Stiepel

Reformation in Stiepel

(Entnommen aus den Ausstellungstexten “Umbruch im Königreich Stiepel – Von Luther zum Lutherhaus”, Ausstellung vom 24. September 2017 bis 14. Januar 2018 auf Haus Kemnade, Kulturbüro der Stadt Bochum) Den Beginn der Reformation markiert Luthers Thesenanschlag in Wittenberg 1517. In Stiepel aber setzte sich die Reformation erst später durch. Als schon in Herbede oder in Weitmar der Konfessionswechsel um 1540 stattgefunden hatte, wurden in Stiepel noch ein Hagelfeiertag und Flurprozessionen mit Fahnen und Kreuz begangen. Henrich von der Recke, der älteste Sohn des Blankensteiner Drosten und Patronatsherrn von Kemnade Johann von der Recke, war Dompropst zu Köln gewesen. Er trat zum lutherischen Glauben über und wurde darauf aus Köln ausgewiesen. Er ließ sich in Blankenstein nieder und baute sich dort einen Altersruhesitz. In die Grundmauer ist ein schlichtes Denkmal eingelassen. Zu sehen ist links das Reckesche Wappen, dann die Buchstaben HVDR für Henrich von der Recke mit der Jahreszahl 1561, rechts außen das Flecksche Wappen. Von seinem Ruhesitz förderte er die Reformation, und nahm wahrscheinlich über seine Familie auch maßgeblichen Einfluss auf die Reformation in Stiepel. Henrich soll auch längere Zeit Tischgenosse von Martin Luther gewesen sein. 1580 wurde Henrich Kluvenbeck Pastor in Stiepel. Der Patronatsherr war Cord von der Recke, der streng katholisch war. Er starb 1596, sein Nachfolger wurde Wennemar von der Recke. Aus Kirchenrechnungen und Protokollen von Zeugenverhören kann der weitere Verlauf der Reformation in Stiepel nachvollzogen werden: So wurde 1583 das letzte geweihte Öl in Köln gekauft, danach ist keine Rechnung mehr nachweisbar. 1596 stieg laut Kirchenbuchrechnungen der Weinverbrauch. Zu den Feiertagen, wie Kirchweihe, Ostern oder Pfingsten wurden Ausgaben für Wein angesetzt. Das lässt darauf schließen, dass das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt wurde. Im Jahr 1596 starb der katholisch gebliebene Patronatsherr Cord von der Recke. Sein Nachfolger wurde Wennemar von der Recke. Er unterstützt die Reformation. Der Sommer jenes Jahres wird als Beginn der Reformation in Stiepel angenommen. Doch in der Chronik des Hattinger Pfarrers Hermann Merker aus dem Jahr 1620 wird das Jahr 1610 als der Übertritt zum Protestantismus erwähnt. In der Chronik heißt es: “Anno 1610 hat der pastor zu Stipell, Henricus Cluvenbeck, pontificiae religion valediciert (die päpstliche Religion verlassen) und Augustanae confessionis exercitium angenommen“. Am 8. August 1614 gab es offensichtlich einen Versuch, Stiepel gewaltsam zum katholischen Glauben zurückzuführen. Jobst Aschebrock Drost von Bochum ließ Pastor Heinrich Kluvenbeck und seine Frau festnehmen und in Bochum gefangenhalten. Patronatsherr Wennemar von der Recke zeigte diesen Eingriff in seine Herrschaft beim Reichskammergericht in Speyer an, das schon am 17. September 1614 ein Mandat erteilt, die Gefangenen sofort freizulassen. Im Jahr 1624 gewann im jülich-klevischen Erbfolgekrieg in der hiesigen Gegend das katholische Haus Pfalz-Neuburg die Oberhand. Überall wurden evangelische Geistliche durch katholische Pfarrer ersetzt. Auch in Stiepel sollte die Gemeinde wieder katholisch werden. Rötger Höfken, vormals Pastor in Wattenscheid, sollte in Stiepel Pastor werden. Aber der Patronatsherr Wennemar von der Recke stellte sich diesem Wechsel entgegen und nach alter Stiepeler Tradition wurde Höfken mit Gewalt aus der Kirche vertrieben. Im gleichen Jahr verstarb Heinrich Cluvenbeck, sein Grabstein steht südlich des Kirchturms der Dorfkirche und zeigt das Symbol des Abendmahlkelchs. Im Jahre 1647 ging das Patronat und die Herrschaft Stiepel durch Heirat der Erbtochter Sybilla Arnolda von der Recke auf die Syberger über, und so wurde Johann Georg von Syberg Gerichts und Patronatsherr von Stiepel. Auf der Grundlage des Vertrages von Kleve 1666, der zwischen dem Herzog von Pfalz-Neuburg und dem Kurfürsten von Brandenburg geschlossen wurde, um den Erbfolgestreit zu beenden, beanspruchte der katholische Bochumer Pfarrer Moritz Hüttemann Stiepel wieder als Filialkirche. In diesem Vertrag wurde festgelegt, dass im brandenburgischen Gebiet diejenige Konfession gelten sollte, der man im Jahre 1609 angehörig war. Stiepel gehörte in katholischer Zeit wie Bochum zum Erzbistum Köln und zum Dekanat Wattenscheid. Es kam 1669 zum Prozess und zu Zeugenbefragungen. Viele bekannte Namen waren unter den von Hüttemann aufgerufenen Zeugen: Munkenbeck, Middelkamp, Kortwig und der arme Jobst auf dem Kirchhof. Sie sollten vor dem churfürstlichen Commisar Johannn Dietrich von Syberg zu Clyff bestätigen, dass Kluvenbeck noch 1609 am Altar die Messe gehalten, Kreuz, Fahnen, Schellen und Weihwasser gebraucht, vom Gerichtsherrn gezwungen worden sein, die lutherische Religion anzufangen, dies ungern getan und auf der Kanzel darüber geschreiet, das dies erst 1616 geschehen sei und er hernach katholisch gestorben sei, das die Zeugen 1609 katholisch gewesen und das Kortwig dem Kluvenbeck oft bei der Messe gedient habe. Leider konnte keiner der Zeugen, laut den Vernehmungsprotokollen dies bestätigen. 1670 wurde die Klage von Hüttemann abgewiesen und Stiepel wird endgültig evangelisch. Mit der Einführung der Reformation stieg die Macht des Patrons. Seit 1679 ist Friederich Mathias von Syberg Patronatsherr in Stiepel. Als Gerichtsherr übernahm er auch die geistliche Kirchenleitung, er hatte das Vorschlagsrecht bei den Pfarrwahlen, veränderte Stiftungen, bestimmte den Modus der Abendmahlsfeier und verordnete 1689 welche Gestalt der Gottesdienst nun und „inskünftig sollte bestellt und berichtet werden“. Der Patron verfügte über einen Kirchenstuhl im Chor und über einen bevorzugten Begräbnisplatz unter dem Chor. Selbst in seinem Testament verfügte er im Falle des Abfalls vom lutherischen Glauben, den Entzug der Legate. 1695 stifteten die Syberger einen Abendmahlskelch. Im Jahre 1698 ließ er vom Schwelmer Bildhauermeister Schmidt ein Epitaph anfertigen und über dem Chorgestühl anbringen. Im gleichen Jahr wurden auch die Heiligenbilder und biblischen Geschichten auf den Wänden der Dorfkirche übertüncht. 1740 wurde der Marienaltar abgebrochen; das Sakramentshäuschen und das Weihwasserbecken ist heute noch vorhanden. 1794 wurden die Patronatsverhältnisse mit dem Preußischen Allgemeinen Landrecht gesetzlich geregelt. Trotzdem gab es häufig Probleme mit dem Patronatsherrn wegen seiner Zahlungsverpflichtung zum Unterhalt der Dorfkirche. Etliche Prozesse bis ins Jahr 1921 folgten, in diesem Jahr kaufte die Stadt Bochum Haus Kemnade und wurde damit Patronatsherr für Stiepel. Parallel zu den Gerichtsstreitigkeiten gab es Verhandlungen zur Ablösung des Patronats. Am 2. November 1928 wurde gegen Zahlung einer Abfindungssumme von 110.000 Reichsmark die Patronatsverpflichtungen der Stadt Bochum gegenüber der evangelischen Kirchengemeinde Stiepel abgelöst. Ein Teil dieses Geldes wurde auch für den Bau des Betsaales für den 2. Pfarrbezirk in Stiepel Haar verwandt. Am 30. August 1931 wurde das Haus eingeweiht und es sollte den Namen des großen Reformators „Martin Luther“ tragen. So wird es nunmehr Lutherhaus genannt. Die Bleiverglasung im Altarraum zeigen in der Mitte Martin Luther, eingerahmt von der Dorfkirche und der Wartburg. Text: Gerhard Hagenkötter

Höltermann (Kemnader Straße 335)

Die Geschichte des „Café Restaurant Höltermann“ beginnt eigentlich mit dem Familiennamen Hasenkamp, denn es war der Viehhändler Friedrich Wilhelm Hasenkamp (*1861), der das Haus an der heutigen Kemnader Straße 335 im Jahr 1886 errichtet hat. Dessen Witwe Helene, geborene Schulte Hoffstiepel (*1870), hat sich im Jahr 1900 neu verheiratet mit dem Bäckermeister und Gastwirt Wilhelm Julius Höltermann (*1878). Dieses Ehepaar Höltermann hat dann die Wirtschaft mit angeschlossener Bäckerei und Konditorei begründet. Im Jahr 1911 wurde das Haus um einen Anbau erweitert, der zur Vergrößerung des Gesellschaftszimmers und der Errichtung einer Veranda diente, welche einen Ausblick in Richtung Norden weit über die Stadt Bochum hinaus bot. Der zweite Sohn Arthur (*1902) hat nach Beendigung der Schulzeit zunächst einige Jahre im elterlichen Betrieb gearbeitet, von 1922 bis 1925 seine Lehrzeit als Bäcker und Konditor absolviert und später den Meisterbrief erworben. Seit dieser Zeit hat er wegen Krankheit des Vaters den Betrieb nahezu selbständig geführt und ihn im Jahr 1935 -im Alter von 33 Jahren- übernommen. Kurz vorher, im Jahr 1933, hatte er Elfriede, geborene Grünewald (*1910), geheiratet.

Restaurant Höltermann - Rückansicht mit Terrasse, Veranda und Spielwiese

Restaurant Höltermann – Rückansicht mit Terrasse, Veranda und Spielwiese

Das „Café Restaurant Höltermann“ warb auf seinen Postkarten mit dem Slogan „Altbekanntes Ausflugslokal mit schattigem Garten und Spielwiese“. Gebacken wurde überwiegend für den Eigenbedarf des Cafés und Ausflugslokals, nur der bekannte Stiepeler Bauernstuten wurde auch außer Haus verkauft. An Speisen gereicht wurde das seinerzeit übliche „Kaffee mit Zubrot“, dies waren verschiedene Brote mit Schinken und Wurst, die ebenfalls aus eigener Herstellung kamen. Arthur und Elfriede Höltermann haben die Gastwirtschaft bis zum Tode von Arthur im Jahr 1958 geführt, danach wurde sie bis zum Ende der 1960er Jahre verpachtet. Der Sohn Friedhelm Höltermann (*1941) hat die Gastwirtschaft nicht übernommen. Während der Zeit der Verpachtung ist er zunächst als Stewart zur See gefahren und hat danach seine Bundeswehrzeit absolviert. Er hat sich aber nach seiner Hochzeit im Jahr 1964 dazu entschieden, gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela ein Textil- und Gardinengeschäft zu eröffnen, welches von 1971 bis 1981 in den Wirtschaftsräumen und der Veranda betrieben wurde.

Restaurant Höltermann - Gesellschaftszimmer mit Klavier, Ende 1930er Jahre

Restaurant Höltermann – Gesellschaftszimmer mit Klavier, Ende 1930er Jahre

In der eher als Ausflugslokal konzipierten Gastwirtschaft wurde allerlei Unterhaltung geboten. Sonntags gab es im Gesellschaftszimmer Klavierkonzerte, in der Gartenwirtschaft spielte an schönen Sommertagen die Kapelle Teddy Stauber, die Abende hießen dann „Eine Nacht unter Sternen“ oder „Florentinische Nächte“. Auch viele Hochzeiten wurden von den Stiepelern bei Höltermann gefeiert. Und nicht zu vergessen die „Städter“ aus Bochum, die mit der Straßenbahn Linie 5 bis zur Stiepeler Endstelle fuhren, die genau vor Höltermanns Tür lag. Sehr zum Ärger von Arthur Höltermann hieß die Endhaltestelle aber bekanntermaßen „Haus Frische“. Daran änderte auch nichts, dass die Fahrer und Schaffner der Bogestra das Café als Pausen- und Frühstücksraum nutzen durften. Eine von der Bogestra vorgeschlagene Änderung in Frische-Höltermann kam für Arthur Höltermann aber nicht in Frage.

Restaurant Höltermann 1962, mit Drogerie Höltermann (links) und Feinkost Leese (rechts)

Restaurant Höltermann 1962, mit Drogerie Höltermann (links) und Feinkost Leese (rechts)

Das Haus beherbergte neben der Gastwirtschaft und einem Saal in der ersten Etage noch weitere Geschäftsräume. Von 1948 an führte ein Vetter von Arthur Höltermann eine Drogerie. Diese „Drogerie Helmut Höltermann“ wurde zuletzt verpachtet, aber bis 1973 unter diesem Namen weiterbetrieben. Und bevor Friseur Hasenkamp der Familie Höltermann auf der gegenüber liegenden Straßenseite ein Teil des Grundstücks abkaufte und ein eigenes Haus baute, war er Mieter bei Höltermanns. Die bekanntesten Mieter aber dürften Familie Leese gewesen sein, deren gleichnamiges Feinkost- und Gemüsegeschäft dort von 1955 an 42 Jahre lang geführt wurde. Gegründet wurde das Geschäft mit dem Handel von Obst und Gemüse von Johanna Leese, später übernahm es ihr Sohn Herbert Leese (*1943). Heute sind die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Hauses an ein Blumengeschäft, ein Reisebüro sowie ein Änderungsatelier vermietet.

Plattdeutscher Abend

Der Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V.  lädt am Freitag, den 20. Oktober 2017 um 18 Uhr ins Lutherhaus, Kemnader Straße 127 zu einem Plattdeutschen Abend ein. Zunächst findet unter Leitung von Pfarrerin Christine Kükenshörner und Wilhelm Hensing begleitet vom Posaunenchor Stiepel Haar ein plattdeutscher Gottesdienst statt. Daran schließt sich ein gemütliches Beisammensein mit leckeren Schnittchen und kühlen Getränken an. Zum Abschluss zeigt der Theaterkreis des Vereins das Theaterstück: „Dä olle Kommoude“ in plattdeutscher Mundart. Der Verein freut sich auf viele Besucher! Die Bilder zeigen Ausschnitte der Veranstaltung im vergangenen Jahr.

Plattdeutscher Abend 2016

Plattdeutscher Abend 2016

Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Am Volkstrauertag gedenken wir den Opfern von Krieg, Gewalt, Terrorismus und politischer Verfolgung. Wir laden ein zur Teilname an der Gedenkfeier, die am Sonntag, den 19. November 2017 um 11:15 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst) auf dem Evangelischen Friedhof Stiepel-Dorf stattfindet. Unter Mitwirkung des Knappenverein Schlägel & Eisen Stiepel-Dorf 1884 und des Bürgerschützenverein 1854 Bochum-Stiepel e.V. werden wir im Rahmen der Gedenkfeier am Ehrenmal einen Kranz niederlegen um gemeinsam der Toten zu gedenken. Die musikalische Begleitung erfolgt durch den Posaunenchor Stiepel-Dorf. Die Ansprache hält Erika Post, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin. Die Gedenkfeier ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil zu unserer Erinnerungskultur, sie ist zugleich eine Mahnung an alle Menschen, sich gemeinsam für den Frieden und die Versöhnung der Völker einzusetzen. Bei schlechten Witterungbedingungen findet die Veranstaltung ggf. in der Stiepeler Dorfkirche statt. Zum anschließenden Imbiss im Gemeindehaus laden wir ebenfalls ein.

Schlachtfest 2017

Der Stiepeler Heimatverein feiert am Samstag, den 4. November 2017 von 12 – 16 Uhr sein Schlachtfest an der Pfingstblume. Stets frisch und in guter handwerklicher Qualität hergestellt, bieten wir Mettwurst, Blut- und Leberwurst, Schwartemagen sowie Panhas mit Schwarzbrot, Rübenkraut und Butter oder auch mit Bratkartoffeln zur Verkostung und zum Verkauf an. Und das alles natürlich vom Metzger unseres Vertrauens!

Stadtteil-Rundgang 2017

Gemeinsam mit Pro Stiepel e.V. setzt der Stiepeler Heimatverein die Veranstaltungsreiheihe “Stiepel damals und heute” fort. In diesem Jahr führt uns der Stadtteil-Rundgang rund um das alte Gemeindehaus und bis zum höchsten Punkt Bochums am ehemaligen katholischen Friedhof. Die Stiepeler Heimatforscher werden ihr Wissen mit allen Interessierten teilen und viel Historisches, teilweise Skurriles über die Geschichte dieses Teiles von Stiepel vermitteln. Der für ca. 2 Stunden ausgelegte Spaziergang wird am Parkplatz des Klosters in Stiepel beginnen und enden, die Teilnahme ist kostenlos. Treffpunkt: Samstag, 2. September 2017, 15:00 Uhr.

Stadtteil-Rundgang 2017

Stadtteil-Rundgang 2017

Im letzten Jahr hatten wir einen erfolgreichen Start der Reihe mit einem Rundgang durch Stiepels historische Ortsmitte und seine (ehemalige) Geschäftswelt.

Ehemaliger Katholischer Friedhof

Geht man an der Kemnader- / Ecke Ministerstraße den Weg zwischen den Hausnummern 300 und 302 hinauf, so endet dieser vor einem Zaun mit einem Tor. Dahinter erkennt man noch zwei aus Bruchstein gefertigte Säulen einer Toranlage, die einmal der Eingang zum katholischen Friedhof in Stiepel war. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand bei der Stiepeler Bevölkerung katholischen Glaubens der Wunsch nach einer eigenen Begräbnisstätte. Betreut wurden die Katholiken bis dato von der Gemeinde in Blankenstein, doch war es oft mühsam, die Bestattungen in Blankenstein durchzuführen. Die Kosterbrücke wurde erst im Februar 1910 für die Öffentlichkeit begeh- und befahrbar, die Kemnader Brücke erst im Juni 1928 fertiggestellt. Bis zum Bau der neuen Kirche in den Jahren 1913-15, der heutigen Wallfahrtskirche St. Marien am Varenholt, wurde zum Beispiel der Gottesdienst und der katholische Schulunterricht in der damaligen Gaststätte Becker-Links, heute das Haus Kemnader Straße 251, abgehalten. Im Jahre 1872 kaufte die katholische Gemeinde ein Grundstück für eine Begräbnisstätte. In einer alten Grundakte der Katholischen Kirchengemeinde Mittelstiepel aus dem Jahre 1886 befindet sich das Grundstück „Auf der Egge“ und ist „15 Are und 27 M“ groß. Der Friedhof wurde am 23.1.1873 geweiht und bis in die 1960er Jahre belegt. Endgültig geschlossen wurde der Friedhof 1981, nachdem der Kommunalfriedhof an der Nettelbeckstraße eingerichtet wurde. Die erste Bestattung wurde auf diesem neuen Friedhof im Juni 1970 durchgeführt. Bis zur Fertigstellung der Trauerhalle und der anderen Betriebsgebäude im Jahre 1974 wurde die Trauerhalle des Evangelischen Friedhofs mitbenutzt. Die Angehörigen hatten nun die Möglichkeit, ihre Verstorbenen auf den neuen Kommunalfriedhof umbetten zu lassen. Viele Jahre erinnerte ein Kreuz mit einer Gedenktafel an die Begräbnisstätte der Katholischen Kirchengemeinde. Das Kreuz mit der Gedenktafel ist leider in den 1980er Jahren dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Das Gelände ist heute eingezäunt und nicht mehr zugänglich, man erkennt nur noch einige Stufen und Stützmauern der einst terrassenförmig angelegten Friedhofsanlage.

Katholischer Friedhof Stiepel, Eingangstor, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Eingangstor, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Treppenanlage, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Treppenanlage, Zustand 1986

Text und Fotos: Gerhard Hagenkötter Quellen: Archiv Wilhelm Dickten, Archiv Katholische Kirchengemeinde St. Marien

Allgemeines über Stiepeler Gastwirtschaften

Gastwirtschaften und ihre Entwicklung Das erste Adressbuch der Gemeinde Stiepel aus dem Jahre 1891 gibt genaue Hinweise auf die Anzahl der Wirtschaften. Setzt man die mit der Berufsbezeichnung Wirth, Schenkwirth, Gastwirth etc. versehenen Namen gleich der Anzahl an Wirtschaften, so kommt man auf 26 Gastwirtschaften bei einer Einwohnerzahl von seinerzeit 4.283. Die Aufteilung auf die einzelnen Bauerschaften sieht wie folgt aus: Brockhausen 6, Haar 5, Schrick 2, Mittelstiepel 11 und Oberstiepel 2. Damit kommen im Schnitt 165 Einwohner auf eine Wirtschaft. Gleichzeitig wird im Adressbuch ersichtlich, dass mit dem alleinigen Betrieb einer Wirtschaft unter den gegebenen Bedingungen kaum das Existenzminimum einer damals üblichen mehrköpfigen Familie erwirtschaftet werden konnte, zumal häufig neben den Kindern auch noch die Eltern mitversorgt werden mussten. Bis zum Jahr 1908 hatte sich die Anzahl der Gastwirtschaften dann auf 35 erhöht. Haupterwerbszweige Zieht man die Adressbücher und alte Katasterunterlagen zu Rate, so ist dem Wirtschaftsbetrieb häufig noch ein Ladengeschäft angegliedert. Bäckereien und sogenannte Spezereigeschäfte sind dabei in der Mehrzahl. Auch Landwirte finden sich unter den Wirten. In der Regel konnten die zumeist spärliche Anzahl an Gästen dann von den älteren Familienmitgliedern, für die die Feldarbeit zu schwer war, versorgt werden. Ein Teil der Wirte ging der relativ gut bezahlten Bergmannstätigkeit nach. Hierzu schreibt der Autor der Dorfschulchronik im Jahre 1916 speziell zum Einfluss des (1. Welt-)Krieges auf das Schankgewerbe: „Am meisten haben unter dem Einfluß des Krieges die Wirte zu leiden. Die Wirtschaften sind zum größten Teil fast immer leer und gut ist es, daß unsere Wirte nicht allein von der Wirtschaft zu leben brauchen, sondern nebenbei noch anderes Geschäft betreiben. Manche Wirte haben dem Druck des Krieges sich fügend, auf Zechen und Fabriken Beschäftigung gesucht.” Einer Schmiede (Wefelscheid/Kamplade) oder einem Landmaschinenbau (Gathmann) eine Wirtschaft anzugliedern, war auch kein schlechter Gedanke. Ließ sich doch die Wartezeit bei kleineren Reparaturen ganz gut mit einem Schnäpschen. Natürlich gab es auch Wirtinnen und Wirte, die aufgrund körperlicher Einschränkungen keiner weiteren Tätigkeit nachgehen konnten und die Wirtschaft als Zubrotquelle zu den meist kärglichen Witwen-, Invaliden- und Militärinvalidenrenten nutzten. Weiter waren unter den Wirten Handwerker wie Schreiner (Freese, Voßkuhlstraße) und Anstreicher (Hasenkamp, Zum Deutschen Eck, Ecke Kemnader-/Ministerstraße) oder Fuhrleute (Krockhaus, Kemnader Straße) zu finden. Auf dem Foto “Zum deutschen Eck” kann man beispielhaft die zwei Berufe des Heinrich Hasenkamp erkennen: vorne der Eingang zu seiner Wirtschaft, rechts der Eingang zum Malergeschäft. Die Wirte Hellmich im Bezirk Haar und Haarmann-Thiemann in Oberstiepel hatten sich im Jahr 1902 das Recht ersteigert, für die Benutzung der Chaussee (Kemnader Straße) im Namen der Gemeinde die zum Erhalt der Straße und zur Abtragung der Straßenbaukosten bestimmten „Chausseegelder” zu erheben. Zu diesem Zweck bezogen die „Pächter“ die entsprechenden Chausseegeldzettel von der Gemeinde und erhielten nach Abrechnung der ausgegebenen Zettel eine dem Verkehrsaufkommen und der Verkehrsart entsprechende Vergütung. Es wurde dabei zum Beispiel zwischen gummibereiften und nicht gummibereiften Fahrzeugen, sowie nach Anzahl der zur Verfügung stehenden Sitze unterschieden. Auch der Viehtrieb war gebührenpflichtig. Bei dem zur Entrichtung der Gebühr notwendigen Aufenthalt wird sicherlich manch einer eingekehrt sein und den Umsatz an Bier und Schnaps gefördert haben. Dass aber nicht immer Einigkeit zwischen Straßenbenutzer und Chausseegelderheber bestand, geht aus Beschwerden und Klagen gegen die Gemeinde hervor.

Zum Deutschen Eck, Kemnader-/Ecke Ministerstraße

Zum Deutschen Eck, Kemnader-/Ecke Ministerstraße

Standorte der Wirtschaften Bei Betrachtung der in Stiepel aktuell vorhandenen und der ehemaligen Gastwirtschaften fallen zwei Dinge auf: zum einen eine Häufung der Standorte entlang der Hauptverbindungsstraßen, speziell im Bereich der Kemnader Straße, und zum anderen, was bei der Anzahl der in Stiepel seinerzeit bestehenden Zechen- und Stollenbetriebe nicht unbedingt verwunderlich ist, die räumliche Nähe derselben zu Gastwirtschaften. Ein wesentlicher Faktor für das Entstehen und Bestehen der Wirtschaften war dabei das Verkehrs-aufkommen durch den Durchgangsverkehr, den Wochenendverkehr und den Berufsverkehr. Eine möglichst dichte Bebauung im Umkreis der Wirtschaften spielte offensichtlich keine, und wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. In unterschiedlichen Quellen (Schulchronik, Protokollen zur Eingemeindung Stiepels im Jahre 1929 nach Bochum, Zeitungsartikel, Konzessionsanträgen zur Erlangung der Schankgenehmigung usw.) kommen die Punkte „Wochenend-”, „Ausflugs-” und „Berufsverkehr” besonders stark zum Tragen. Um ein Beispiel zu nennen: Die Gastwirtschaft im Lottental, vielen noch als „Wengeler-Schmuch“ bekannt (heute Post’s Lottental), hatte ca. ab den 1930er Jahren knapp unter 1.000 Stühle im Biergarten. Die gesamte Außenfläche, die heute noch als Minigolfplatz erkennbar ist, war zu jener Zeit Biergarten. Und es waren nicht nur Stiepeler Bürger, die diesen und andere Biergärten besuchten. Es ist überliefert, dass sehr viele „Städter“ aus Bochum sonntags mit der Straßenbahn bis Weitmar fuhren und dann reihenweise zunächst über die Kemnader Straße sich in die Stiepeler Ausflugslokale begaben. Die Straßenbahnlinie 15 fuhr erst ab 1926 über die Kemnader Straße bis Stiepel und dann weiter über die Kosterstraße nach Hattingen. In der Schulchronik der damaligen Dorfschule (Ecke Nettelbeckstraße / Brockhauser Straße) schreibt der seinerzeitige Hauptlehrer Böhle im Jahre 1903: „… Dagegen ist eine Überfülle von Wirtschaften vorhanden (ungefähr 40). Die Vergnügungssucht ist groß. Es gibt während des Sommers wohl kaum einen Sonntag ohne Festlichkeit. Vielfach finden zwei oder drei statt; ja es ist schon vorgekommen, daß an einem Sonntag an sieben Stellen gleichzeitig gefeiert wurde.” In den Protokollen zur Eingemeindung Stiepels wird Stiepel als Verbindungsglied zur Ruhr, seine Bestimmung als zukünftiger Wohnort und Naherholungsgebiet im Vorstadtbereich sowie seine herausragende landschaftliche Schönheit schon zur damaligen Zeit herausgehoben. Die Gastwirtschaften an der Ruhr profitieren dabei natürlich von allen drei Verkehrsarten. Angebot an Speisen und Getränken Die ausgewiesene landschaftliche Schönheit des Ruhrtales war Anreiz für so manche Bochumer, das Wochenende zu einem Ausflug an die Ruhr zu und sich beim Faulenzen oder auch beim häufig angebotenen Tanzvergnügen zu erholen. Angeboten wurde dabei neben den üblichen Getränken von fast allen Wirten (nicht nur an der Ruhr) der sogenannte ,,Kaffee mit Zubrot”. Dieser bestand, mit leichten Variationen, aus einer Kanne Kaffee, einer Schnitte Schwarzbrot, einer Schnitte Stuten (selbstgebacken), einem Stück Kuchen (Streusel / Eiserkuchen / usw.), Butter und Marmelade. Ein weitreichendes Angebot an Speisen, wie es heute in fast allen Gaststätten gebräuchlich ist, kann nicht nachgewiesen werden. In der Regel beschränkte man sich auf einfachste Speisen, die einfach herzustellen und zu konservieren oder auch ohne Kühlung länger haltbar waren. Beispiele hierfür sind: Soleier, Bratheringe, eingelegte Gurken, belegte Schnittchen, Bratkartoffeln und Spiegeleier. Hierbei konnten sich natürlich die Wirte etwas hervortun, die nebenbei auch eine Metzgerei betrieben. Auch das Getränkeangebot war nicht einheitlich. Amtliche Schreiben zu Konzessionsanträgen aus den 1890er Jahren führen verschiedene Einschränkungen in der Ausschankgenehmigung auf: „ohne Einschränkung”, „ohne Branntweinausschank” und „nur für alkoholfreie Getränke”. Der katholischen Kirche wurde beispielsweise nur der Ausschank alkoholfreier Getränke zur Verpflegung auswärtiger Kirchenbesucher gestattet. Das Kameradschaftsheim, das von Bediensteten und Mitarbeitern der Stadt Bochum umgebaut und 1932 fertiggestellt wurde, hatte einen Sonderstatus und war lange Zeit nur Mitarbeitern der Stadt und deren Angehörigen zugänglich, Dabei war der Ausschank von Fassbier nicht erlaubt. Schriftstücke in den Anträgen zur Konzessionserlangung weisen darauf hin, dass das Gebäude eine ehemalige Mühle gewesen sein soll. Flurkarten aus der Zeit zu Anfang des 19. Jahrhunderts weisen das Gebäude als Mühle aus. Der Name Langenbach ist sowohl auf diesen Karten wie auch auf der Flurberichtigungskarte der Zeche „Schiffsruder” eingetragen.  

Wirtschaft von Heinrich Schreier, 1914

Wirtschaft von Heinrich Schreier, 1914

Anderweitige Aufgaben und Nutzung der Wirtschaften

  • Kioskfunktion

Eine der typischen baulichen Eigenheiten der Gastwirtschaften, die sich allerdings im gesamten Ruhrgebiet wiederfindet, ist das in Stiepeler Umgangssprache sogenannte „Kläppcken”. Gemeint ist damit ein Schiebefenster im Eingangsbereich, das eine Verbindung zum Schankraum bildete. Der Kiosk im heutigen Sinne existierte Anfang des 20. Jahrhunderts noch nicht in Stiepel. Seine Funktion wurde teils von dem sogenannten „Winkelier” und teils von den Wirtschaften ausgefüllt. Bergleute ließen sich auf dem Weg zum ,,Pütt” eben ihren mitgebrachten Schoppen füllen, ihre Zigaretten stückweise oder portionsweise durchs ,,Kläppcken” reichen. Kinder wurden geschickt, um das Bier zuerst in der mitgebrachten ,,Kruke” und später flaschenweise zu holen oder Tabakwaren mitzubringen. Flaschenbier wurde übrigens von der Schlegelbrauerei erst seit 1909/1910 und von der Fiegebrauerei seit 1928 abgefüllt. Bis in die 1970er Jahre in Betrieb und heute noch sichtbar ist das “Kläppcken” der ehemaligen Wirtschaft Schreier / Steinsträßer, heute ein griechisches Restaurant an der Gräfin-Imma-Straße 48. Auf dem Foto der Wirtschaft von Heinrich Schreier befindet es sich am Eingang unter dem Schlegel-Bräu-Schild.

  • Kirchenraum

Der fehlende Kirchenraum bzw. auch die große Entfernung zur bestehenden Kirche führte dazu, dass alle Konfessionen zumindest teilweise zum Gottesdienst oder zur Bibelstunde auf die den Wirtschaften zugehörigen Säle auswichen. Die katholische Gemeinde hielt 1902 in Ermangelung einer eigenen Kirche nach langer Zeit ihren ersten Gottesdienst wieder ab im Saal der Wirtschaft “Unter den Linden”, den Stiepelern besser bekannt unter “Becker-links”, wobei das Attribut „links” sich auf die vom Gemeindehaus her gesehene linke Seite der Kemnader Straße bezieht. Der zweite Bezirk der evangelischen Gemeinde (seit April 1928) hielt seine Gottesdienste vor dem Bau des Lutherhauses zeitweise im Saal der Wirtschaft Spitz ab, dem einzigen noch in Stiepel verbliebenen Saal, den man auch als solchen bezeichnen kann. Die Baptisten feierten unter Leitung des wohl allen älteren Stiepelern noch bekannten August Hahnefeld in Steinsträßers Saal ihre Weihnachtsfeiern.

  • Arztpraxis

Vor Dr. Gilbert, dem ersten in Stiepel niedergelassenen Arzt, praktizierten sowohl der in Weitmar ansässige Arzt Dr. Pickert wie auch der aus Blankenstein oder der aus Wiemelhausen wöchentlich anreisende Arzt ambulant zu festgesetzten Zeiten in den Räumlichkeiten der Wirtschaft Frische. Dr. Gilbert selbst hielt nach seiner Niederlassung als Knappschaftsarzt dienstags und samstags bei Frische sowie an den anderen Wochentagen bei Westermann seine Sprechstunden ab.

  • Truppenunterkunft und Notquartier

In und nach den Kriegen erfüllten Säle der Stiepeler Gastwirtschaften (und nicht nur der Stiepeler) die Funktion einer Truppenunterkunft. So waren sie laut Chronik der Dorfschule beispielsweise vom 29. November 1919 bis zum 6.Dezember 1919 von Truppenteilen der aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten belegt. In der Zeit der Ruhrbesetzung zogen die Franzosen am 15. Januar 1923 in Stiepel ein, und laut Chronik wurden wiederum mehrere hiesige Säle für die Mannschaften mit Beschlag belegt. Dabei lagen im Saal des Wirtes Nattkemper eine Pionierkompanie und im Saal von G. Hofstiepel an der Kosterbrücke eine Infanteriekompanie.

  • Warenlager

Bochumer Geschäfte lagerten im 2. Weltkrieg einen Teil ihrer Waren nach Stiepel aus, um sie vor den Angriffen der englischen Luftwaffe in Sicherheit zu bringen. Die Firma Baltz brachte z. B. Wäsche, Tuchwaren und Kleidung im Saal der Wirtschaft „Zum Mailand” an der Hevener Straße und in den Räumen der Wirtschaft ,,Zum deutschen Eck”, Ecke Kemnader-/Ministerstraße, unter. Im Saal der Wirtschaft Rumberg wurden Schuhe gelagert. Nach Einmarsch der Amerikaner erfolgte teilweise die Plünderung der eingelagerten Waren.

  • Turnhalle

Vor dem Bau der Turnhalle betrieben die Sportvereine ihre Leibesübungen in den Sälen der Gastwirtschaften. Es heißt, dass die Säle teilweise für diese Nutzung ausgelegt wurden. Am bekanntesten war der legendäre Verein „Deutsche Eiche”, der seine Wettkämpfe gegen benachbarte Vereine in Frisches Saal austrug.

  • Boxring

Bis in die 1950er Jahre war der Saal bei Spitz Schauplatz so manchen ,,Großkampftages” des Boxring 48. Die Bühne konnte zu diesem Zweck schnell in einen Boxring umgewandelt werden

  • Tanzlokal

Wie schon zuvor bemerkt, wurde bis zum Aufkommen der Diskotheken in wesentlich stärkerem Maße sonntags in den Wirtschaften getanzt. Die Musiker wurden hauptsächlich vom Wirt engagiert, und die Tanzvergnügen fanden regelmäßig statt. Namen wie Kestermann, Schüttelrutsche, Hoffstiepel werden von älteren Stiepelern automatisch mit Tanz am Wochenende verbunden.

  • Theaterbühne

Von mehreren in Stiepel früher existierenden Bühnen besteht nur noch die im Saal des Hauses Spitz. Sie wird heute noch von der Volksbühne Wiemelhausen und bei einzelnen Veranstaltungen von Preziosa genutzt.

  • Lohnzahlstelle

Der Wirtschaft von G. Hofstiepel an der Ecke Brockhauser Straße / Kosterstraße gegenüber befand sich der Stollenbetrieb Margaretenglück / Anton Übelacker. Die Auszahlung der Wochenlöhne an die Belegschaft erfolgte jeweils am Freitag sprichwörtlich in der Lohntüte über den Wirtschaftstisch.

  • Versicherungsbüro

Die Wirtschaft von Haarmann-Thiemann beherbergte eine sogenannte „Schweinelade” und die Wirtschaften von Wefelscheid / Kamplade und Gathmann jeweils eine „Kuhlade”. Dieses war eine genossenschaftliche Versicherung für die sogenannten Kötter, die nur eine sehr begrenzte Anzahl an Schweinen und Kühen besaßen, und die ein Verlust sehr hart getroffen hätte, zumal das Vieh im Stall größtenteils zur Senkung der Lebenshaltungskosten und teilweise, z.B. durch den Verkauf überschüssiger Milch, direkt zum Familieneinkommen beitrug.

  • Rentenzahlstelle

An von der Knappschaft festgesetzten Tagen wurden in verschiedenen Wirtschaften die Witwen- und Invalidenrenten ausgezahlt.

  • Steuerzahlstelle

In anderen wurden wiederum an vom Amt Blankenstein festgesetzten Zeiten Steuern eingezogen.

  • Gerichtssaal / Schiedsstelle

Im 17./18. Jahrhundert wurde in der Kamplade unterhalb der Dorfkirche Gericht gehalten. 1786 wurde der Überlieferung nach hier das letzte Todesurteil gefällt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich in der Kamplade noch eine Wirtschaft. Die Wirte August Haarmann zu Schrick und Friedrich Gathmann werden im Jahre 1891 als Schiedsmänner ausgewiesen, später der Wirt Haarmann-Thiemann.

  • Zentrale Uhrenstelle für Taubenuhren

Der Taubensport hatte im Freizeitsport speziell hier im Kohlenrevier bis in die 1960er Jahre einen weit höheren Stellenwert, als er ihn heute noch innehat. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre war dabei die Anschaffung einer sogenannten „Konstatieruhr”, mit der die Ankunftszeiten der Tauben nach Eintreffen im heimatlichen Schlag festgehalten wird, für den einzelnen nahezu unerschwinglich. Daher wurde eine gemeinsame Uhr meist im Vereinslokal stationiert. Traf eine Taube auf dem Schlag ein, wurde der sich am Fuß befindliche Gummiring abgenommen und auf dem schnellsten Wege zum Lokal gebracht, wo er dann „eingedreht” wurde. Je nach Entfernung des Taubenschlages vom Uhrenstandpunkt wurden dann Zeitgutschriften gewährt.

  • Poststelle

In folgenden Wirtschaften waren Poststellen installiert: 1. Frische (Zur schönen Aussicht), heute Haarholzer Straße 2 2. Rumberg, heute Kemnader Straße 319 3. Meier (Zum Altdeutschen), heute Brockhauser Straße 14 4. Witthüser (Zur Sonne), heute Brockhauser Straße 42 In diesen vier Gastwirtschaften wurde der Postdienst auch von dem Wirt bzw. einer/m Angehörigen des Wirtes versehen. In den 1960er Jahren wurden teilweise Renten auch über den Postschalter ausgezahlt, da das Girokonto noch nicht verbreitet war. Schenk-, Schank- und Gastwirtschaften Der Begriff „Schenkwirtschaft” oder „Schankwirtschaft” findet sich in Konzessionsanträgen um 1900 in beiden Schreibweisen. Letztendlich ist damit aber eine Wirtschaft gemeint, deren Konzession sich auf die, wenn auch manchmal eingeschränkte, Erlaubnis zum Ausschank von Getränken bezog. Die Befugnisse zum Betrieb einer Gastwirtschaft, einem Begriff, der heute umgangssprachlich im gleichen Sinne wie Kneipe, Pinte gebraucht wird, waren jedoch weitergehend. Dem Inhaber einer Gastwirtschaftskonzession war es erlaubt, Zimmer zu vermieten und Gäste zu beherbergen. Die in Stiepel ursprünglich vertretenen Brauereien Die Schlegel-Brauerei (gegr. 1854) war wohl diejenige, die neben den Stiepeler Hausbrauereien die längste Liefertradition in Stiepel hatte. Nach Übernahme durch den Schultheiß-Konzern, wurde sie geschlossen (Einstellung der Produktion im Juli 1980). Auch wenn ein lückenloser Nachweis der Bierlieferungen nach Stiepel nicht mehr möglich ist, so erscheint doch auf den älteren Fotos und Postkarten von Stiepeler Wirtschaften immer wieder das Schlegel-Emblem. Die bekannten Schlegel darin sind dabei nicht mit den hier im Ruhrgebiet aus dem Bergbau bekannten Schlägeln, sondern mit den im Küfereiberuf benutzten Hämmern gleichzusetzen, wenngleich eine Anlehnung nicht unbeabsichtigt war. Die im Dreieck angeordneten weißen Schlegel auf blauem Grund symbolisieren die bayrischen Landesfarben. Bis in die 1950er Jahre wurde der für unsere Gegend wahre Spruch ,,Bier braucht Heimat” im engsten Sinne ausgelegt. Die Biere kamen bis in die 1920er Jahre fast ausschließlich von den Brauereien Schlegel (Schlegel/Scharpenseel) in Bochum, Müser in Langendreer, Hülsmann in Wanne-Eickel. Das Glückauf-Bier und die Dortmunder Biere, wie Dortmunder Aktien, Dortmunder Union und Ritter waren wesentlich schwächer vertreten. Ihr Marktanteil nahm in Stiepel erst nach dem 2. Weltkrieg zu. Dieses trifft auch für die heute dominierende Brauerei zu: die Moritz Fiege Brauerei in Bochum.

Buchspende für die Gräfin-Imma-Grundschule

Der Stiepeler Heimatverein hat der Gräfin-Imma-Grundschule in Bochum-Stiepel fünf Exemplare des Buches “Wege durchs Königreich – Geschichte der Straßennamen in Stiepel” zur Verfügung gestellt. Im Sachunterricht kann damit die Stiepeler Geschichte mal auf andere Art und Weise erforscht werden. Die WAZ hat in ihrer Ausgabe vom 29. Juni 2017 darüber berichtet.

WAZ 29.06.2017: Buchspende

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