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Stiepel
Stadtwerke-Bürgerprojekt des Stiepeler Heimatvereins
Der Stiepeler Heimatverein hat sich beim Sponsoring-Wettbewerb der Stadtwerke Bochum für ein Bürgerprojekt “Wofür schlägt Dein Herz?” beworben. Wenn wir gewinnen, möchten wir die Zuwendung für die Einrichtung des neuen Vereinsbaus “Pfingstblümchen” verwenden. Zukünftig möchte der Verein eine wichtige Anlaufstelle im kulturellen Leben des Stadtteils Stiepel werden, indem beispielsweise Vorträge und Filmvorführungen zu Themen lokaler Geschichte, Kunst und Literatur angeboten werden. Um geeignete Vortrags- und Präsentationsmöglichkeiten zu schaffen, bedarf es einer entsprechenden Mulitmedia-Einrichtung und einer passenden Ausstattung des Raumes. Um zu gewinnen, brauchen wir eure Hilfe. Bitte stimmt auf den Internet-Seiten der Stadtwerke für unser Projekt ab! Euer Votum könnt ihr bis zum 23. Mai 2017 unter folgendem Link abgeben: https://www.stadtwerke-bochum-buergerprojekte.de/projekte/kultur/3027/multimediale-kulturvermittlung-des-heimatvereins-stiepel.html

Stadtwerke Bochum: Bürgerprojekte

Mitgliederversammlung März 2017
Über die Jahreshaupt-/ Mitgliederversammlung vom 10. März 2017 lassen sich folgende Punkte kurz berichten:
- Positive Mitgliederentwicklung (aktueller Stand: 295 Mitglieder)
- Die Veranstaltungshighlights des vergangenen Jahres wurden zusammengefasst (Plattdeutscher Gottesdienst, Osterfeuer, Pfingstblume-Café, Schlachtfest, Jahreskulturfahrt, usw.)
- Ehrung für 25-jährige Mitgliedschaft: Christian Haardt
- Bericht über die Bauarbeiten am Pfingstblümchen
- Kooperation mit Pro Stiepel e.V.: Stadtteil-Rundgang
- Herausgabe des Buchs “Wege durchs Königreich”
- Erneuerung der Homepage
- Verzicht auf die Teilnahme am Maibaumporten in 2017
- Wunsch nach stärkerer Beteiligung bei der Veranstaltung zum Volkstrauertag 2017 (Stiepeler Dorfkirche)
Am Bliestollen
An der Grenze nach Sundern und Weitmar finden wir eine Sackgasse. Sie ist zwar nur ein paar hundert Meter lang ist, ihre Namensfindung verrät aber einiges über die Geschichte des Bergbaus in Stiepel: die Straße „Am Bliestollen“ Der erste in 1909 vergebene Name für diese Straße war „Friedrichstraße“ nach der an ihr liegenden Steinkohlenzeche Friedrich (nicht zu verwechseln mit Carl Friedrich’s Erbstolln, Kemnader – / Ecke Markstraße). Die Zeche Friedrich war von 1753 bis 1777 in Betrieb und hat anschließend bis 1832 stillgelegen. Dann begann man mit der Auffahrung eines neuen Stollens, 1835 erfolgte die Wiederinbetriebnahme. Die Zeche war im Besitz des preußischen Staates, so dass die Vermutung naheliegt, dass die Benennung „Friedrich“ nach den preußischen Königen erfolgte. Das Tal an der Grenze nach Sundern und Weitmar, in der die Straße liegt, wurde daher auch Friedrichstal genannt. Die offizielle Bezeichnung lautet Rauterdeller Siepen. In diesem Tal lagen weitere Steinkohlenzechen, die bedeutendste dürfte „Preußischer Zepter“ gewesen sein, die ebenfalls im Besitz des preußischen Staates und als eine der ältesten Zechen im Raum Bochum mindestens seit 1695 in Betrieb war. In den Jahren 1831 bis 1854 hat der Industrielle Franz Haniel das Eigentum an den Steinkohlezechen im Rauterdeller Siepen erworben, teilweise ersteigert. Im Jahr 1873 wurden diese, d.h. die beiden Zechen Preußischer Zepter und Friedrich sowie weitere Zechen des Rauterdeller Siepen zur Zeche „Brockhauser Tiefbau“ vereinigt. Zu dieser Zeit war der Förderschacht von Friedrich bereits vorhanden und wurde bis 1874 weiter abgeteuft. Über Tage erhielt er einen aus Bruchstein / Ruhrsandstein gemauerten Malakowturm. Dieser 1876 in Betrieb genommene Stiepeler Malakowturm ist von den 13 noch erhaltenen Malakowtürmen des Ruhrgebiets das einzige in Ruhrsandstein gemauerte Bauwerk seiner Art. Alle übrigen Türme sind aus Ziegel- bzw. Backstein errichtet.

Der einzige erhaltene in Ruhrsandstein gemauerte Malakowturm des Ruhrgebiets in einer älteren Aufnahme, Foto: Stadtarchiv Bochum
Während die erste Namensgebung „Friedrichstraße“ an den Steinkohlenbergbau erinnert, ergibt sich die Umbenennung in „Am Bliestollen“ im Jahr 1929 aus dem Erzbergbau. Mit der Errichtung der Henrichshütte in Hattingen ab 1854 gab es einen großen Bedarf an Erzen für die Eisen- und Stahlerzeugung. Im Rauterdeller Siepen lassen sich zwei kleinere Bleierzfunde nachweisen. Am unteren Ende der Hülsbergstraße gab es ab 1864 den Tagebau „Silberkuhle“ und an der heutigen Blankensteiner Straße ab 1863 den „Stolln von Stiepel“. Dieses Bleierzvorkommen wurde im Jahr 1627 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung für diesen Bleierzstollen hatte sich wahrscheinlich im Volksmund erhalten und wurde in der Plattdeutschen Sprechweise „Bliestollen“ überliefert. Eine nennenswerte Erzförderung hat übrigens zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.

Schankwirtschaft Wilhelm Westerberg / Zum Friedrichstal, heute “Waldhaus”
Neben dem Malakowturm als prägendes Bauwerk der Straße gibt es als zweites nennenswertes Gebäude die ehemalige Wirtschaft Westerberg, seit jeher ein beliebtes Ausflugs- und Gartenlokal. Heute ist dort das Restaurant „Waldhaus“ beheimatet. Nicht vergessen werden darf auch der ehemalige Steinbruch, der an der Ecke der heutigen Blankensteiner Straße und Krockhausstraße gelegen war. Es wird überliefert, dass die Steine für den Malakowturm aus diesem Steinbruch stammen.

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten
Altes Pastorat
Das ehemalige Pastorat bzw. Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde Stiepel liegt am unteren Ende der Straße “Im Sonderfeld”, heute hat es die Hausnummer 68. Ein Vorgängerbau musste im Jahr 1770 abgerissen werden, das “neue” Pfarrhaus wurde unter Pastor Bruns (Pastor in Stiepel von 1775 – 1815) im Jahr 1780 errichtet. Im Jahr 1952 verkaufte die Gemeinde das Gebäude (Infomationen entnommen aus der Festschrift “1000 Jahre Dorfkirche Bochum-Stiepel”). Das Gebäude liegt zwar etwas verborgen, ist aber bei einem Spaziergang durch den sog. Pastorssiepen südlich des alten Friedhofs gut zu sehen. Die charakteristische Fensterform, so wie auf dem historischen Foto, ist heute noch gut zu erkennen.

Das alte Pastorat um 1900, im Vordergrund Pfarrer Schimmel mit Familie

Heutiger Blick auf Haus Nr. 68 aus dem sog. Pastorssiepen
Ziegelei Munkenbeck – der erste Industriebetrieb in Stiepel
In unserem über Jahrhunderte durch Landwirtschaft und Bergbau geprägten Ortsteil ist vor etwas mehr als 100 Jahren -wenn man es so sehen will- der erste Industriebetrieb deutlich erweitert worden: die Ziegelei Munkenbeck. 1890 in Betrieb gegangen, wurde im März 1912 die geplante Erweiterung im Hattinger Anzeiger bekanntgemacht, Widerspruchsfrist inklusive. Dort heißt es: „Die Frau Witwe Georg Munkenbeck zu Stiepel beabsichtigt auf ihrem … Grundstücke … einen Ziegel-Ringofen anzulegen.“ Mit diesem Grundstück ist das Gelände des heutigen Sportplatzes an der Kemnader Straße gemeint, das zum Hof Munkenbeck gehörte. Die Genehmigung wurde am 8. Mai 1912 erteilt. Mit demselben Datum wurde darüber hinaus die Anlegung eines feststehenden Dampfkessels genehmigt. Bestandteil der Anlage waren dann neben dem Ringofen und dem Dampfkessel zwei Schornsteine sowie ein großer Wasserteich.

Blick nach Norden: die Ziegelei Munkenbeck mit der Kemnader Straße im Hintergrund, deren Verlauf durch die alleeartige Baumbepflanzung sichtbar wird. Foto: Archiv W. Dickten
Zunächst, d.h. ab 1890, handelte es sich vermutlich um eine sog. Feldbrandziegelei. Im Stiepeler Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1891 werden rund 10 „Ziegelarbeiter“ genannt, die auch auf dem Gelände der Ziegelei gewohnt haben. Der Umstieg auf einen sog. Ringofen im Jahr 1912 bedeutete eine höhere Mechanisierung und effizientere Produktion.

Blick nach Süden: die Wiese im Vordergrund ist der ehemalige Sportplatz, dort wo heute die Flaßkuhlstraße beginnt. Dahinter ein Kornfeld, dann die Ziegelei. Der Höhenzug im Hintergrund ist die Henkenbergstraße. Foto: Archiv W. Dickten
Nach dem Tod der Witwe Munkenbeck kauft die Gemeinde Stiepel den Erben die Ziegelei im Jahr 1920 ab. In der Versammlung der Gemeindevertretung von 1. April 1920 wird protokolliert: „… beschließen wir heute den Ankauf der in unserer Gemeinde liegenden Munkenbeckschen Ziegelei zum Preis von 130.000 M. … durch die Produktion der Bausteine einerseits preisausgleichend und preisermäßigend zu wirken … und andererseits wird die Rentabilität durch den mit starker Wahrscheinlichkeit grossen Bedarf auf längere Zeit sichergestellt sein.“ Neben der eigentlichen Finanzverwaltung der Gemeinde gibt es in den Folgejahren eine separate „Ziegeleikasse“. Nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum (1929) betrieb das Tiefbauamt der Stadt Bochum die Ziegelei. Das Rohmaterial wurde im Steinbruch gewonnen und je nach Beschaffenheit und Art der herzustellenden Produkte mit Sandstein und Lehm aufbereitet. Nach der Weltwirtschaftskrise wurde die Ziegelei in den Jahren 1930 und 1931 nur mit halber Produktion betrieben, im Jahr 1932 ruhte der Betrieb. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde ein Drittel der Belegschaft (von insgesamt rund 25 Personen) eingezogen. Solange es eben ging, wurde die Produktion aufrecht erhalten. Im Frühjahr 1941 konnte die Ziegelei aber nicht wieder in Betrieb gehen, sie wurde als “nicht kriegswichtig” stillgelegt. Beim schweren Luftangriff auf Stiepel am 13./14. Mai 1943 wurde sie so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht machbar erschien. Die noch vorhandenen Maschinen wurde an andere Ziegeleien verkauft bzw. ein Rest verschrottet und die Gebäudereste Anfang der 1950er Jahre abgebrochen (Informationen aus den Verwaltungsberichten der Stadt Bochum 1928 – 1952). Der Tonschieferbruch und der große Ziegeleiteich wurden mit Trümmern aus dem zerstörten Bochum zugeschüttet, der gesamte Bereich wurde planiert. Anfang der 1950er Jahre wurde auf dem Gelände der Stiepeler Sportplatz erstellt.

Stadtplan-Ausschnitt 1929: An der Stelle der Ziegelei ist heute der Tennis- und Sportplatz. Foto: Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367 Stadt Bochum