Stiepel

von Hagen (Kemnader Straße 59)

Die genauen Anfänge der ehemaligen „Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen“ lassen sich nicht exakt rekonstruieren. Fest steht, dass Heinrich von Hagen (*1877) im Jahr 1911 zusammen mit seiner Frau Hulda, geb. Diergardt (*1878) an der seinerzeitigen Hauptstraße 29a, heute Kemnader Straße 65, ein Wohn- und Geschäftshaus mit zwei Ladenlokalen errichtet hat. Genehmigt wurde der Bau durch die Gemeinde Stiepel im Juni 1911, in den Steuerakten ist notiert „ … benutzbar seit Oktober 1911“. Zunächst betrieb Heinrich von Hagen dort eine Kolonialwarenhandlung. In den Jahren bis 1919 erwirbt er dann die Konzession für den Betrieb einer Gastwirtschaft, aber zunächst nicht für sein eigenes Haus. Es ist vielmehr überliefert, dass Heinrich von Hagen die Konzession für die Wirtschaft „Zur steilen Höh“ an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 12 erwarb. Er soll der letzte Konzessionsinhaber gewesen sein, bevor das Haus an den ersten in Stiepel niedergelassenen Arzt, Dr. Gerhard Gilbert, verkauft wurde Diese auf die Person des Gastwirts bezogene Konzession wurde dann benutzt, um in seinem Haus an der heutigen Kemnader Straße zusätzlich zum Lebensmittelgeschäft eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Dies war der Beginn der „Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen“.

"Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen" 1930er Jahre

“Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen” 1930er Jahre

Der Familienname „von Hagen“ findet sich auch in zwei Straßennamen wieder. Die heutige Sandfuhrstraße, die gegenüber der Krockhausstraße an der Kemnader Straße beginnt, war bis 1928 ein reiner Privatweg und wurde zunächst nach der dort ansässigen Familie „Hagenstraße“ benannt. Die Umbenennung in Sandfuhrstraße erfolgte im Zuge der Eingemeindung Stiepels nach Bochum im Jahr 1929. Heutzutage findet sich der Name in der im Jahr 2011 erstellten Straße Hagen-Hof-Weg wieder, die unmittelbar neben der ehemaligen Krockhaus-Villa von der Krockhausstraße abzweigt. Das Haus von Heinrich von Hagen an der Kemnader Straße erhielt im Mai 1943 beim schwersten Luftangriff auf Stiepel einen Bombentreffer und wurde komplett zerstört. Dieses Schicksal ereilte übrigens zahlreiche Häuser entlang der Kemnader Straße, auch das unmittelbare rechte Nachbarhaus, das ebenfalls der Familie von Hagen gehörte.

Skizze 1911: links das neue, rechts das bereits vorher bestehende Haus der Familie von Hagen

Skizze 1911: links das neue, rechts das bereits vorher bestehende Haus der Familie von Hagen

Das Haus wurde nicht wieder aufgebaut, vielmehr hatten die von Hagens bereits vorher das unmittelbare linke Nachbarhaus von Familie Waskönig erworben, heute Kemnader Straße 59. Dort wurde unmittelbar nach Kriegsende die neue Wirtschaft eröffnet und vom Sohn Walter von Hagen (*1907) und seiner Frau Albertine, geb. Rumberg (*1914) bis zum Ende der 1960er Jahre betrieben. Nach einer kurzen Verpachtung wurde die Wirtschaft Anfang der 1970er Jahre geschlossen, die Räumlichkeiten wurden in eine Wohnung umgewandelt. Die Tochter Marianne, verheiratete Klein, (*1939) hat zwar immer im elterlichen Betrieb mitgearbeitet, die Wirtschaft aber nicht fortgeführt. Im Jahr 1968 hat sie ein Blumengeschäft im Haus eröffnet, welches noch heute unter dem Namen „Blumen Klein“ (Inhaber M. Wabbels) weitergeführt wird.

Mitgliederversammlung März 2018

Über die Jahreshaupt-/ Mitgliederversammlung vom 2. März 2018 lassen sich folgende Punkte kurz berichten: Die Veranstaltungshighlights des vergangenen Jahres wurden zusammengefasst (Plattdeutscher Gottesdienst, Osterfeuer, Pfingstblume-Café, Apfelfest, Schlachtfest, Jahreskulturfahrt, usw.). Vier Mitglieder des Vorstands wurden neu gewählt: 1. Vorsitzender: Wilhelm Haarmann, Stellvertretende  Vorsitzende: Gabi Klingelhöfer, 1. Kassierer: Heinz Schulte, 2. Schriftführer: Lutz Gollnick. Bericht über die Bemühungen, den Abriss historischer Gebäude im Ortsteil zu verhindern (Beispiel: Alte Vikarie in Stiepel-Dorf). Vorstellung des Diskussionsstandes mit dem Regionalverband Ruhr zum geplanten Ruhrtal-Radweg  und mit den Bochumer Stadtwerken zum Schleusenwärterhäuschen. Bericht über die Bauarbeiten am Pfingstblümchen. Fortsetzung der Kooperation mit Pro Stiepel e.V.: Stadtteil-Rundgang. Informationen zur Homepage und zum Newsletter. Wunsch nach stärkerer Beteiligung bei der Veranstaltung zum Volkstrauertag 2018 an der Stiepeler Dorfkirche. Das Vorbereitungstreffen für das Pfingstblume-Café wurde terminiert: 3. April 2018 um 18:00 Uhr an der Pfingstblume.

Kleinzeche Haunert

Haunert

Haunert

Der Betrieb der  Mitte des 20.Jahrhunderts neu gegründeten  Kleinzeche Haunert war gewissermaßen eine Renaissance und ließ die Erinnerung an de  200 Jahre alten  Stollenbergbaues   im Friedrichstal wieder aufleben. In den Anfängen des Kohlebergbaus unserer Gegend wurde die Kohle hauptsächlich in sogenannten Pingen d.h. von der Oberfläche her gegrabenen Kuhlen abgebaut. Anzeiger für ein Kohlevorkommen waren dabei nicht selten dunkle Maulwurfshaufen, die die zur Oberfläche weicher werdende Kohle anzeigten. Aber auch beim Ackerbau stieß man auf die an der Oberfläche ausbeißenden Flöze und konnte dann die Kohle leicht bis zu einer geringen Tiefe durch Abgraben abbauen. Hier war der Begriff Kohlen graben noch richtig. Der Abbau wurde dann in der Regel aufgegeben, wenn die Grube mit Wasser vollgelaufen war und das erforderlich werdende Wasserschöpfen nicht mehr lohnte. Nicht selten fand sich in der Nähe die nächste günstige Gelegenheit, Kohle ohne größeren Einsatz von technischen Hilfsmitteln abzugraben. Schwengelpumpen zur Entwässerung sind dabei wohl eher selten zum Einsatz gekommen. Im Stiepeler Raum kommen die oberflächennäheren Flöze hauptsächlich in steiler oder halbsteiler Lagerung vor. Da Stiepels Landschaft durch relativ viele Täler und Abhänge geprägt ist, ging man spätestens im 17. Jhdt. zum Stollenbergbau über. Dieser hatte den Vorteil, dass der Zugang zur Kohle von der Hangseite her erfolgen konnte, die anstehende Kohle dann  bei leicht ansteigendem Gefälle der Stollensohle dem Flöz folgend abgebaut werden konnte und das anstehende Wasser dabei leicht über die Stollensohle abfloss. Diese Eigenschaft machten sich dann auch die Erbstollen zu nutze, deren hauptsächlicher Zweck die Aufnahme von Grubenwasser  und teilweise auch die Bewetterung höhergelegener Grubenbauten war. Mit dieser Methode konnte aber nur Kohle abgebaut werden, die oberhalb der Stollensohle und des Stollenmundloches lagerte, so dass viele Stollen nach relativ kurzer Zeit mangels förderwürdiger und erreichbarer Kohle den Betrieb einstellen mussten. Die Einführung der Dampfmaschine und der mit Dampfkraft betriebenen Pumpen erlaubte das Durchstoßen der Mergelschicht und die industrielle Kohlegewinnung im Tiefbauverfahren, die gleichzeitig den Anfang der Mitte des 19.Jhdts. einsetzenden rasanten Entwicklung des Ruhrgebietes zu der für Deutschland bis in die 50er Jahre wichtigsten Industrieregion bedeutete. Die Industrieregion des Rhein-/ Maingebietes erlangte ihre  Bedeutung erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das Ruhrgebiet bildete mit seinen Industriebereichen Kohle, Stahl und Chemie lange Zeit das Herzstück der industriellen Produktion in Deutschland, wobei Stiepel seinen sehr bescheidenen Anteil geleistet hat. Das nachgewiesene und vermutete Rohstoffvorkommen an Kohle und Eisenstein auf Stiepeler Gebiet war wesentlicher Faktor bei der Entscheidung, die Henrichshütte auf  der gegenüberliegenden Ruhrseite auf dem Gelände des Hauses Bruch anzusiedeln.  Die zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Produktion errichtete Kosterbrücke verdankt  ihren Bau der dringenden Forderung nach einem wirtschaftlichen und leistungsfähigen Rohstofftransport über die Ruhr, der mit einer Fähre auf Dauer nicht zu gewährleisten war. Zwar stand schon kurz nach Aufnahme der Produktion die Forderung nach einer Eisenbahnverbindung im Raum, aber die löste das Problem der Zulieferung Eisenstein von den der Henrichshütte gehörenden Felder Müsen IV – X und den Kohlezulieferungen aus dem Friedrichstal und dem Rauendahl  auch nicht und ging zudem wesentlich später in Betrieb. Heute gehört die Kosterbrücke neben der Kemnader Brücke zu den beiden wichtigen Bochumer Nord-Süd-Verbindungen, die  die Ruhr zum Ennepe-Ruhr-Kreis hin queren.  

Beladung des Förderkübels unter Tage von Hand

Untertage © Stadtarchiv Bochum

Diese Entwicklung zur mechanisierten Förderung, der höher werdende Investitionsdruck, die zunehmende Nordwanderung der Kohlegewinnung und der damit wachsende Zwang zu äußerster Wirtschaftlichkeit führte schon Mitte der 20er Jahre des 20. Jhdts. dazu, dass selbst die beiden größten Stiepeler Zechen (Gibraltar und Carl Friedrich Erbstollen), die einen wesentlichen Anteil an den Steuereinnahmen der Gemeinde Stiepel leisteten, aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb einstellten und damit ein Loch in die Gemeindekasse rissen, dass den Herren der Gemeindevertretung den Schweiß auf die Stirn trieben Die verbliebenen Bergbaubetriebe auf Stiepeler Gebiet befanden sich bis auf sehr wenige Ausnahmen in privater Hand und sicherten ihren Absatz teilweise mit Lieferverträgen mit größeren Unternehmen, wie z.B. der im Besitz der Familie Munkenbeck befindlichen Kleinzeche „Mitgottgewagt“, die vertraglich mit Haniel verbunden war. Erst die enorme Kohlenachfrage nach dem zweiten Weltkrieg ließ wieder Kleinbetriebe, die sogenannten „Pütts eimerweise“, wie Pilze aus dem Boden schießen. Zu Ihnen gehörte auch die Kleinzeche Haunert im Friedrichstal direkt am Beginn des alten Gahlenschen Kohlenweges und neben dem Malakowturm Brockhauser Tiefbau gelegen. In unmittelbarer Nähe sind  die zu dem Zeitpunkt schon lange stillgelegten Zechen Preußisch Szepter, Friedrich, St. Georgen Oberstollen Maschinenschacht Carl Friedrich Erbstollen zu finden Die Entwicklung des Zechensterbens endete in Stiepel dann 1967 mit der Schließung der Zeche Küper & Kaeseberg. Auf einem von der GBAG (Gelsenkirchener Bergbau AG) gepachteten und der Zeche Friedliche Nachbar zugehörigen Feld nahm Bernhard Haunert, dessen Name der Betrieb später trug, 1946 die Förderung unter dem Namen „Westerbergstollen“ auf. Die maximale Förderleistung ist im Jahre 1952 mit 17.132 to, also einer im Vergleich zu den seinerzeit in Betrieb befindlichen Großzechen  vernachlässigbaren Menge, verzeichnet. Die Umbenennung der Zeche von Westerbergstollen in Haunert erfolgte dann im Jahre 1955. Die in der verbleibenden Betriebszeit erreichte jährliche Fördermenge betrug in der Spitze mit ca. 11.000 to gerade mal 2/3 der Rekordmenge des Jahres 1952.

Fördergerüst der Kleinzeche Haunert aus Holz

Kleinzeche Haunert © Stadtarchiv Bochum

  Das Betreiben dieses Bergwerkes ist wohl ein deutliches Zeichen für die kriegsfolgenbedingte Energieknappheit und die dem Bedarf entsprechend unzureichenden verfügbaren Förderkapazitäten der Großzechen. Die neu entstandenen Kleinzechen allgemein halfen über einen gewissen Zeitraum den offenen Bedarf zu decken, hatten aber mit den relativ schnell wachsenden Fördermengen der großen Tiefbauanlagen im Ruhrgebiet und an der Saar   keine Zukunft. So hatte mit dem in den 50er Jahren deutschlandweit verstärkt einsetzenden Zechensterben dann auch das Glöcklein für die Kleinzeche Haunert, gegründet als Westerbergstollen, geschlagen. Die Schließung erfolgte endgültig am 31. Januar 1959.

Friedrichstal, Blick von NW auf Kohleverladung und Malakowturm im Hintergrung

Kohleverladung (verdeckt) © Stadtarchiv Bochum

Heute liegt die ehemalige Zeche Haunert im Grubenfeld der Zeche Prinzregent. Eigentümerin des Grubenfeldes ist  die Rechtsnachfolgerin E.ON AG in Essen

Sieberei und Verladung Kleinzeche Haunert, 1957, Am Bliestollen

Sieberei und Verladung Kleinzeche Haunert, 1957 ©Stadtarchiv Bochum

Die oberirdische Fördereinrichtung der Kleinzeche (mit Fördergerüst und Haspelbude) wurde im Jahre 2017 auf Initiative des Knappenvereins Schlägel & Eisen, Bochum-Stiepel Dorf 1884 unter Leitung von Dr. Rainer Dickhut nach vorliegenden Fotos rekonstruiert, von Lehrlingen der Firma Deilmann Haniel nachgebaut und nahe des Malakowturmes Brockhauser Tiefbau errichtet. Im Friedrichstal kann damit Bergbaugeschichte vom Stollenbetrieb auf Erz und Kohle bis zum beginnenden Tiefbau, eine typische Kleinzeche des Nachkriegsbergbaues sowie der Einsatz von Kohletransportmitteln (Pferdekraft, Dampfhaspel, Dampflokomotive, Kohlenwagen) und Transportwege anhand von Informationstafeln nachvollzogen werden.   Nachbau der Kleinzeche Haunert im Schnee, errichtet 2017 Nachbau der Kleinzeche Haunert, 2017 © Wilhelm Hensing

Quelle der betriebsspezifischen Daten: Bochumer Zechen, Manfred Bähr, 2012

Zur steilen Höh (Gräfin-Imma-Straße 12)

Viele der beschriebenen Gastwirtschaften haben sich unter anderem dadurch ausgezeichnet, dass sie über Generationen von ein und derselben Familie geführt wurden. Bei der Schankwirtschaft „ Zur steilen Höh “, die an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 12 beheimatet war und nach 1919 die Praxisräume des ersten in Stiepel niedergelassenen Arztes waren, ist das genau andersherum. Es gab viele, nach jeweils kurzer Zeit wechselnde Eigentümerfamilien, von denen die meisten wohl nicht besonders erfolgreich waren. Doch der Reihe nach: Begonnen hat es mit dem Wirt Wilhelm Vohwinkel. Wann genau er sein Haus erbaut und den Betrieb der Gastwirtschaft begonnen hat, lässt sich nicht mehr exakt nachvollziehen. Es ist aber davon auszugehen, dass er das Grundstück bis spätestens 1869 als Teil des ehemaligen Kirchenwaldes, des sog. Pastoratsbusches, vom evangelischen Pastorat erworben hat. Wilhelm Vohwinkels Zeit als Wirt währte aber nur einige Jahre. Ein Eintrag in den Kirchenbüchern verrät uns, dass er im Jahr 1885 verstorben ist und eine Witwe sowie drei Kinder hinterlassen hat. Fortan führte die Witwe Vohwinkel die Gastwirtschaft. Im Jahr 1894 beantragte dann der Sohn, der Bergmann Wilhelm Vohwinkel junior bei der Gemeinde Stiepel, die Konzession für den Betrieb der Gastwirtschaft von seiner Mutter auf ihn zu übertragen. Durch diesen heute noch erhaltenen Konzessionsantrag können wir uns ein Bild von dem Gebäude machen. Wilhelm Vohwinkel junior beschreibt darin, dass die Wirtschaft das Vereinslokal für drei Vereine war (Militär-Verein Stiepel, Knappen-Verein Glück auf, Dilletanten-Verein Arion) und insbesondere einen Saal in der Größe von 387 Quadratmetern umfasste und (zu jener Zeit) „ … ein so großer Saal wie der unsere in Stiepel nicht vorhanden ist.“ Aufgrund der Lage fast genau im geografischen Mittelpunkt Stiepels wurde der Saal „ … stets zu Versammlungen bei Reichstagswahlen benutzt.“ Der Saal besaß eine Bühne und wurde später um eine Kegelhalle erweitert.

Straßenansicht 1894: links im Anbau der Eingang zum großen Saal, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Straßenansicht 1894: links im Anbau der Eingang zum großen Saal, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Die Konzession für den Bergmann Wilhelm Vohwinkel junior wurde im Mai 1894 erteilt. Seine Zeit als Wirt dauerte aber höchstens zehn Jahre, denn für das Jahr 1904 ist im Einwohnerverzeichnis der Wirt Friedrich Röder verzeichnet. Für die Jahre 1908/1909 lässt sich als nächster Wirt der Hauer Hugo Stollmann nachweisen. Aber auch dessen Zeit währte nicht lange. Ungefähr ab 1910 war Ewald Stracke als Eigentümer des Hauses der neue Wirt. Und genau in dieser Zeit passierte das Unglück, über das die Hattinger Zeitung  unter dem Datum 3.6.1912 berichtet: „In der Nacht zum Sonntag brannte die Wirtschaft des Herrn Stracke „Zur steilen Höh“ bis auf die Umfassungsmauern nieder. Der Besitzer und seine Frau waren nicht zu Hause, sondern auf einer Privatfeierlichkeit, als das Feuer zum Ausbruch kam. Die Löscharbeiten litten unter dem zu schwachen Wasserdruck. Nur ein kleiner Teil des Mobiliars konnte gerettet werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.“

Grundriss 1894, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Grundriss 1894, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Im September 1912 wurde der Bau eines neuen Hauses genehmigt und war -neben der katholischen Kirche- der Überlieferung nach das einzige Haus in Stiepel, das während des 1. Weltkrieges fertiggestellt wurde. Sehr wahrscheinlich hat der 1. Weltkrieg aber dazu geführt, dass der Betrieb dieser Gastwirtschaft nicht mehr rentabel war. Es ist bekannt, dass sich so mancher Wirt während dieser Zeit nach einer weiteren Tätigkeit umsehen musste. Die Schulchronik der Schule in Stiepel-Dorf notiert im Jahr 1916: „Am meisten haben unter dem Einfluß des Krieges die Wirte zu leiden. Die Wirtschaften sind zum größten Teil fast immer leer … Manche Wirte haben, dem Druck des Krieges sich fügend, auf Zechen und Fabriken Beschäftigung gesucht.“ Daher überrascht es nicht, dass sich ab 1916 die Familie Hülsmann in Eickel (Brauerei) als Eigentümer nachweisen lässt. Es ist überliefert, dass der letzte Konzessionsinhaber für diese Gastwirtschaft Heinrich von Hagen war. Er soll die Konzession, die immer auf die Person des Wirtes bezogen war, genutzt haben, um eine neue Wirtschaft an der heutigen Kemnader Straße 65 zu begründen.

Das "neue" Haus vom Garten aus betrachtet, im Vordergrund Cornelia Gilbert, geb. zur Oven Krockhaus, mit den Kindern Renate und Gerd, 1931

Das “neue” Haus vom Garten aus betrachtet, im Vordergrund Cornelia Gilbert, geb. zur Oven Krockhaus, mit den Kindern Renate und Gerd, 1931

Das Haus an der Gräfin-Imma-Straße wurde dann von Dr. Gerhard Gilbert erworben, der sich am 1. Dezember 1919 als erster Arzt in Stiepel niederließ. Dies war möglich geworden, nachdem die Knappschaft ihm die Versorgung der in Stiepel wohnenden Bergleute übertragen hatte. Abgesehen vom Anbau einer Wagenhalle im Jahr 1924 ist das Haus in seiner äußeren Form seit der Fertigstellung unverändert. Dr. Gilbert betrieb dort bis 1956 seine Praxis, als Nachfolger übernahm Dr. Hans Rath das Haus, danach ließ sich Familie Harder mit zwei Arztpraxen nieder.

Vereinigte Klosterbusch

7_klosterbusch_bochum_stiepel

7_klosterbusch_bochum_stiepel

Die Zeche Ver. Klosterbusch ist aus der bis 1878 fördernden Eisensteinzeche Ver. Klosterbusch in Essen-Werden hervorgegangen. 1918 erwarb die Gewerkschaft Ver. Klosterbusch die Steinkohlenzechen (Gewerkschaften) Sonnenschein, Johann Diederich und Buchwald in Bo-Querenburg. Es wurde ein Stollen aufgefahren und zwei tonnlägige Schächte im Flöz abgeteuft und in Betrieb genommen. Abgebaut wurden die Flöze der Wittener Schichten (Mausegatt, Kreftenscheer, Geitling, Finefrau und Girondelle).

Zeche Klosterbusch: Anfänglicher Stollenbetrieb

Zeche Klosterbusch: Anfänglicher Stollenbetrieb

Die Aufbereitungsanlage mit Brikettfabrik, Bahnhof und Verwaltung lag in Herbede neben dem Betriebsgelände der Zeche Herbeder Steinkohlen (Im Volksmund unter Zeche Holland bekannt, wobei die Zeche Holland auf Wattenscheider Stadtgebiet lag).

Zeche Klosterbusch: Aufbereitungsanlagen in Herbede

Zeche Klosterbusch: Aufbereitungsanlagen in Herbede

Die Grube wurde 1920 durch eine zwei Kilometer lange Seilbahn, die die Förderwagen über die Ruhr nach Herbede brachte, mit der Aufbereitungsanlage verbunden. Mit dem Bau der Bahn wurde im Frühjahr 1920 begonnen, die Inbetriebnahme erfolgte bereits Ende des Jahres 1920. Für Eisenlieferungen wurden sehr hohe Preise gefordert, gleichzeitig bestanden lange Lieferzeiten. Man entschloss sich, die Stützen der Drahtseilbahn und die Gebäude der Be- und Entladestation in Holz zu erstellen.

Zeche Klosterbusch: Holzgerüst der Seilbahn

Zeche Klosterbusch: Holzgerüst der Seilbahn

Um die geförderten Kohlen ohne Umladung zu der Aufbereitungsanlage zu bringen, wurden die Förderwagen an die Seilbahn angeschlagen. Nach der Entladung in Herbede gingen die Leerwagen im Umlauf zurück.

Zeche Klosterbusch: Entladestation der Seilbahn

Zeche Klosterbusch: Entladestation der Seilbahn

Die Leistung der Seilbahn betrug 60 t/Std. Nach einigen Betriebswochen zeigten die Drahtseile sehr viele Brüche und es traten Betriebsstörungen auf. 1926 wurde die Seilbahn vollständig umgebaut. Sämtliche hölzernen Stützen wurden durch eiserne Stützen ersetzt und die Tragseile erneuert. Nach dem Umbau lief die Seilbahn zufriedenstellend.

Zeche Klosterbusch: Stahlstützenkonstruktion, 1950

Zeche Klosterbusch: Stahlstützenkonstruktion, 1950

Bereits 1920 förderten 274 Beschäftigte 53.205 t. Der Hauptschacht (Schacht 1) wurde 1923 abgeteuft und ging 1924 in Förderung. 1926 – zwei Jahre später – betrug die Förderung 346.444 t. Die maximale Förderung wurde 1937 mit 454.100 t und 1.184 Beschäftigten erreicht. 1945 wurde wegen der Kriegsschäden die Förderung vorübergehend eingestellt (gefördert wurden ca.170.000 t mit 900 Beschäftigten). Wetterschacht 3 wurde 1950 an der Haarstraße abgeteuft und 1955 in Betrieb genommen. Schacht 1 erreichte 1951 die Teufe von 564 m (481 m unter N.N.) und die 4. Sohle wurde aufgefahren. Ein Jahr vor der Stilllegung 1960 wurden mit 1.000 Beschäftigten rd. 300.000 t gefördert. Am 1. August 1961 erfolgte die Stilllegung. Die Kohlenkrise hatte eine weitere Zeche (Gesamtförderung von 1918 -1961 rund 13 Mio. to) erfasst.

Lutherhaus

Das Lutherhaus der evangelischen Kirchengemeinde Bochum-Stiepel

Seit 1930 hat das Lutherhaus viele Veränderungen erfahren, die sich im Lauf der Zeit aus den sich wandelnden Bedürfnissen der Menschen ergaben, für die es gebaut wurde. Als Betsaal und Gemeindehaus angelegt, ist es inzwischen zu einem pulsierenden Zentrum des aktiven Stiepeler Gemeindelebens gewachsen, in dem Glaube, Kunst, Kultur und gemeinsame Freude ihren festen Platz haben. Aber wie ist das Lutherhaus, wie wir es heute kennen, eigentlich zu dem geworden, was es ist? Was hat sich seit der Grundsteinlegung getan und wie kam es dazu?

Das Lutherhaus in Bochum-Stiepel, 2017

Titelbild: Das Lutherhaus in Bochum-Stiepel, 2017

Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung in Stiepel, stellt man eine große Veränderung zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und dem Beginn des 20. Jahrhunderts fest. 1871 hatte Stiepel, damals noch einschließlich Buchholz, 3.100 Einwohner. 1905 hatte sich mit 6.000 die Einwohnerzahl fast verdoppelt, darunter eine große Anzahl Menschen evangelischen Glaubens. So wurde es erforderlich, für die seelsorgerische Versorgung eine weitere Pfarrstelle einzurichten. Die größere Gemeindevertretung fasste in einer Sitzung am 22. Juni 1909 den Beschluss, eine zweite Pfarrstelle mit Amtssitz auf der Haar ins Leben zu rufen. Das Konsistorium (Verwaltungsbehörde der Landeskirche) lehnte eine Beihilfe zur Einrichtung zunächst jedoch ab. Im Mai 1910 stellten das Presbyterium und die Repräsentanten der Gemeinde erneut einen Antrag mit neuen Finanzierungsplänen. Endlich stimmte das Konsistorium zu und erteilte zum 1. Juni 1911 die Einrichtungsurkunde. Zu dieser Zeit hatte der Lehnsherr, Inhaber des Patronats auf Kemnade, Freiherr Ludwig von Berswordt Wallrabe, noch das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle, machte davon aber keinen Gebrauch. Das Königliche Konsistorium in Münster berief daher den Hilfsprediger Max Joachim auf die neue Planstelle. Er wurde am 26. März 1912 in die Gemeinde eingeführt. Da noch kein Pfarrhaus vorhanden war, bezog er eine Wohnung im Gebäude der Gemeindeverwaltung an der damaligen Hauptstraße, heute Kemnader Straße, Ecke Haarstraße. Joachim legte 1922 sein Amt nieder, ihm folgte 1923 Karl Heuer, der bis 1927 die zweite Pfarrstelle innehatte. Die Gottesdienste fanden im Wegmannschen Saal, heute Haus Spitz an der Kemnader Straße, Ecke Hülsbergstraße, statt. Erst nach dem Ersten Weltkrieg und Überwindung der Wirtschaftskrise konnte an den Bau des Pfarrhauses gedacht werden. 1924 erwarb Landwirt Heinrich Haarmann zwei Preußische Morgen, an der Kemnader Straße und an der heutigen Königsallee. Das Pfarrhaus wurde in den Jahren 1927 und 1928 errichtet.

Lutherhaus: Das alte Pfarrhaus

Lutherhaus (1): Das alte Pfarrhaus

Die finanziellen Mittel konnten durch den Vertrag mit der Stadtgemeinde Bochum über die Ablösung der Patronatsverpflichtungen generiert werden. In § 2 des Vertrages verpflichtete sich die Stadtgemeinde Bochum für die Patronatsablösung 110.000 RM an die Kirchengemeinde zu zahlen. Von dieser Summe wurde auch 18.000 RM für den Betsaal im Haarbezirk eingeplant.1927 folgte Karl Husemeyer Pfarrer Heuer auf die zweite Pfarrstelle. 1929 kaufte die Gemeinde dann einen weiteren Morgen an der Kemnader Straße von Heinrich Haarmann für den geplanten Betsaal. In der Presbyteriumssitzung vom 4. Januar 1929 wurde der grundsätzliche Beschluss zum Bau des Gemeindehauses neben dem neuen Pfarrhaus gefasst. Die Kirchenvertretung beschäftigte sich in mehreren längeren Sitzungen mit der Finanzierung des Betsaales. Es wurde eine Kommission gewählt, die einige solcher Bauten besichtigen sollte. Architekten aus der Nachbarschaft sollten aufgefordert werden, Pläne einzureichen, aus denen dann der passendste ausgesucht werden sollte. Von der Betsaalkommission wurden die Architekten Schmiedeknecht und Stommel aus Bochum vorgeschlagen. Die Pläne sollten so beschaffen sein, dass eine sich später eventuell ergebende Vergrößerung des Betsaales oder der notwendige Bau einer Kirche in der Nähe des Saales ohne besondere Schwierigkeiten durchführbar wäre.

Lutherhaus: Postkarte um 1930

Lutherhaus (2): Postkarte um 1930

Zur Finanzierung wurde der Beschluss gefasst, ein Darlehen beim Deutschen Sparerbund für Eigenheime in Düsseldorf aufzunehmen. Am 10. Februar 1929 wurde im Wegemannschen Saal ein Kirchenbauverein gegründet. Seine Aufgabe sollte es sein, durch freiwillige monatliche Beiträge einen Fonds zu schaffen, der der Kirchengemeinde beim Bau des Betsaales auf der Haar zur Verfügung gestellt wird.

Lutherhaus: Gründung Kirchenbauverein

Lutherhaus (3): Gründung Kirchenbauverein

Der Bochumer Architekt und Regierungsbaumeister Wilhelm Stommel wurde mit der Planung des Baus beauftragt. Stommel hatte Erfahrung in der Planung von multifunktionalen Sakralgebäuden, er plante und baute auch die Kreuzkirche in Wattenscheid-Leithe. Am 26. Januar 1930 wurden sein Bauplan und der Kostenvoranschlag in Höhe von 95.000 Reichsmark vom Presbyterium und der größeren Gemeindeversammlung genehmigt. Zur Überwachung dieses Projekts wurde eine Baukommission gewählt. Sie bestand aus den Pfarrern Husemeyer (2. Pfarrstelle Haar) und Lohmeyer (1. Pfarrstelle Dorf), den Kirchmeistern Heinrich Kosthaus und August Thierhoff, den Gemeindeverordneten Gottfried Ansorge und Gustav Thierhoff aus dem Haarbezirk, Emil Behrenbeck und Lehrer Wilhelm Linnhoff aus dem Dorfbezirk. Auf die Gemeindeglieder im Haarbezirk kam viel Arbeit zu, denn sie verpflichteten sich, die Ausschachtungs- und Erdarbeiten in Eigenhilfe auszuführen.

Lutherhaus: Ausschachtungsarbeiten

Lutherhaus (4): Ausschachtungsarbeiten

Die gesamte Inneneinrichtung sollte durch freiwillige Gaben und Spenden beschafft werden. Der erste Spatenstich erfolgte am 10. März 1930, die Maurerarbeiten begannen am 7. Juli; und am 24. August erfolgte die Grundsteinlegung.

Lutherhaus: 1. Spatenstich März 1930

Lutherhaus (5): 1. Spatenstich März 1930

Nach einem Festgottesdienst im Schreierschen Saal zog die Gemeinde bei herrlichstem Wetter zum festlich geschmückten Bauplatz. Pfarrer Lohmeyer eröffnete mit einer Schriftlesung und einem Gebet die Feier. Die Festansprache hielt Superintendent Neuhaus. Danach verlas Pfarrer Husemeyer die hier im Wortlaut folgende „Urkunde zur Grundsteinlegung des Betsaales und Gemeindehauses in Stiepel-Haar.“ Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen! Am zehnten Sonntag nach dem Trinitatisfest, dem 24. August, im Jahre des Heils 1930, als Generalfeldmarschall von Hindenburg Reichspräsident und D. Zoellner Generalsuperintendent von Westfalen und Pfarrer Neuhaus Superintendent des Kirchenkreises Hattingen war, wurde der Grundstein dieses Hauses gelegt. In der Kirchengemeinde Stiepel in Bochum, die in der über 900 Jahre alten Kirche im Dorf eines der ältesten Gotteshäuser an der Ruhr besitzt, ersteht auf der Haar das Luther-Haus: Betsaal und Gemeindehaus. Es sei uns Stätte der Anbetung und Erbauung, Hort des standhaften Glaubens und ein Wahrzeichen des Treuebekenntnisses vieler zum Herrn der Geister und der Gemeinde Jesu Christi. Das Haus soll Luther-Haus heißen, den Namen unseres großen Reformators Dr. Martin Luther tragen, durch den Gott unserem Volke den köstlichen Schatz des Evangeliums wiederschenkte. Sein Bild leuchte uns vor als der fromme und mutige in Gottes Wort und Geist gefestigte Glaubensheld, der uns in unserer gärenden und unruhevoll wogenden Zeit den festen Grund des Glaubens weist. In ernster und schwerer Zeit wird dieses Haus gebaut. Der Wunsch, daß es erstehe, geht zurück bis in die Vorkriegszeit. Im Jahre 1912 erhielt der Haarbezirk eine selbständige Pfarrstelle, seitdem verlangte man in der Gemeinde nach eigenem Raum zum Gottesdienst und zur Sammlung der Gemeinde. Der harte Verteidigungskampf im Weltkriege 1914-18 und die schweren Erschütterungen des deutschen Volkslebens in der Nachkriegszeit verhinderten zunächst die Ausführung dieses immer dringenderen Verlangens. Der Gottesdienst mußte bisher im Schreierschen Saal gehalten werden. Im Jahre 1925 wurde unter Pfr. Karl Heuer das Grundstück zum Bau des Pfarrhauses und Betsaales von dem Landwirt Heinrich Haarmann erworben und 1929 erweitert. Nach Einführung der beiden Pfarrer Hermann Lohmeyer (Dorf) und Karl Husemeyer (Haar) im Juni 1927 wurden im Jahre 1928 die langwierigen Verhandlungen wegen Ablösung des Jahrhunderte alten Patronats zum Abschluß gebracht. Nach Erbauung des Pfarrhauses Haar 1927/28 ging man an den Bau des Betsaals. Im Frühjahr 1929 entstand der Kirchenbauverein, der durch freiwillige Beiträge die Innenausstattung des Hauses besorgen will. Nach langen und ernsten Erwägungen gewann der Plan zum Bau dieses Hauses im Frühjahr endgültige Gestalt. Aus mehreren auftragsgemäß eingereichten Entwürfen wurde das Projekt des Architekten Reg.-Baumeister Stommel Bochum zur Ausführung erwählt und der Kostenanschlag von 95.000 Mark durch einmütigen Beschluß der kirchl. Vertretung am 26. Januar 1930 genehmigt. In der Baukommission, der die sorgfältige Durchberatung und Förderung des Baues obliegt, wurden gewählt die Herren: Pfr. Lohmeyer und Husemeyer, Kirchmeister Heinrich Kosthaus und August Thierhoff, Gemeindeverordneter Emil Behrenbeck und Wilhelm Linnhoff, Gottfried Ansorge und Gustav Thierhoff. Der erste Spatenstich wurde nach einer schlichten Feier am 10. März 1930 getan. Von opferwilligen Gemeindegliedern wurden dann in fröhlichem Wetteifer die gesamten Erdarbeiten und viele Fuhren freiwillig ausgeführt. Nach Überwindung der letzten Schwierigkeiten konnte am 7. Juli mit den Maurerarbeiten begonnen werden. Eben ist ein Jahr vergangen, seitdem Stiepel seine Selbständigkeit aufgab und nach Bochum eingemeindet wurde. Das Jahr 1930 hat mit den schweren Krisen im Wirtschaftsleben viel Arbeitslosigkeit und Not gebracht, auch die in unserer Gemeinde gelegene Zeche Karl Friedrich wurde zum 15. August stillgelegt. Dennoch legen wir den Grundstein in der Hoffnung, daß der Herr dies Werk gelingen lassen und segnen möge! Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Stiepel Karl Husemeyer, Pfr. pr. presb.; Hermann Lohmeyer, Pfr.; Heinrich Kosthaus, Kirchmeister; Hugo Böhle; Wilhelm Behrenbeck; August Thierhoff, Kirchmeister; Karl Diergardt; Heinrich Haarmann; Wilhelm Rumberg; Fritz Riepenberg; Heinrich Heiermann; Heinrich Strunk. In die Kupferkapsel, die im Grundstein eingelassen wurde, sind noch weitere Dokumente eingelegt worden. Neben dem Sonntagsblatt „Friede und Freude“ vom 24. August waren es zwei Tageszeitungen sowie Verzeichnisse der Mitglieder des Kirchenbauvereins, der gesamten Kirchenvertretung, aller freiwilligen Mitwirkenden bei den Erd- und Fuhrarbeiten und der Spender. Aufgeführt wurden auch die beteiligten Bauunternehmer Wilhelm Behrenbeck, Karl Diergardt und Georg Kortwig sowie die übrigen bis dahin beauftragten Handwerker.

Lutherhaus: Grundsteinlegung August 1931

Lutherhaus (6): Grundsteinlegung August 1931

Nach fast einem Jahr, am 30. August 1931, wurde das Lutherhaus feierlich eingeweiht. Die Feierlichkeiten, wieder ausgehend vom Wegemannschen Saal, werden in nachfolgendem Programm und Zeitungsartikel ausführlich beschrieben.

Lutherhaus: Einweihung August 1931

Lutherhaus (7): Einweihung August 1931

 

Lutherhaus: Zeitungsauschnitt zur Einweihung

Lutherhaus (8): Zeitungsauschnitt zur Einweihung

 

Lutherhaus: Einladung zur Einweihung

Lutherhaus (9): Einladung zur Einweihung

 

Lutherhaus: Eröffnung 1931

Lutherhaus (10): Eröffnung 1931

In dieser arbeits- und ereignisreichen Zeit war Pfarrer Husemeyer bis 1956 Seelsorger der Haargemeinde. Er verstarb als bisher einziger Pfarrer während seiner aktiven Dienstzeit.

Lutherhaus: Pfarrer Husemeyer

Lutherhaus (11): Pfarrer Husemeyer

In diese fielen 1951 auch die Renovierungs- und Aufräumarbeiten nach Ende des zweiten Weltkrieges. Dabei wurden gleichzeitig der etwas problematische Zugang zur Kanzel verbessert und die Treppe erneuert.

Lutherhaus: Saal, 1950

Lutherhaus (12): Saal, 1950

 

Lutherhaus: Saal, 2017

Lutherhaus (13): Saal, 2017

Vor der Bleiverglasung im Altarraum wurden von innen Schlagläden angebracht, die Kirchenmaler Fritz Mannewitz bemalte. Fritz Mannewitz, geb. 1902 in Tharand bei Dresden, Lehrzeit als Dekorationsmaler, Aufnahme in die staatliche Kunstgewerbeschule, Tätigkeit als selbstständiger Malermeister mit Schwerpunkt Restaurierung und Ausgestaltung von Gutshäusern und Kirchen; 1950 Übersiedlung nach Bochum, dort bis 1956 tätig; verstorben 1962 in Ehlershausen bei Hannover. Die Schlagläden zeigen die Evangelisten aus dem Neuen Testament Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, mit ihren Symbolen und typischen Sprüchen aus den Evangelien.  

Lutherhaus: Schlagläden von Fritz Mannewitz

Lutherhaus (14): Schlagläden von Fritz Mannewitz

Auf Husemeyer folgte Dr. Reinhard Runge, welcher das Amt bis 1964 innehatte, dann Harald Bedenbender bis 1971, Wilhelm Tefehne bis 1978, Werner Posner bis 1986 und Gerd Heil bis 1992. Erstmalig besetzte zwischen 1993 und 1995 eine Frau, Angelika Martin, die zweite Pfarrstelle. Nach einem Jahr Wirken der Vertretungspastoren Dr. Udo Arnold und Pascal Schilling wurde Ortwin Pfläging auf die Stelle berufen, die er bis 2016 wahrnahm. Aktuelle Stelleninhaberin ist seit 2017 Christine Kükenshöhner. Das Lutherhaus hat einen Andachtsraum, der je nach Ausrichtung der Bestuhlung und Öffnen oder Schließen von Faltwänden für kleinere und größere Gottesdienste, Versammlungen oder andere Veranstaltung eingerichtet werden kann. Dominiert wird der große Altarraum durch drei Fenster in farbiger Antikschnittverglasung, nach einem Entwurf des Kunstmalers K. W. Heyer von der Essener Glasmalerei W. Hallermann ausgeführt und eingebaut.

Lutherhaus: Verglasung Altarraum

Lutherhaus (15): Verglasung Altarraum

In der kleinen Apsis befinden sich zwei weitere Fenster vom selben Künstler. Karl Willy Heyer, geboren am 27.4.1900 in Dortmund, lebte zunächst in Köln, dann bis 1982 in Bochum. Er studierte an der Staatlich genehmigte Handwerker- und  Kunstgewerbeschule, heute   Folkwangschule für Gestaltung  in Essen, war 1921 Mitbegründer der Westfälischen Künstler und Kunstfreunde (VWKuK) und seit 1946 Mitglied im Bochumer Künstlerbund (BKB). Als freischaffender Künstler beschäftigte er sich mit Malerei, Grafik, Schriftkunst, Mosaik und Glaskunst. Beispiele seiner Arbeit sind u. a. in der Pauluskirche, Melanchthonkirche und Petrikirche zu finden. Auf der Empore wurde erst im Laufe der 1940er Jahre eine gebrauchte Orgel eingebaut, eine Neuanschaffung war zu kostspielig. Die Gottesdienste wurden mit einem Harmonium musikalisch begleitet.  1975 wurde die alte Orgel durch eine Bosch Opus 657 ersetzt.  

Lutherhaus: Bosch-Orgel

Lutherhaus (16): Bosch-Orgel

Organisten waren bis 1937 der Lehrer August Haarmann, bis 1957 Pfarrfrau Walpurg Husemeyer, ihr folgte Paul Wieber, ab 1975 Ernst Schulte-Umberg, Wernfried Lahr bis 1978. Ab 1980 war Else Zöger Organistin, das Amt wurde dann ab 1994 von Angelika Henrichs übernommen. Weitere Räumlichkeiten sind vorhanden: Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Raum, das sogenannte Musikzimmer. In einem Teil des Flures wurde im Rahmen der Renovierung eine barrierefreie Toilette eingebaut. Die Garderobenanlage der Düsseldorfer Firma Johannes Melzer aus dem Jahr 1931 ist immer noch in Funktion. Für ihre Montage erhielt Gustav Gathmann seinerzeit 36 Reichsmark. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine ca. 100 qm große Wohnung. Diese wurde zeitweise von den Stiepeler Gemeindeschwestern Hedwig Hölper (1947 bis 1950) und Luise Herbst (1950 bis 1984) bewohnt. Als Luise Herbst nach 34 Jahren aus dem Dienst verabschiedet wurde, ging nach Empfinden der alten Stiepeler die „Gemeindemutter“.

Lutherhaus: Gemeindeschwester Hölper

Lutherhaus (17): Gemeindeschwester Hölper

Auch die Küster der Gemeinde, von 1934 bis 1975 Lilli Ose, von 1975 bis 1991 Rose-Marie Zint und ab 1991 Walter Wiesemer, wohnten im Gemeindehaus. Im zweiten Obergeschoss befinden sich mehrere Räume, die in letzter Zeit für die Jugendarbeit genutzt wurden. Von hier aus erreicht man auch das „Glockentürmchen“, in dem die von der Herforder Läutemaschine „Voco“ angetriebene Glocke hängt. Diese wurde von der Verwaltung der Zeche Klosterbusch gestiftet. Klosterbusch war mit 1.133 Beschäftigten nach Stilllegung der Zeche Karl-Friederich im Jahr 1929 neben der Henrichshütte der größte Arbeitgeber in Stiepel. Hergestellt wurde die Glocke vom Bochumer Verein. Ihre Inschrift lautet: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Am 9. Oktober 1932 wurde sie eingeweiht.

Lutherhaus: Glockenweihe 1932

Lutherhaus (18): Glockenweihe 1932

Im Kellergeschoss befinden sich die Sanitärräume und eine große Küche mit eigenem Eingang von der hinteren Umfahrung. Die Küche ist mit einem Speisenaufzug ausgestattet, der den Vorraum des großen Saales direkt mit der Küche verbindet. Der ursprüngliche Handaufzug der Firma Joseph Tepper aus Münster mit einer maximalen Tragkraft von 40 kg wurde in den 60er-Jahren auf elektrischen Antrieb mit 50 kg Tragkraft umgestellt. Hinter der Küche befindet sich ein Raum, in dem sich heute die Konfirmanden treffen. In dem als Turnhalle konzipierten Raum unter der Altarbühne, früher von den Jünglingsvereinen als solche genutzt, befindet sich heute das „Luther`s“, Bar/Lounge/Disco. Auch die „Turnhalle“ hat einen eigenen Zugang. Der große Außenbereich, das Grundstück war mittlerweile auf drei Morgen angewachsen, veränderte sich im Laufe der Zeit. In den Kriegs- und Nachkriegszeiten wurden große Teile des Pfarrgartens zur Versorgung der Pfarrfamilien landwirtschaftlich genutzt. Heute überwiegt die Nutzung als Garten. Auch die Zugänge zum Lutherhaus änderten sich. Bevor die Königsallee entstand, wurde der hintere Eingang vor allem von Besuchern aus der Haar-, Voßkuhl- und Surkenstraße genutzt. Der Pastor bevorzugte den Seiteneingang, um schnell vom Pfarrhaus in die Kirche zu kommen. Der Haupteingang befindet sich jedoch in der westlichen Giebelwand und ist über die Kemnader Straße zugänglich. Die gesamten Räumlichkeiten verteilten sich auf eine Grundfläche von ca. 500 qm. Das Haus ist ca. 39 m lang und 13 m breit, im westlichen Bereich zweieinhalbgeschossig, im eigentlichen Saal aber, bis auf einige kleine Nebenräume, nur eingeschossig. So multifunktional das Gebäude geplant und gebaut ist, stellte einen Nachteil, besonders in früheren Jahren, der Friedhofsweg dar. Fand die Trauerfeier im Lutherhaus statt, musste der Leichnam über die Kemnader- und die Gräfin-Imma-Straße bis zum Friedhof ins Dorf gebracht werden. In den ersten Jahren nach Eröffnung des Lutherhauses wurde dies noch mit einem von Pferden gezogenen offenen Leichenwagen bewerkstelligt.  

Lutherhaus: Leichenzug bis ins Dorf

Lutherhaus (19): Leichenzug zum evang. Friedhof in Stiepel-Dorf

Nicht selten wurde der Zug von der Kapelle „Stock“ begleitet, die auch am Grab spielte. Zwar war ein Friedhof für den Haarbezirk geplant, doch kam es nie zur Ausführung. In den Jahren 1964/65 wurde ein neues Pfarrhaus errichtet. Das alte wurde dann 1967 dem evangelischen Kirchenkreis für die Dauer von 20 Jahren überlassen, entsprechend der Laufzeit eines landeskirchlichen Darlehens zur Finanzierung des neuen Pfarrhauses.

Lutherhaus: neues Pfarrhaus (1964/1965)

Lutherhaus (20): neues Pfarrhaus (1964/1965)

1981 konnte die Gemeinde den fünfzigsten Geburtstag des Lutherhauses feiern. Am Samstag, 11. Juli 1981, ab 17.00 Uhr wurde das Fest im Rahmen einer Feierstunde mit Kirchenchor, Posaunenchor und einem Vortrag von Dr. Schonefeld über die Geschichte der Gemeinde sowie anschließendem gemütlichem Abend „oben“ und Jugendfete „unten“ begangen. Der Sonntag begann um 11.00 Uhr mit einem Familiengottesdienst. Anschließend folgte ein gemeinsames Mittagessen, offenes Singen mit dem Kirchenchor, ab 14.00 Uhr gab es Kaffee und Kuchen, Spiele für Jung und Alt. Posaunenchor und Feuerwehr waren vor Ort. Kehraus war ab 18.00 Uhr. Am 30. Juni 1992 wurde das Lutherhaus unter Denkmalschutz gestellt. Auf der Karteikarte der Denkmalschutzliste wird es wie nachfolgend beschrieben: Gemeindehaus: Zweigeschossiger Putzbau über Sandsteinsockel unter Walmdach mit Glockentürmchen. Runderker und zwei weitere, verspringende Bauteile auf der Rückseite des Gebäudes, sonst strenge geometrische Gebäudeform. Seitlich liegendes Portal. Typische Formensprache der ausgehenden 20er Jahre des 20. Jhd. Rechter Gebäudeteil durch hohe, über zwei Geschosshöhen gehende Rechteckfenster, als Saalbau auch äußerlich erkennbar. Im Gebäudeinneren weitestgehend noch ursprüngliche Raumaufteilung und -gestaltung, die in einigen Bereichen durch noch ursprüngliche, bewegliche Wandelemente unterschiedlichsten Nutzungsanforderungen angepasst werden kann. Großer Gottesdienst- und Gemeindesaal mit an der Ostwand angefügtem, halbkreisförmigen Erker zur ursprünglichen Aufnahme des Altarraumes. Aus seiner Lage ergeben sich weiter städtebauliche, kirchengeschichtliche und stadtteilgeschichtliche Gründe, die Objekte geeignet scheinen lassen, historische Vorgänge und Entwicklungen des Stadtteils Stiepel und der Kirchengemeinde Stiepel aufzuzeigen. Im Jahr der Renovierung (1998) wurde ein Änderungsantrag zum Denkmal gestellt. Der Vorplatz mit den Baracken, der dem Kindergarten provisorisch Platz gab, sollte aus dem Denkmalschutz herausgenommen werden. Im Zuge dieses Antrages wurde von der unteren Denkmalbehörde eine Fortschreibung des Denkmals vorgenommen. Mit freundlicher Genehmigung der Behörde wird auch diese Beschreibung wörtlich wiedergegeben, da sie das Denkmal treffend beschreibt. Denkmalliste der Stadt Bochum, Karteikarte: A260, Lutherhaus, K__emnader Str. 127  Der Denkmalwert erstreckt sich auf das Äußere des Gebäudes mit seinem konstruktiven Innengerüst, der Raumaufteilung sowie den Resten originaler Wand fester Ausstattung, wie z. B. Bühne, Empore, Farbverglasung im Saal, Treppe in das Obergeschoss, Haustüren. Zugehörig ist auch die terrassenartige Außenanlage auf der Nordostseite des Gebäudes. Es handelt sich bei dem Gebäude Kemnader Straße 127 in Bochum um ein langgestrecktes, zweigeschossiges Gebäude unter mit Pfannen gedecktem Walmdach, auf dessen First ein kleiner quadratischer Glockendachreiter sitzt. Betont schlicht gestalteter Baukörper, dessen einziger Schmuck der Sockel und die rechteckigen Portaleinfassungen aus roh gebrochenen Sandsteinquadern sind. Darüber sind alle Fensteröffnungen bündig in die glatten, weißen Putzflächen eingeschnitten. Nur die Sohlbänke treten als Tropfleisten leicht vor. Die kubische Großform wird ausschließlich durch funktionsbedingte Vorbauten wie Haupt- und Nebeneingänge, Altarapsis und Nebenraum zur Bühne gegliedert. Ebenso sind die Fensterformate jeweils den Belichtungsbedingungen angepasst, woraus sich wiederum gliedernde Elemente ergeben zwischen schmalen hochformatigen und eher „quadratischen“ Fenstern verschiedener Größe, wobei stets gliedernde und ordnende Regeln beachtet sind. Der Haupteingang des Gemeindehauses befindet sich auf der nordwestlichen Schmalseite. Eine einläufige Freitreppe, die die Höhendifferenz des Sockels ausgleicht und aus dem Material wie diese erstellt ist, ist ihm vorgelegt. Die innere Erschließung erfolgt über eine Art Längsflur, der in Windfang und sich foyerartig aufweitende Raumeinheiten gegliedert ist. An ihm liegen Versammlungsräume und rückwärtig der große Gemeindesaal. Er ist das Kernstück des Lutherhauses und kann je nach Bedarf als Festraum mit Ausrichtung auf die als leicht bespielbare Laienbühne eingerichtete Bühne oder im rechten Winkel dazu mit Ausrichtung auf die Altarapsis als Gottesdienstraum benutzt werden. Bunte Glasfenster mit Darstellung des Reformators Luther, der Stiepeler Dorfkirche als Mutterkirche, der benachbarten Burg Blankenstein, der christlichen Symbole von Taube und Kreuz erläutern die Standortbestimmung der Kirchengemeinde. Empore und (im Laufe des Verfahrens des Änderungsantrages) erneuerte Falttüren bieten die Möglichkeit, je nach Besucherzahl oder Benutzerkreis die Raumgröße zu variieren. Auch in seinem üppigen Raumangebot für kirchlichen Unterricht und Gruppenarbeit entspricht das Gebäude noch der ursprünglichen Raumaufteilung. Auch hier ermöglichen (kürzlich erneuerte) Faltwände eine variable Nutzung. Die Zimmerfenster sind inzwischen zum größten Teil als Isolierfenster mit ungeteilten Scheiben erneuert worden. Ebenso wurde die Tür zum Saal und der Bodenbelag im erdgeschossigen Flur im Laufe des Unterschutzstellungsverfahrens erneuert. Für Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, d. h. hier baugeschichtliche Gründe vor, weil die Baugruppe exemplarisch die Gestaltung und Organisation eines evgl. Gemeindezentrums in den Jahren vor der Machtübernahme des nationalsozialistischem Regimes dokumentiert. Die beim Lutherhaus angewandte, betont schlichte, auf Funktion ausgerichtete Architekturauffassung entspricht den allgemeinen Gestaltungstendenzen am Ende der 1920er-Jahre. Mit Kenntnis der Erscheinungen des Internationalen Stils entstanden auf Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit ausgerichtete Bauten, die in ihrer Gestaltungsstrenge und Übersichtlichkeit einen neuen Klassizismus vorbereiteten. Abweichend vom Internationalen Stil vermittelt jedoch sparsam eingesetzter Naturstein und ausschwingendes Walmdach heimatlich gefärbte Assoziationen. Als vorrangige Bauaufgabe entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg das Gemeindehaus, das unter einem Dach die verschiedenen Aspekte des Gemeindelebens vereinigt. Neben der Knappheit der finanziellen Mittel lag der Bauaufgabe auch ein neues biblisches Verständnis zugrunde, dass die kirchliche Gemeinde eine Lebensgemeinschaft bedeutet. In diesen Mehrzweckbauten sollte der Abendmahltisch eine besondere Stellung haben, was im Lutherhaus durch Ausbildung der runden Apsis geschah. Stilistische Empfehlungen zielten auf modernere Architektur als Baukörper, funktionalistisch ohne „Fassade“ und Ornament (Paul Girkon, Neubauten evgl. Gemeinden und Verbände in Westdeutschland. Im Auftrag der Beratungsstelle für kirchliche Kunst beim ev. Pressedienst…..). Hans Herkommer, Kirchliche Kunst der Gegenwart, Stuttgart 1930, propagierte, dass Geist und Wesen des Protestantismus eine schlichte, unrepräsentative, anspruchslose Formgebung in Bau und Ausstattung verlange. Nach Jahrzehnten der romantischen Wiederbelebung geschichtlicher Großstile sollten die auf das tatsächliche Bedürfnis beschränkten Bauten streng und unsymmetrisch gestaltet werden unter Verzicht auf äußere Aufmachung.  Datum der Fortschreibung 31. März 1999 Stadt Bochum, Der Oberbürgermeister, Im Auftrage, Dipl.-Ing. Göschel In der Beschreibung der Bleiglasfenster hinter dem Altar auf der Bühne irrte Herr Göschel. Beim Motiv des rechten Fensters handelt es sich nicht um die Burg Blankenstein, sondern um die Wartburg in Thüringen, wo Luther an seiner Bibelübersetzung arbeitete. Im Jahre 1998 beschloss die Gemeinde nach langer, fast 70-jähriger Nutzung eine umfassende Renovierung des Kirchensaals. Diese wurde im Zeitraum Februar bis Mai 1999 durchgeführt. Altar- und Innenraum wurden neu gestaltet, die Deckenausmalung wurde nach einer Planung durch Dr. Christel Darmstadt so gestaltet, dass nun beide Ausrichtungen der Kirche – bei großen Gottesdiensten Ausrichtung auf den Hauptaltar, bei kleineren Ausrichtung auf die seitliche Apsis – gegeben sind. In beiden Richtungen sind die Deckenbemalungen und Lampen mittig angeordnet. Die Treppen zum Altar und das Podest der Apsis wurden erneuert. Ferner wurden die Kanzel, das Taufbecken, die Bestuhlung und der Altar in der Apsis erneuert. Die bleiverglasten Fenster wurden gegen doppelt verglaste ausgetauscht. Nur die Fenster im Altarraum und im Erker blieben erhalten.

Lutherhaus: Deckausmalung (1999)

Lutherhaus (21): Deckausmalung (1999)

 

Lutherhaus: Verglasung / Erker

Lutherhaus (22): Verglasung / Erker

An der Außenfront wurde der mittlere Seiteneingang mit einer Rampe versehen, um das Lutherhaus auch mit Rollstuhl erreichbar zu machen. Neben diesem Eingang fand ein von Bildhauermeister Peter Suerken aus Esslingen künstlerisch gestalteter Grabstein einen ansprechenden Platz. Der Grabstein wurde zum Gemeindejubiläum von der Familie Darmstadt geschenkt. Mit einem Festgottesdienst wurde das neugestaltete Lutherhaus am 9. Mai 1999 von der Gemeinde in Besitz genommen.

Lutherhaus: Seiteneingang

Lutherhaus (23): Seiteneingang

Im Jahre 2006 feierte die Gemeinde Stiepel-Haar das 75-jährige Jubiläum des Lutherhauses. Die funktionale Bauweise machte es möglich, dass sich im Lutherhaus die vielfältigsten Veranstaltungen etablierten. Neben Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten werden Saal und Bühne auch für die Zusammenkünfte und Darbietungen einiger Vereine genutzt. Als Beispiel sei der Stiepeler Verein für Heimatforschung genannt, der seinen plattdeutschen Gottesdienst seit Jahren dort abhält, oder der Theaterverein Preziosa, der seine Theaterstücke auch im Lutherhaus aufführte. Des Weiteren wird das Lutherhaus vom Posaunenchor Haar als Proberaum genutzt. Der Gospelchor „Children oft Light“ übt und gibt Konzerte im Lutherhaus, so auch der Musikverein „Gut Klang“, der sein Jahreskonzert dort gibt. Von Jugendgruppen bis zu den Senioren in verschiedensten Bastel-, Gesprächs- und Arbeitskreisen, alle finden hier Platz und Raum. Betrachtet man z. B. den Veranstaltungskalender im Gemeindebrief Nr.17, so findet fast jeden Tag ein Treffen statt. Eine solche Anzahl von Veranstaltungen lässt auf ein reges Gemeindeleben und erfolgreiche Jugendarbeit schließen.   Text: Gerhard Hagenkötter Quellenverzeichnis: Winfried Schonefeld, Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Stiepel 1983 Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Stiepel Archiv Ev. Stiftung Diakoniewerk Ruhr-Witten Privatsammlung Wilhelm Haarmann, Stiepel Stadt Bochum, Stadtplanungs-und Bauordnungsamt Manfred Bär, Bochumer Zechen Eine Datensammlung 1620-1974 2012 Privatsammlung Dr. Andreas Mannewitz Interviews mit Anne Steven, Gerda Hoffstiepel, Christa Haard, Renate Reininghaus-Seifert, Elisabeth Loos, Siegfried Seifert, Dr. Christel Darmstadt, Paul Ose, Bernd Figgemeier, Werner Fernholz. Bildnachweise: Bild Nr. 1,13,16,20,22,23,Titelbild Gerhard Hagenkötter Bild Nr. 2,4,6,9,11,12,17,18,19,21 Archiv evangelische Kirchengemeinde Stiepel Bild Nr. 3,5,7,8,10 Stadtarchiv Hattingen: Hattinger Zeitung Bild Nr. 14,15 Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt Stand 30.9.2017

Einladung zum Osterfeuer

Das traditionelle Osterfeuer an der Pfingstblume wird entzündet am Samstag, den 31. März 2018 um 19:00 Uhr. Mitglieder, Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen! Vor der Entzündung des Osterfeuers gibt es Leckeres vom Grill, Osterspezialitäten vom Büffet und passende Getränke. Für die kleinen Gäste halten wir eine Überraschung bereit. Wir wünschen allen ein schönes Osterfest und einen gemütlichen Abend an unserem Osterfeuer!

Arbeitskreis-Termine für das erste Halbjahr 2018

Die Termine für unsere Arbeitskreise Geschichte, Plattdeutsch und Genealogie des ersten Halbjahres 2018 sind eingestellt, ebenso wie die Termine für den Stammtisch. Du bist interessiert an Stiepeler Geschichte? Oder an sonstigen Themen rund um Stiepel? Dann schau in den Arbeitskreisen vorbei, hier findest Du erste Informationen.

Spitz (Kemnader Straße 138)

Haus Spitz (seit 1939), vormals Gastwirtschaft Schreier (1875 – 1919) und Gastwirtschaft Wegemann (1919 – 1939) An der Kemnader Straße 138 in Stiepel-Haar liegt die Gastwirtschaft mit Saalbetrieb „Haus Spitz“. Sie wurde 1875 eröffnet und ist das älteste noch an selber Stelle bestehende Lokal in Stiepel. Erbauer waren der Bäckermeister Gustav Schreier aus Mittelstiepel (heute Gräfin-Imma-Str. 49), Sohn des Bäckers und Gastwirts Johann Heinrich Schreier (1797-1875) und Elisabeth Maria Anna Catharina Wefelscheid gen. Wüstenhof (1807-1879) und seine Ehefrau Juliane geb. Haarmann „vom Gebrannten“ (heute Am Gebrannten 51), Tochter des Metzgers und Gastwirts Heinrich Friedrich Wilhelm Haarmann gen. Kruse (1827-1904) und Maria Margarethe Appelmann (1823-1870). Das Haus, in zwei Bauabschnitten bis 1876 vollendet, wurde auf einem drei Morgen großen Stück Land des Hofes Haarmann „auf der Haar“ (heute Haarstraße 19) nördlich der Ackerfläche mit Flurnamen „Hogel“ errichtet, von der heute noch das Feld vor dem Zisterzienserkloster übriggeblieben ist. Von vornherein als Gast- und Backstube mit Gesellschaftszimmern geplant, diente die Gastwirtschaft Schreier im Anfang auch für einige Jahre als Wechselstation für Postpferde. Eine bauliche Besonderheit sind die verschiedenen Materialien, die für die Außenwände verwendet wurden. So ist die nördliche Giebelwand aus Ziegel, während die südliche Wand aus Fachwerk besteht und mit bergischem Schiefer belegt ist. Die Seite zur Kemnader Straße mit Ziegel ausgefachtes Fachwerk und die Seite zum Innenhof besteht aus hellem Ruhrsandstein. Neben dem weitgehend erhaltenen Hausflur war diese Mischung einer der Hauptgründe, warum das Haus 2007 von der Stadt Bochum als „erhaltenswertes Gebäude“ eingestuft wurde und eine Plakette bekam. Eine erste Vergrößerung der Anlage fand bis 1880 statt, als ein Anbau aus Ziegel für Stallungen und Kohlenlagerung errichtet wurde. Zum Haus gehörten ein Obsthof, ein 650m² großer Gemüsegarten und 4.800m² Ackerfläche, die zum Unterhalt des Betriebs genutzt wurden.

Das ursprüngliche Grundstück Schreier, Luftaufnahme 1926

Das ursprüngliche Grundstück Schreier, Luftaufnahme 1926

  Aufgrund des Bevölkerungswachstums im Zusammenhang mit dem Bergbau und der fortschreitenden Industrialisierung in der Kaiserzeit benötigte der Norden Stiepels bald neue Versammlungsstätten. Gustav Schreier baute deshalb 1902 einen Saal für zunächst bis zu 400 Personen mit einer Größe von 270m². Der Bau wurde unter anderem durch ein Darlehen des Bochumer Braumeisters Wilhelm Schlegel finanziert. Der neue Saal erhielt kurz darauf einen 60m² großen Bühnenanbau, der später für Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt wurde. Darunter befindet sich seit 1977 ein Schießstand mit 10 Metern Schießbahn für Kleinkaliber. Ein neuer Parkplatz auf dem Gelände des alten Obsthofs wurde 1975 angelegt.

Postkarte 1923: Restauration Witwe Schreier

Postkarte 1923: Restauration Witwe Schreier

  Für das Leben der Stiepeler Gemeinde wurde die Gastwirtschaft schnell zu einem örtlichen Zentrum und Identifikationsmerkmal. So wurde der bis 1892 angelegte Damm zwischen der Hülsbergstraße und der heutigen Einmündung der Straße Am Varenholt im Volksmund „Schreiers Damm“ genannt. Hier fuhr ab 1926 die Straßenbahn von Weitmar nach „Frische“ (Linie 5) und „Hofstiepel“ (Linie 15) an der damaligen Koster Brücke. Die nächstgelegenen Haltestellen waren „zur Oven“ auf Höhe des heutigen Kindergartens „Im Haarmannsbusch“ und „Lohfeld“ an der ehemaligen Gaststätte „Westermann“ und der 1910 errichteten Stiepeler Gemeindeverwaltung (Kemnader Str. 199). In Folge der wachsenden evangelischen Kirchengemeinde Stiepel wurde 1911 der Haarbezirk von der Dorfkirche abgespalten. Für 20 Jahre bis zur Fertigstellung des Lutherhauses diente dann zunächst der Saal als Raum für die sonntäglichen Gottesdienste sowie Gemeindefeiern. In jener Zeit machte jedoch auch der politische und gesellschaftliche Wandel vor Stiepel nicht halt. Während des Nationalsozialismus diente die Gastwirtschaft bis zum Ende der 1930er Jahre als Treffpunkt des örtlichen SA-Sturms. Nach dem Tod Gustav Schreiers ging das Eigentum auf seine Frau über und die Wirtschaft wurde ab 1919 vom Viehhändler, Metzger und Gastwirt Heinrich Albrecht August Wegemann aus Blankenstein, dem Ehemann der ältesten Tochter Ottilie geb. Schreier, weitergeführt. Der „Wegemann’sche Saal“ wurde weiter wie bisher genutzt, doch ging die Wirtschaftskrise der späten 1920er Jahre nicht spurlos an dem Betrieb vorüber. Eine Erkrankung des Wirts Wegemann, die Anstellung des aus Bayern stammenden Wirts und Bierbrauers Kilian Schreiber zwischen 1936 und 1939 sowie wirtschaftliche Schwierigkeiten führten am 26. Juli 1939 zum Verkauf des Anwesens an Heinrich Spitz (1906-1985), Sohn des Bäckers und Bergmanns Wilhelm Spitz und Emma geb. Baak und seine Frau Ida geb. Hilleringmann (1908-1978), Tochter des Landwirts Alex Hilleringmann und Ida geb. Mätte (Pächter auf Hof Kortwig). Heinrich Spitz war zuvor Landwirtschaftsgehilfe auf dem Hof Brüggeney in Stiepel-Brockhausen gewesen, der ebenso wie die Gastwirtschaft „Stiepeler Hof“ (ehem. Brockhauser Str. 289) seinem Onkel, dem Land- und Gastwirt Gustav Hofstiepel (1881-1944) gehörte. Er übernahm den die Gastwirtschaft samt Vorräten, welche auf einer erhaltenen Inventurliste aufgeführt sind. Die nun „Haus Spitz“ getaufte Gastwirtschaft verfügte neben dem Saal über drei Gesellschaftszimmer sowie den Schankraum, wovon ausführliche Skizzen aus der Übergabezeit zeugen.

Der Innenhof mit der in Ruhrsandstein gemauerten Wand, Biergarten und Brunnen

Der Innenhof mit der in Ruhrsandstein gemauerten Wand, Biergarten und Brunnen

  Im ersten Jahr behob Heinrich Spitz den angefallenen Investitionsstau und installierte neue Sanitäranlagen, besserte diverse Räume aus und erneuerte die nötigen Versicherungen, um erneut als Gast- und Schankwirtschaft sowie für den Saalbetrieb zugelassen zu werden. Dem neuen Start kam dann jedoch der 2. Weltkrieg in den Weg. Nach den ersten Bombardements in dieser Region durch die Alliierten kam es am 31. März 1943 zu einer vom Bochumer Polizeipräsidenten erlassenen Schließung der Gastwirtschaftsbetriebe, um Menschen und sog. kriegswichtiges Material freizusetzen. Spitz protestierte vehement und doch vergeblich gegen die Schließung, u.a. durch Verweis auf die Benutzung der Wirtschaft durch den Knappenverein „Gute Hoffnung“. In Folge wurden im Haupthaus Bombengeschädigte einquartiert (1943-1947), der Saal als Getreide- und Möbellager genutzt und später auch Heimatvertriebene untergebracht. Erst 1948 konnte der geregelte Betrieb wieder aufgenommen werden. Das Haus, abgesehen von einem Blindgängereinschlag auf der südöstlichen Seite, überstand den Krieg unbeschadet. Schnell erlangte Heinrich Spitz von der britischen Verwaltung die nötigen Unterlagen und Konzessionen. Darunter war 1949 auch eine Singspielkonzession, die angesichts des Mangels an geeigneten, unzerstörten Räumen für Kulturveranstaltungen sehr wertvoll war. Im Laufe der Jahre war „Haus Spitz“ Heimat vieler Vereine und Veranstaltungen. Bis Mitte der 1950er Jahre fanden sonntags Boxkämpfe des „Boxring 48“ im Saal statt – Löcher für die Ringpfosten sind auf der Bühne bis heute vorhanden. Seit 1955 tritt die „Volksbühne Bochum“ (vormals „Kornblume“) mit Theaterstücken auf, wobei früher auch Operetten gegeben wurden. Der Geflügelzuchtverein „Phönix Stiepel“ stellte im Saal aus und der Gesangsverein „Gut Klang“ gab hier Konzerte. Zudem dient „Haus Spitz“ als Vereinslokal der Kompanien Brockhausen (seit 1977) und Mittelstiepel (seit 2015) des Bürgerschützenvereins Stiepel. Früher traf sich hier auch der Taubenverein „Rumplertaube “. Neben der Volksbühne richtet der Verein Preziosa Stiepel seit 1981 Karnevalsfeiern aus, die zuvor der Schäferhundeverein zusammen mit der Ruhrlandbühne organisierte.

Haus Spitz in den 1980er Jahren

Haus Spitz in den 1980er Jahren

  Im Aufschwung der Nachkriegszeit erholte sich das Gaststättengewerbe und „Haus Spitz“ entwickelte sich als Vereinssitz und Bühne prächtig. Mit daran beteiligt waren seit der Kaiserzeit Mitglieder der Familie Kost, so später Günter Schmidt (1927-2015) und seine Frau Brunhilde geb. Kost (1925-1999), die neben Tätigkeiten im Bergbau und der Schwerindustrie über Jahrzehnte den Betrieb unterstützten sowie Haus und Garten pflegten. Nach 28 Jahren als Wirt verpachtete Heinrich Spitz die Wirtschaft ab 1967 der Reihe nach an die Pächter Schmidtke, Pape und zuletzt Horst Meißner. Das Ehepaar Meißner betrieb in den 1980er Jahren neben Saal und Gastwirtschaft auch eine Kaffeestube in einem ehemaligen Gesellschaftszimmer im Erdgeschoss. Heinrich Spitz‘ Ehefrau Ida verstarb, ohne dass das Ehepaar Kinder gehabt hatte und so fiel „Haus Spitz“ nach seinem Tod im Jahr 1985 an seinen Neffen 2. Grades Gustav Hoffstiepel. Nach weiteren Verpachtungen an die Familien Meißner und Cramer übernahm 1999 Bettina Hoffstiepel den Betrieb. Seitdem hat sich vieles geändert. So wurden Saal und Wirtschaft modernisiert, der Bühnenraum samt Technik auf den neusten Stand gebracht und neue Veranstaltungsformate eingeführt. Seit 2016 besitzt die Gastronomie einen gemütlichen Biergarten im Innenhof rund um den 1987 errichteten Brunnen, der nach wie vor zur Bewässerung des Anwesens genutzt wird. Heute, 142 Jahre nach der Eröffnung, steht Haus Spitz wie nur noch wenige andere Gastwirtschaften für den Wandel, den unsere Region in dieser Zeit erlebt hat. Text: Maximilian Willner