Grundstück lag zu beiden Seiten der Kemnader Straße. Bereits zu Lebzeiten des Seniors wurde es unter zwei Söhnen (von insgesamt 12 Kindern) aufgeteilt. Heinrich junior (*1856), der die Wirtschaft 1894 übernahm, bekam das Haus mit dem größeren Teil des Grundstücks, der jüngere Bruder Gustav (*1857) einen kleineren Teil südlich der Kemnader Straße, auf dem er ein neues Haus errichtete, heute das Haus Kemnader Straße 258. Im Volksmund haben sich zur Unterscheidung der beiden Brüder bzw. der beiden Häuser die Bezeichnungen „Becker links“ für die Wirtschaft und „Becker rechts“ für das neue Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite etabliert. Im Jahr 1890 inspiziert der damalige Ortsvorsteher Sondermann im Zusammenhang mit dem Übergang der Konzession auf Heinrich Becker junior die Wirtschaft und hält unter anderem fest: „ … das Haus bekleidet einen Namen Beckerlings …“. Den Rechtschreibfehler im Wort „links“ geben wir wie im Originaltext wieder. Offensichtlich gab es keinen eigenen Namen für die Gastwirtschaft, wenn der Gemeindevorsteher einen solchen mit keinem Wort erwähnt, sondern die offensichtlich bereits etablierte Bezeichnung „Becker links“ verwendet.

Zitat des Ortsvorstehers Sondermann 1890

Zitat des Ortsvorstehers Sondermann 1890

In dritter Generation übernahm Ewald Becker (*1883) die Gastwirtschaft. Das genaue Jahr lässt sich nicht mehr ermitteln, bekannt ist aber, dass er als Haupterwerb das Bäckerhandwerk ausübte und im Jahr 1906 im Keller eine Backstube samt Backofen errichtete. Eine Gartenwirtschaft, deren Fläche auch heute noch rechts vom Haus zu erkennen ist, gehörte mit dazu. Als Pionier fiel Ewald Becker im Januar 1917 im 1. Weltkrieg, beigesetzt wurde er fernab der Heimat auf dem Garnisonsfriedhof Berlin. Fortan wurden Gastwirtschaft und Bäckerei von seiner Frau Klara, geborene Kogelheide (*1883) unter der Bezeichnung „Witwe Ewald Becker“ fortgeführt. Im Jahr 1936 wurde die Gastwirtschaft verkleinert, der Saal im Obergeschoss wurde in eine Wohnung umgebaut. In der Zeit des Nationalsozialismus war das Büro des NSDAP-Ortsgruppenleiters im Haus untergebracht. Überliefert ist, dass im Erdgeschoss in der linken Hälfte das Parteibüro war, in der rechten Hälfte die Gastwirtschaft.

„Becker links“ mit Straßenbahn (Linie 5/15), 1950er Jahre

„Becker links“ mit Straßenbahn (Linie 5/15), 1950er Jahre

In vierter Generation hat Else Becker (*1911), verheiratet mit dem Knappschaftsbeamten Hugo Stollmann (*1899), die Wirtschaft bis Ende der 1950er Jahre fortgeführt. Dann wurde die Wirtschaft in eine Wohnung umgebaut, in der später wiederum eine Arztpraxis eingerichtet wurde. Else Stollmann hat jedoch weiterhin in einem kleinen Raum im Erdgeschoss ihre alte „Stammkundschaft“ durch den Verkauf von Flaschenbier weiter bewirtet.

Start des Pfingstblume-Cafés

Unser beliebtes Pfingstblume-Café wird am Sonntag, den 28. April 2019 um 15:00 Uhr wieder eröffnet. Danach jeden Sonntag bis zum 8. September 2019 in der Zeit von 15 – 17 Uhr. Am 28. April wird zuvor um 14:45 Uhr ein von der Evangelischen Kirchengemeinde Stiepel gestifteter Ginsterstrauch (“Pfingstblume”) durch Pfarrer Stasing neben der Stollenöffnung gepflanzt.

Vortrag “Archäologische Schätze aus Stiepel” am 1. Juli 2019

Der Stiepeler Heimatverein lädt in sein „Pfingstblümchen“ zum Vortrag „Archäologische Schätze aus Stiepel“ ein. Beginnend in der Jungsteinzeit, über Germanen, Römer und das Mittelalter bis in die Neuzeit präsentiert der Sondengänger Christoph Hirt seine Stiepeler Fundstücke. Anhand zahlreicher spannender Objekte aus unterschiedlichen Zeiten wird Stiepeler Geschichte einmal anders präsentiert. Der Vortrag findet statt am

Montag, den 1. Juli 2019 um 19:00 Uhr

an der Brockhauser Straße 126. Christoph Hirt, als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger für den Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) tätig und von der Oberen Denkmalbehörde für das Bochumer Stadtgebiet zugelassener Sondengänger, begeht seit rund zwölf Jahren Stiepeler Äcker und Felder. Eine Anmeldung zum Vortrag ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Stiepeler Fund: Römische Mars-Statuette, Bronze, 2./3. Jhdt.

Stiepeler Fund: Römische Mars-Statuette, Bronze, 2./3. Jhdt.

Stiepeler Gemeindehaus – Zeitzeuge unterschiedlicher politischer Systeme

Die Einwohnerzahl Stiepels hatte sich vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fast verdoppelt, von rund 3.500 im Jahr 1880 bis auf rund 6.500 Einwohner im Jahr 1908. Damit wuchs auch der Bedarf an „Verwaltung“, was die damalige Gemeindevertretung dazu veranlasste, eine neues Amts- und Gemeindehaus zu errichten. Bis zum Jahr 1910 wurden die Amtsgeschäfte der Stiepeler Gemeinde in dem heutigen Haus „Im Königsbusch 5“ getätigt, insbesondere waren dort das Standesamt und die Wohnung des Standesbeamten untergebracht.

Amtshaus "Im Königsbusch" (bis 1910), Foto 1950er Jahre (Sammlung Willi Dickten)

Amtshaus “Im Königsbusch” (bis 1910), Foto 1950er Jahre (Sammlung Willi Dickten)

Im Juni 1908 wurde der Beschluss gefasst, auf den Grundmauern der 1904 abgebrannten Schule an der Kreuzung Koster- / Haar- und Kemnader Straße ein neues Gemeinde­haus zu errichten. Im März 1910 erfolgte der erste Spatenstich, im Oktober 1910 wurde das Gebäude fertiggestellt. Im Erdgeschoss wurden die Büros des Gemeindevorstehers, des Standesbeamten, des Meldeamtes sowie das Trauzimmer  und das Sitzungszimmer der Gemeindevertretung untergebracht. Im ersten und zweiten Geschoss befanden sich Dienstwohnungen, unter anderem für eine Krankenschwester und den Polizeisergeanten. Dazu kamen in einem kleinen Anbau zwei Arrestzellen. Heute noch von der Rückseite erkennbar ist ein kleines vergittertes Fenster in dem eingeschossigen Anbau. Somit diente das Gemeindehaus auch als Polizeistation. Die erste Sitzung der Stiepeler Gemeindevertretung im neuen Gebäude fand am 18.Januar 1911 statt, Dieses Datum hatte man wohl mit Bedacht ausgewählt, da es sich um den 40 jährigen Jahrestag der Kaiserproklamation und Reichsgründung im Jahre 1871, also einen Gedenktag mit besonderer Bedeutung für das wilhelminische Deutschland handelte. Die letzte Sitzung fand im Juli 1929 statt, wenige Tage vor der Eingemeindung nach Bochum.

Das im Jahr 1910 errichtete "neue" Gemeindehaus, 1950er Jahre (Sammlung Willi Dickten)

Das im Jahr 1910 errichtete “neue” Gemeindehaus, 1950er Jahre (Sammlung Willi Dickten)

Bei der Eröffnung hielt der Blankensteiner Amtmann Thiel eine Ansprache, in der er betonte, dass der Zweck des Gemeindehauses sei, „ … für die Gemeinde Stiepel einen kommunalen Mittelpunkt zu schaffen, es soll ein Wahrzeichen sein für echten starken Bürgersinn, Einigkeit und Strebsamkeit, für Bürgerrechte und Bürgerpflichten.“ Das Gemeindehaus steht als Zeitzeuge der höchst unterschiedlichen Ausrichtungen politischer Systeme, ausgehend vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis zur Demokratie. Es war für die Stiepeler  Bürger mit allen wesentlichen Stationen eines menschlichen Lebens in einer politischen Gemeinde, wie Geburt, Heirat, Tod, medizinische Betreuung, politische Betätigung, polizeiliche Angelegenheiten, Ausweis- bzw. Passangelegenheiten, Steuerangelegenheiten, Genehmigungen, Bücherei, Wohnung des Polizisten   usw. verbunden.

Ehemalige Arrestzellen auf der Rückseite, Zustand 2019

Ehemalige Arrestzellen auf der Rückseite, Zustand 2019

Die Stadt Bochum nutzte das Gebäude ab 1929 als Außenstelle für unterschiedliche Ämter. Insbesondere wurde eine sogenannte Fürsorgestelle eingerichtet mit Arzt- und Schwesternsprechstunden für Säuglinge und Kinder. Aber auch (ehemalige) Bergleute fanden dort ärztliche Unterstützung bei Lungenkrankheiten. Bis in die 1970er Jahre waren im Gemeindehaus das Standes- und das Gesundheitsamt vertreten. Für die Stiepeler war es selbstverständlich, dass man auch in Stiepel heiraten konnte.

Aktuell wird das Gebäude zum Großteil von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt, es ist aber in keinem besonders guten Zustand. Um eine mögliche Schädigung der Bausubstanz zu verhindern, müssten bauliche Maßnahmen umgesetzt werden. Der Stiepeler Heimatverein setzt sich dafür ein, dass dieses historisch wertvolle Gebäude langfristig erhalten bleibt.

Aktualisierung März 2024: Die Stadt Bochum als Eigentümerin des Gebäudes startet jetzt die Sanierung!

Das über der Eingangstür hängende Schild wurde nach 1929 abmontiert

Das über der Eingangstür hängende Schild wurde nach 1929 abmontiert

Eingerüstetes Gemeindehaus März 2024
Eingerüstetes Gemeindehaus März 2024

Vortrag “Dr. Gilbert und die ärztliche Versorgung in Stiepel um 1900”

Der Stiepeler Heimatverein hat sein „Pfingstblümchen“ fertiggestellt. Das neue Gebäude, das ausschließlich für Vorträge und Ausstellungen genutzt werden soll, hat jetzt seine Bestuhlung erhalten. Der Heimatverein kann somit zur Tat schreiten und startet am

Montag, den 1. April 2019 um 19:00 Uhr

an der Brockhauser Straße 126 seine Vortragsreihe. Der erste historische Vortrag hat das Thema

Dr. Gilbert und die ärztliche Versorgung in Stiepel um 1900

Anhand bisher unbekannter Fotos und Dokumente stellt Andreas Finke zunächst die Geschichte der Wirtschaft „Zur steilen Höh“ dar, die ab 1919 Praxisräume des ersten in Stiepel niedergelassenen Arztes wurden. Nachgezeichnet wird der Weg von Dr. Gerhard Gilbert von der Berliner Charité nach Stiepel, ergänzt um Informationen zur allgemeinen ärztlichen Versorgung in Stiepel zu jener Zeit. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.