Was es sonst noch gibt

Straßenbahn in Stiepel

Fast vier Jahrzehnte lang hat die Straßenbahnlinie 5 / 15 das Leben in Stiepel geprägt. Die Straßenbahn endete bis 1926, aus Bochum kommend, in Weitmar-Mark an der heutigen Kreuzung der Kemnader- mit der Markstraße. Erste Überlegungen für die Verlängerung der Straßenbahnlinie von Weitmar über Stiepel nach Welper und Hattingen lassen sich im Jahr 1911 nachweisen. Zu jener Zeit war die Stiepeler Gemeindevertretung noch der Überzeugung, dass die damalige Brückstraße, heute Am Varenholt „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann, der Varenholt war eine Art Hauptverbindungsstraße und hieß zu jener Zeit nicht umsonst Brückstraße, denn es war die Straße, die zur (Koster-)Brücke führte. Im September 1913 entschloss sich die Stiepeler Gemeindevertretung dann aber im Zusammenhang mit der geplanten Straßenbahn „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße . … Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhältnisse aufweist.

Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten, zunächst gemeindeeigenen Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn. Foto: Sammlung Wilhelm Dickten
Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten, zunächst gemeindeeigenen Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn. Foto: Sammlung Wilhelm Dickten

Der erste im Jahr 1909 vergebene Straßenname für die Kosterstraße war Finkenstraße, benannt nach dem Finkensiepen, durch den sie führt. Allerdings hatte die Straße, besser gesagt: der Feldweg, zu dieser Zeit noch nicht den Verlauf, den wir heute kennen. Die Siedlung, deren nördlich der Straße liegenden Häuser vor ein paar Jahren für den Ausbau der Kosterstraße weichen mussten, war noch nicht errichtet, es gab nur vereinzelt liegende Häuser. Diese Häuser waren durch einen jeweils in Privatbesitz befindlichen, seinerzeit sogenannten Interessentenweg miteinander verbunden. Nachdem die Planungen rund drei Jahre reiften, fasste die Gemeindevertretung im Juli 1914 den Beschluss zum Neubau von Straße und Straßenbahn. Die Finken-/Kosterstraße war eine sprichwörtlich auf der grünen Wiese neu geplante Straße. Mit den Erdarbeiten wurde 1914 begonnen, doch der Ausbruch des 1. Weltkriegs brachte das Projekt zum Erliegen. Bereits wenige Tage nach der Generalmobilmachung wurde durch die Stiepeler Gemeindevertretung beschlossen, „… die Wegebauarbeiten in der Gemeinde vorläufig einzuschränken.“ Im März 1915 wurde speziell zur heutigen Kosterstraße festgehalten: „Der durch den Krieg unterbrochene Ausbau der Finkenstraße wird besprochen. Die Gemeindevertretung ist der Ansicht, daß es zweckmäßig sei, mit der Wiederaufnahme der Arbeiten bis zum Kriegsende zu warten.“ Der Ausbau der Straße wurde erst 1922 fortgesetzt.

Blick aus dem Garten von Dr. med. Gerhard Gilbert (Gräfin-Imma-Straße) auf die Kemnader Straße, 1931
Blick aus dem Garten von Dr. med. Gerhard Gilbert (Gräfin-Imma-Straße) auf die Kemnader Straße, 1931

Die von Bochum über die Markstraße kommende Straßenbahnlinie endete bis 1926 an der Zeche Karl Friedrich, d.h. an der heutigen Kreuzung Kemnader-/Mark-/Heinrich-König-Straße. Die Verlängerung der Linie 5 / 15 über die Kemnader- und Kosterstraße auf der Strecke Zeche Karl-Friedrich – Stiepel Gemeindehaus – Henrichshütte – Hattingen mit einem Abzweig Stiepel Gemeindehaus – Haus Frische wurde im Dezember 1926 eröffnet und sollte für die Stiepeler fast vier Jahrzehnte die Verbindung nach Bochum und Hattingen sein. Bevor der Betrieb der Straßenbahn aufgenommen werden konnte, wurde die Kosterbrücke gründlich geprüft. Bedingt durch das hohe Eigengewicht der Straßenbahnwagen mussten vermutlich die Bögen und Strompfeiler verstärkt werden, Details dieser Baumaßnahmen sind aber nicht bekannt. Einen ersten Rückschlag erfuhr die Linie im Jahr 1960, als die Kosterbrücke für die schweren Triebwagen der Straßenbahn gesperrt wurde. Letztendlich war die Brückenkonstruktion dem Straßenbahnverkehr auf Dauer nicht gewachsen, die Linie 5 / 15 wurde übergangsweise durch Busse ersetzt. Im November 1963 wurde sie komplett eingestellt.

Straßenbahn vor der Gastwirtschaft „Becker links“, Kemnader Straße 251, 1950er Jahre
Straßenbahn vor der Gastwirtschaft „Becker links“, Kemnader Straße 251, 1950er Jahre
Kemnader Straße in Höhe "Lindenhof / Saterdag" mit Linie 5 / 15
Kemnader Straße in Höhe “Lindenhof / Saterdag” mit Linie 5 / 15

Wasserversorgung in Stiepel

Seit jeher gab es in Stiepel die Eigenversorgung mit Brunnenwasser an nahezu jedem Haus, viele Bauernhöfe hatten gleich zwei Brunnen, einen außerhalb und einen innerhalb des Hofgebäudes. Doch auf die Höhe des Grundwasserspiegels angewiesen zu sein, hatte seine Schwächen. So finden wir in der Schulchronik der Schule in Stiepel-Dorf für das Jahr 1905 unter dem Stichwort „Die Wasserversorgung in der Gemeinde“ folgenden Eintrag:

In dem höher gelegenen Teil unserer Gemeinde herrschte bis zum Jahre 1905 in den Sommermonaten regelmäßig ein empfindlicher Wassermangel, der sich besonders im Sommer 1904 zeigte. Von dem in der Nähe der Schule Haar gelegenen Bassin des Bochumer Wasserwerkes konnte nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Gemeinde mit Wasser versorgt werden. Daher hat sich die Gemeinde veranlaßt gesehen, dem Verband der um Bochum liegenden Landgemeinden (Dahlhausen, Linden, Weitmar, Hamme, etc.) zwecks Errichtung eines neuen Wasserwerkes beizutreten. Von zwei bienenkorbähnlichen Behältern des Wasserwerkes (Verbandswasserwerk) die auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Stiepel errichtet sind, können alle Teile der Gemeinde mit Wasser versorgt werden.

In der damaligen Stadt Bochum gab es bereits ab 1871 ein Städtisches Wasserwerk, in den um Bochum herum liegenden selbständigen Landgemeinden aber nicht. Daher schlossen sich zehn Gemeinden der damaligen Landkreise Bochum, Gelsenkirchen und Hattingen am 14. Mai 1902 auf Initiative und unter Führung des Landrats Karl Gerstein zum „Verbands-Wasserwerk G.m.b.H.“ zusammen. Neben der eigentlichen Versorgung mit Trinkwasser war die öffentliche Gesundheitsfürsorge im schnell wachsenden Industriegebiet eine wesentliche Motivation für die Gründung des Wasserwerks. Der Sitz der neuen Gesellschaft war zunächst die Gemeinde Hamme, nach mehreren Umzügen dann ab 1925 Weitmar. Die Gewinnung des Trinkwassers erfolgte im Ruhrtal. Durch Druck-Rohrleitungen wurde das Wasser in Hochbehälter befördert, aus denen es in die Versorgungsleitungen der einzelnen Gemeinden verteilt wurde.

Das zu diesem Zeitpunkt bestehende Bochumer Wasserwerk kaufte das Grundstück für sein sogenanntes Hochbassin an der Ecke Kemnader-/Haar-/Kosterstraße im Jahr 1896 dem Landwirt Schulte-Schüren ab. Dieses Hochbassin war eine Art Zwischenstation und diente zum Aufbau des nötigen Drucks auf dem Weg des Wassers von der Ruhr in die damalige Stadt Bochum. Die Gemeinde Stiepel wurde daraus NICHT versorgt.

Der am 14. Mai 1902 geschlossene Gesellschaftsvertrag des neu gegründeten Wasserwerks verrät uns die wesentlichen Fakten:

Gesellschaftsvertrag "Verbands-Wasserwerk" 1902
Gesellschaftsvertrag “Verbands-Wasserwerk” 1902

Die Hochbehälter wurden erreichtet in Weitmar und Harpen als oberirdische Gebäude, in Stiepel als „Erd-Hochbehälter“. Dazu später mehr. Aus den Protokollen der Stiepeler Gemeindevertretung können wir eine kleine Chronologie zusammenstellen:

14. Mai 1902: „… wurde beschlossen: Die Gemeinde Stiepel betheiligt sich an dem neuen Wasserwerk der Consortialgemeinden unter der Bedingung, daß von diesem Wasserwerk die ganze Gemeinde Stiepel mit Wasser versorgt werden kann und die Gemeinde Stiepel das Wasser zu denselben Preisen wie jede andere Gemeinde des Consortiums erhält und das Zuleitungsrohr durch die ganze Gemeinde bis zur Endgrenze von Seiten des Consortiums gelegt wird.“

25. Juli 1902: „Für das dem Verbands-Wasserwerk Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu Hamme, aus der Landesbank der Provinz Westfalen bewilligte Darlehn von 2.500.000 Mark … nebst den Zinsen, übernimmt (hierdurch) die Gemeinde Stiepel mit den Gemeinden Dahlhausen, Eickel, Grumme, Günnigfeld, Hofstede, Hordel, Linden und Weitmar selbstschuldnerische Bürgschaft dergestallt, daß jede dieser Gemeinden sich nur für den ihrem jeweiligen … Antheile am Stammkapitale der obigen Gesellschaft von 176000 Mark entsprechenden Theile des Darlehns verbürgt.“

22. Mai 1903: „Der Tagesordnung wurde vom Gemeindevorsteher Pläne und Kostenanschläge zur Verlegung von Wasserleitungsrohren vorgelegt und zwar für die Strecke von der Anschlußstelle zwischen Anstreichermeister Heinrich Hasenkamp und Friedrich Finke nach Zahrbach – Wirt Röder – bis Berginvalide Heinrich Kroniger in Brockhausen ca 1100 m; ferner von Wirt Friedrich Frische ca 900 m in östlicher Richtung über den Bergkamm. Gemeindevertretung beschloß Offerten über Rohrlieferung etc. einzuziehen.

Wir können zusammenfassen, dass nach Gründung im Jahr 1902 ab 1903 mit dem Bau des Leitungsnetzes begonnen wurde und ab 1905 dann tatsächlich Wasser innerhalb der Gemeinde Stiepel verteilt wurde. Man kann das heute noch an vielen Häusern erkennen: Vor diesem Zeitpunkt errichtete ältere Häuser besitzen einen Brunnen, danach errichtete nicht mehr.

Auf einem Bebauungsplan aus dem Jahr 1967 (Quelle: www.o-sp.de/bochum/plan=44509) sind neben den beiden deutlich erkennbaren neuen Behältern an der Ministerstraße die beiden Erdbehälter unmittelbar darunter noch eingezeichnet (rot eingekreist):

Bebauungsplan Mittelstiepel 1967
Bebauungsplan Mittelstiepel 1967

Auf einem historischen Foto mit Blick vom Henkenberg in Richtung Ministerstraße / Auf der Egge kann man die beiden Erdbehälter erkennen (rot eingekreist):

Stiepeler "Erd-Hochbehälter" vom Henkenberg aus
Stiepeler “Erd-Hochbehälter” vom Henkenberg aus

Und auf einer Nahaufnahme sieht man, was mit „Erdbehälter“ gemeint ist:

Stiepeler "Erd-Hochbehälter" an der Ministerstraße
Stiepeler “Erd-Hochbehälter” an der Ministerstraße

Dadurch, dass das Bochumer Wasserwerk seinen Hochbehälter ebenfalls in Stiepel hatte, kam es zu der aus heutiger Sicht vielleicht seltsamen Konstellation, dass es in Stiepel zwei Wassernetze gab, die miteinander nicht verbunden waren. Dies ergab sich einfach durch die geographischen Gegebenheiten mit dem höchsten Punkt der heutigen Stadt Bochum. Auf einer Übersichtskarte aus dem Jahr 1928 (d.h. 1 Jahr vor der Eingemeindung Stiepels nach Bochum) lassen sich die getrennten Versorgungsnetze und die ineinander verwobenen Versorgungsgebiete der beiden Wasserwerke gut erkennen (Quelle: Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen, Karte A-17365 „Wasserversorgung der Stadt Bochum und der umliegenden Gemeinden 1928“). Das Versorgungsgebiet des Bochumer Wasserwerks ist in rot, das des Verbands-Wasserwerks in gelb dargestellt:

Karte des Landesarchiv NRW: Wasserversorgung in Bochum
Karte des Landesarchiv NRW: Wasserversorgung in Bochum

Auf der Vergrößerung des Stiepeler Gebietes sind die beiden parallel verlegten Netze gut zu erkennen: das Leitungsnetz des Bochumer Wasserwerks ist in blau, das des Verband-Wasserwerks in rot dargestellt. Ebenfalls eingezeichnet sind die jeweiligen Hochbehälter:

Wassernetze in Stiepel (Ausschnitt)
Wassernetze in Stiepel (Ausschnitt)

Nach den Eingemeindungen des Jahres 1929 blieben die beiden Versorgungsnetze zunächst bestehen. Durch die aus dem Besitz der Gemeinden übertragenen Gesellschaftsanteile des Verband-Wasserwerks besaß die Stadt Bochum 68,25 % des Gesellschaftskapitals. Um das unwirtschaftliche Nebeneinander der beiden Wassernetze zu beenden, machte die Stadt Bochum ihren Einfluss geltend und sorgte für die Herstellung einer Verbindung beider Rohrnetze. Zu einer vollständigen Verschmelzung mit dem Wasserwerk der Stadt Bochum kam es aber zunächst nicht, da nach den Eingemeindungen weiterhin die damaligen Städte Wanne-Eickel und Wattenscheid beteiligt waren. Die beiden neuen Wasserbehälter an der höchsten Stelle Bochums an der Ministerstraße wurden in den Jahren 1961/1962 errichtet.

Apotheken in Stiepel

Über nicht vorhandene Ärzte innerhalb der Gemeinde Stiepel haben wir schon berichtet. Nachzulesen ist dieses Kapitel Stiepeler Geschichte in der Darstellung von Dr. Gerhard Gilbert, der sich am 1. Dezember 1919 als erster Arzt in Stiepel niedergelassen hat. In der Zeit davor mussten sich die Stiepeler zur ärztlichen Versorgung in die Nachbargemeinden Weitmar, Wiemelhausen und auf die gegenüberliegende Ruhrseite nach Blankenstein begeben. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie denn die Stiepeler nach einem Arztbesuch mit Arzneimitteln und Medikamenten versorgt wurden. In Stiepel gab es keine Apotheke, also musste man sich ebenfalls in den Nachbargemeinden aushelfen. Und genau in diesem Kontext hat der Geschichtskreis Weitmar im Juli 2020 unter dem Titel „Merkwürdiger Arzneimittelhandel in Weitmar“ über einen kleinen „Arzneimittelskandal“ recherchiert, bei dem es auch um zwei Stiepeler Gastwirtschaften und deren Rolle als Verteilzentren geht. Auslöser von polizeilichen Untersuchungen im November 1907 war wohl, dass der eine Apotheker dem anderen seine geschäftlichen Aktivitäten neidete und sich gegen die Übergabe von Rezepten direkt aus einer Arztpraxis heraus an eine „Botenfrau“ zu wehren versuchte. Im Zuge der Untersuchungen kam heraus, dass die Witwe Wilhelmine Berentroth sich mit  Duldung des Arztes Meffert in dessen Praxis aufhielt, ausgestellte Rezepte direkt einsammelte, diese zum Apotheker Brinkmann brachte und später die hergestellten Arzneien als Botenfrau an die Wirtschaft Westermann in Stiepel lieferte. Der Wirt Westermann (heutiges Haus Kemnader Straße 200 / Ecke Kosterstraße, Gründung der Wirtschaft 1895) gab die etikettierten Medikamente dann an die Stiepeler Kundschaft aus.

Strafanzeige 1907: Vernehmung Wirt Westermann (Quelle: Stadtarchiv Bochum)

Strafanzeige 1907: Vernehmung Wirt Westermann (Quelle: Stadtarchiv Bochum)

Gastwirtschaften waren zu jener Zeit mehr als nur eine Wirtschaft, sie hatten unterschiedliche Funktionen für das soziale Miteinander in der Gemeinde. Zum Beispiel für das Vereinsleben, als Lohn-, Steuer- oder Rentenzahlstelle, Versicherungsbüro, Poststelle usw. Nun also auch noch als Ausgabestelle für Arzneimittel. Der Amtmann von Weitmar teilte nach Abschluss der Untersuchungen der Polizei-Verwaltung in Blankenstein Ende November 1907 mit, dass die Lieferung von Medikamenten aus einer Weitmarer Apotheke an die Wirtschaft von Westermann in Stiepel aus seiner Sicht einen Verstoß gegen Gesetz und Kaiserliche Verordnung darstellt. Wie die Geschichte in Stiepel ausging, wissen wir nicht, in Weitmar erhielt der Wirt Flake die Verfügung, Annahme und Ausgabe von Medikamenten unter Strafandrohung zu unterlassen. Wir erfahren durch die polizeilichen Ermittlungen aber auch noch, dass es ein identisches System aus der Gemeinde Blankenstein heraus mit dem Wirt Frische in Stiepel gab, und das bereits seit Bestehen der Blankensteiner Apotheke im Jahr 1872. Das Haus Frische war ein seit 1857 bestehendes, über die Stiepeler Grenzen hinaus bekanntes Ausflugslokal an der heutigen Haarholzer Straße. Der apothekenlose Zustand sollte bis zum Jahr 1954 bestehen bleiben. In jenem Jahr hat die Stadt Bochum einen Apotheken-Standort in Stiepel ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt der Großvater des heutigen Apothekers Heiko Meyer (Ruhrland-Apotheke).

Gewerbe- und Handwerksbetriebe

Dass Stiepel “früher” durch Landwirtschaft, Bergbau und die Henrichshütte in Hattingen geprägt war und viele Stiepeler dort ihren Lebensunterhalt verdienten, ist bekannt. Doch welche Gewerbe- und Handwerksbetriebe waren ansässig? Wir versuchen, diese nach und nach darzustellen. Dazu sind wir auf Deine Unterstützung angewiesen! Wir würden uns freuen, wenn Du uns Fotos, Dokumente oder andere Dinge rund um Gewerbebetriebe in Deinem Umfeld zur Verfügung stellst.  

Eine kleine Chronik der Metzgerei Parr

Die Geschichte der Familie Parr beginnt in Hessen, im kleinen Ort Kirchlotheim. Der dort im Jahr 1834 geborene Johann Daniel Parr verdiente seinen Unterhalt als Tagelöhner. Wie so viele andere auch wanderte er in den 1860er Jahren ins Ruhrgebiet ein, um sich eine Existenz als Bergmann aufzubauen. In Hattingen erfolgte im Jahr 1866 die Gründung einer Familie: In jenem Jahr findet die Hochzeit mit Alwine Striebeck statt und der Sohn Heinrich Gustav Parr wird geboren. Mit seiner Familie verschlägt es ihn dann um 1875 nach Stiepel, wo der genannte erstgeborene Sohn im Jahr 1889 die Friederike Lisette Hoffstiepel heiratet. In dieser Ehe wiederum wird am 10. März 1893 Heinrich Gustav Parr junior geboren, der später die gleichnamige Metzgerei gründen wird. Doch der Reihe nach. 1907 beginnt er im Alter von 14 Jahren eine Metzgerlehre in Weitmar, ab 1911 führen ihn die Gesellen- und Wanderjahre nach Gelsenkirchen, Elberfeld und Lütgendortmund. Von 1915 bis 1918  muss er am 1. Weltkrieg teilnehmen, ab 1919 arbeitet er dann auf der Henrichshütte in Hattingen. Erst im September 1929 meldet er ein Gewerbe als „Fleisch- und Fettwarenhandlung“ mit der Adresse Finkenstraße 11 an. Dies ist der Beginn der Metzgerei Parr an der heutigen Kosterstraße. Familie Parr hatte zwar Wohneigentum an der heutigen Straße Am Varenholt, für die Metzgerei wurden aber Räumlichkeiten angemietet. Wohl weil dieser Standort an der Kosterstraße zu abgelegen war, wechselte Heinrich Gustav Parr nach ca. zwei bis drei Jahren zum zweiten Standort in ein Geschäftslokal im Hause der Wirtschaft Westermann an der Kemnader Straße 200. Auch wenn diese Stelle aus heutiger Sicht vielleicht ebenfalls als relativ abgelegen erscheint, seinerzeit war dies eine stark frequentierte Ecke. Die Wirtschaft Westermann selber brachte Kundschaft, gegenüber war das Stiepeler Gemeindehaus (später die Verwaltungsstelle der Stadt Bochum) und an der Straßenbahnhaltestelle der Linie Welper-Bochum stieg so mancher ein und aus, insbesondere die Arbeiter der Henrichshütte, die sich von dort aus in das restliche Stiepel verteilten.

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955)

Metzgerei Parr: Zweiter Standort Kemnader Straße 200 (Westermann, 1953). Vorne rechts: Gustav und Ilse Parr

Der am 26. März 1923 geborene Sohn Georg Gustav Parr ging ab April 1937 in die Lehre bei seinem Vater und legte im Oktober 1940 die Gesellen-, im November 1947 die Meisterprüfung ab. Im Jahr 1954 erwarben Georg Gustav Parr, der die Metzgerei seines Vaters mittlerweile übernommen hatte, und seine Frau Ilse, geborene Best, von Landwirt Schulte-Schüren ein Stück Land schräg gegenüber der Wirtschaft Westermann (neben dem Gemeindehaus) und errichteten dort den dritten Standort. Die Geschäftseröffnung im Neubau an der Kemnader Straße 201 wurde unmittelbar nach der Stiepeler Kirmes 1955 gefeiert.

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955)

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955). Davor ein Oberleitungsmast der Straßenbahnlinie 5.

Im Jahr 1978 beendete das Ehepaar Parr seine berufliche Laufbahn. Nach 49 Jahren und zwei Generationen endete die Geschichte der Metzgerei Parr. Das Geschäft wurde an das Ehepaar Birkenfeld verpachtet, die es bis ca. 1985 unter ihrem Namen weiterführten. Übrigens schien der Name „Parr“ schwierig auszusprechen gewesen zu sein. Bei den meisten Stiepelern wurde beim gesprochenen Wort einfach der Buchstabe „e“ angehängt, so dass man immer zur Metzgerei „Parre“ ging.

Metzgerei Parr: Wiedereröffnung durch Birkenfeld (1978)

Metzgerei Parr: Zeitungsanzeige zur Wiedereröffnung durch Birkenfeld (1978)

 

Sattlerei Schilling

An der Gräfin-Imma-Straße war die Sattlerei Schilling beheimatet, Heinrich Schilling ließ sich dort um 1930 vor seinem Geschäft ablichten. Das Rechnungsformular im Hintergrund stammt aus den 1940er Jahren.

Sattlerei Schilling Stiepel

Sattlerei Schilling Stiepel

Luftangriff Mai 1943

Im Mai 1943 erlebten Stiepel und andere Stadtteile des Bochumer Südens den für sie schwersten Luftangriff des 2. Weltkriegs. Er war Teil der fünf Monate währenden britischen Luftoffensive, bei der praktisch sämtliche Großstädte an Rhein und Ruhr bombardiert wurden. Was für die Bochumer Innenstadt -gemessen an den Treffern und Zerstörungen- der 4. November 1944 darstellt, ist für Stiepel die Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1943. Der Stiepeler Heimatverein hat versucht, die bei diesem Angriff komplett zerstörten Gebäude sowie die ums Leben gekommenen Personen zu ermitteln, um so eine Schneise mit den schwersten Schäden grafisch darzustellen (Stand: Mai 2018 zum 75. Jahrestag). Dazu sind im Stadtplan des Jahres 1939 die (komplett) zerstörten Gebäude mit einem roten Stern versehen. Diejenigen Häuser, in denen außerdem Tote zu beklagen waren, sind zusätzlich schwarz umkreist. Angemerkt sei, dass der Stiepeler Heimatverein neben seinen eigenen Kenntnissen auf Hinweise aus einem Leseraufruf des Stiepeler Boten angewiesen war. In Summe kann dabei durchaus ein zerstörtes Gebäude übersehen worden sein. Die Anzahl der bei diesem Angriff ums Leben gekommenen Personen wurde hingegen exakt ermittelt. Hierzu konnten im Bochumer Stadtarchiv Aufzeichnungen der damaligen Stadtverwaltung ausfindig gemacht werden. Das Ergebnis der Forschungen lässt sich auf dem Stadtplan gut ablesen. Die Schneise der Zerstörung zog sich, beginnend an der Kemnader Straße (Ortsgrenze Weitmar) in Richtung Süden über den Henkenberg mit letzten Treffern an der Galgenfeldstraße und dem Wasserwerk an der Ruhr.

Stadtplan 1939: rot markiert = komplett zerstörte Gebäude; schwarz umkreist = Gebäude mit Toten (mit Genehmigung des Amtes für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367)

Stadtplan 1939: rot markiert = komplett zerstörte Gebäude; schwarz umkreist = Gebäude mit Toten (mit Genehmigung des Amtes für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367)

Als markantes Gebäude wurde die Stiepeler Ziegelei (Standort: heutiger Sportplatz) so schwer beschädigt, dass sie die Produktion auch nach dem Krieg nicht wieder aufnahm und 1952 abgerissen wurde. Der damalige Vikar der Katholischen Kirchengemeinde, Johannes Plitt, notierte in seiner Chronik: „ … die Mine, die hinter der Ziegelei heruntergekommen war, hatte … das Turmkreuz ganz verbogen …“. Auch die Stiepeler Dorfkirche büßte indirekt durch den Treffer einer Luftmine ihren Turm ein. Winfried Schonefeld beschreibt in seiner „Geschichte eines Kirchspiels“, dass die Holzkonstruktion des Turmhelms stark beschädigt wurde, die Herbststürme nicht überstand und einstürzte, wobei auch das Dach des Kirchenschiffs erheblich beschädigt wurde. Darüber hinaus wurde die Bochumer Wasserversorgung durch zwei Treffer in den Hauptleitungen des Stiepeler Wasserwerks für mindestens einen Tag deutlich erschwert.

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Norden, Mai 1943

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Norden, Mai 1943

 

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Süden, Mai 1943

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Süden, Mai 1943

In Stiepel gab es bei diesem Luftangriff genau 14 Tote in vier Häusern. In besonders dramatischer Weise war ein Haus an der Kemnader Straße, kurz vor der Einmündung der Sandfuhrstraße, betroffen. Darin starben 9 (!) Personen, größtenteils aus einer Familie. Genau in jenem Bereich der Kemnader Straße, rund um die Kreuzung mit der Krockhaus- und Sandfuhrstraße, gab es, so die Erkenntnisse aus den Forschungen, die mit Abstand schwersten Schäden. Die von Anwohnern zur Verfügung gestellten Fotos zeigen die Zerstörungen genau in diesem Abschnitt der Kemnader Straße. Die übrigen drei Häuser mit Todesopfern lagen an der Hülsberg-, Henkenberg- und Galgenfeldstraße. Die in Stiepel-Dorf errichtete große Flak-Stellung, die auf einem Luftbild in den Feldern zwischen dem Dorf und der Gibraltarstraße gut zu erkennen ist (roter Kreis), konnte den Angriff nicht verhindern.

Amerikanisches Luftbild 1945: Flak-Stellung Stiepel-Dorf, Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv

Amerikanisches Luftbild 1945: Flak-Stellung Stiepel-Dorf, Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv

Reformation in Stiepel

(Entnommen aus den Ausstellungstexten “Umbruch im Königreich Stiepel – Von Luther zum Lutherhaus”, Ausstellung vom 24. September 2017 bis 14. Januar 2018 auf Haus Kemnade, Kulturbüro der Stadt Bochum) Den Beginn der Reformation markiert Luthers Thesenanschlag in Wittenberg 1517. In Stiepel aber setzte sich die Reformation erst später durch. Als schon in Herbede oder in Weitmar der Konfessionswechsel um 1540 stattgefunden hatte, wurden in Stiepel noch ein Hagelfeiertag und Flurprozessionen mit Fahnen und Kreuz begangen. Henrich von der Recke, der älteste Sohn des Blankensteiner Drosten und Patronatsherrn von Kemnade Johann von der Recke, war Dompropst zu Köln gewesen. Er trat zum lutherischen Glauben über und wurde darauf aus Köln ausgewiesen. Er ließ sich in Blankenstein nieder und baute sich dort einen Altersruhesitz. In die Grundmauer ist ein schlichtes Denkmal eingelassen. Zu sehen ist links das Reckesche Wappen, dann die Buchstaben HVDR für Henrich von der Recke mit der Jahreszahl 1561, rechts außen das Flecksche Wappen. Von seinem Ruhesitz förderte er die Reformation, und nahm wahrscheinlich über seine Familie auch maßgeblichen Einfluss auf die Reformation in Stiepel. Henrich soll auch längere Zeit Tischgenosse von Martin Luther gewesen sein. 1580 wurde Henrich Kluvenbeck Pastor in Stiepel. Der Patronatsherr war Cord von der Recke, der streng katholisch war. Er starb 1596, sein Nachfolger wurde Wennemar von der Recke. Aus Kirchenrechnungen und Protokollen von Zeugenverhören kann der weitere Verlauf der Reformation in Stiepel nachvollzogen werden: So wurde 1583 das letzte geweihte Öl in Köln gekauft, danach ist keine Rechnung mehr nachweisbar. 1596 stieg laut Kirchenbuchrechnungen der Weinverbrauch. Zu den Feiertagen, wie Kirchweihe, Ostern oder Pfingsten wurden Ausgaben für Wein angesetzt. Das lässt darauf schließen, dass das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt wurde. Im Jahr 1596 starb der katholisch gebliebene Patronatsherr Cord von der Recke. Sein Nachfolger wurde Wennemar von der Recke. Er unterstützt die Reformation. Der Sommer jenes Jahres wird als Beginn der Reformation in Stiepel angenommen. Doch in der Chronik des Hattinger Pfarrers Hermann Merker aus dem Jahr 1620 wird das Jahr 1610 als der Übertritt zum Protestantismus erwähnt. In der Chronik heißt es: “Anno 1610 hat der pastor zu Stipell, Henricus Cluvenbeck, pontificiae religion valediciert (die päpstliche Religion verlassen) und Augustanae confessionis exercitium angenommen“. Am 8. August 1614 gab es offensichtlich einen Versuch, Stiepel gewaltsam zum katholischen Glauben zurückzuführen. Jobst Aschebrock Drost von Bochum ließ Pastor Heinrich Kluvenbeck und seine Frau festnehmen und in Bochum gefangenhalten. Patronatsherr Wennemar von der Recke zeigte diesen Eingriff in seine Herrschaft beim Reichskammergericht in Speyer an, das schon am 17. September 1614 ein Mandat erteilt, die Gefangenen sofort freizulassen. Im Jahr 1624 gewann im jülich-klevischen Erbfolgekrieg in der hiesigen Gegend das katholische Haus Pfalz-Neuburg die Oberhand. Überall wurden evangelische Geistliche durch katholische Pfarrer ersetzt. Auch in Stiepel sollte die Gemeinde wieder katholisch werden. Rötger Höfken, vormals Pastor in Wattenscheid, sollte in Stiepel Pastor werden. Aber der Patronatsherr Wennemar von der Recke stellte sich diesem Wechsel entgegen und nach alter Stiepeler Tradition wurde Höfken mit Gewalt aus der Kirche vertrieben. Im gleichen Jahr verstarb Heinrich Cluvenbeck, sein Grabstein steht südlich des Kirchturms der Dorfkirche und zeigt das Symbol des Abendmahlkelchs. Im Jahre 1647 ging das Patronat und die Herrschaft Stiepel durch Heirat der Erbtochter Sybilla Arnolda von der Recke auf die Syberger über, und so wurde Johann Georg von Syberg Gerichts und Patronatsherr von Stiepel. Auf der Grundlage des Vertrages von Kleve 1666, der zwischen dem Herzog von Pfalz-Neuburg und dem Kurfürsten von Brandenburg geschlossen wurde, um den Erbfolgestreit zu beenden, beanspruchte der katholische Bochumer Pfarrer Moritz Hüttemann Stiepel wieder als Filialkirche. In diesem Vertrag wurde festgelegt, dass im brandenburgischen Gebiet diejenige Konfession gelten sollte, der man im Jahre 1609 angehörig war. Stiepel gehörte in katholischer Zeit wie Bochum zum Erzbistum Köln und zum Dekanat Wattenscheid. Es kam 1669 zum Prozess und zu Zeugenbefragungen. Viele bekannte Namen waren unter den von Hüttemann aufgerufenen Zeugen: Munkenbeck, Middelkamp, Kortwig und der arme Jobst auf dem Kirchhof. Sie sollten vor dem churfürstlichen Commisar Johannn Dietrich von Syberg zu Clyff bestätigen, dass Kluvenbeck noch 1609 am Altar die Messe gehalten, Kreuz, Fahnen, Schellen und Weihwasser gebraucht, vom Gerichtsherrn gezwungen worden sein, die lutherische Religion anzufangen, dies ungern getan und auf der Kanzel darüber geschreiet, das dies erst 1616 geschehen sei und er hernach katholisch gestorben sei, das die Zeugen 1609 katholisch gewesen und das Kortwig dem Kluvenbeck oft bei der Messe gedient habe. Leider konnte keiner der Zeugen, laut den Vernehmungsprotokollen dies bestätigen. 1670 wurde die Klage von Hüttemann abgewiesen und Stiepel wird endgültig evangelisch. Mit der Einführung der Reformation stieg die Macht des Patrons. Seit 1679 ist Friederich Mathias von Syberg Patronatsherr in Stiepel. Als Gerichtsherr übernahm er auch die geistliche Kirchenleitung, er hatte das Vorschlagsrecht bei den Pfarrwahlen, veränderte Stiftungen, bestimmte den Modus der Abendmahlsfeier und verordnete 1689 welche Gestalt der Gottesdienst nun und „inskünftig sollte bestellt und berichtet werden“. Der Patron verfügte über einen Kirchenstuhl im Chor und über einen bevorzugten Begräbnisplatz unter dem Chor. Selbst in seinem Testament verfügte er im Falle des Abfalls vom lutherischen Glauben, den Entzug der Legate. 1695 stifteten die Syberger einen Abendmahlskelch. Im Jahre 1698 ließ er vom Schwelmer Bildhauermeister Schmidt ein Epitaph anfertigen und über dem Chorgestühl anbringen. Im gleichen Jahr wurden auch die Heiligenbilder und biblischen Geschichten auf den Wänden der Dorfkirche übertüncht. 1740 wurde der Marienaltar abgebrochen; das Sakramentshäuschen und das Weihwasserbecken ist heute noch vorhanden. 1794 wurden die Patronatsverhältnisse mit dem Preußischen Allgemeinen Landrecht gesetzlich geregelt. Trotzdem gab es häufig Probleme mit dem Patronatsherrn wegen seiner Zahlungsverpflichtung zum Unterhalt der Dorfkirche. Etliche Prozesse bis ins Jahr 1921 folgten, in diesem Jahr kaufte die Stadt Bochum Haus Kemnade und wurde damit Patronatsherr für Stiepel. Parallel zu den Gerichtsstreitigkeiten gab es Verhandlungen zur Ablösung des Patronats. Am 2. November 1928 wurde gegen Zahlung einer Abfindungssumme von 110.000 Reichsmark die Patronatsverpflichtungen der Stadt Bochum gegenüber der evangelischen Kirchengemeinde Stiepel abgelöst. Ein Teil dieses Geldes wurde auch für den Bau des Betsaales für den 2. Pfarrbezirk in Stiepel Haar verwandt. Am 30. August 1931 wurde das Haus eingeweiht und es sollte den Namen des großen Reformators „Martin Luther“ tragen. So wird es nunmehr Lutherhaus genannt. Die Bleiverglasung im Altarraum zeigen in der Mitte Martin Luther, eingerahmt von der Dorfkirche und der Wartburg. Text: Gerhard Hagenkötter

Ehemaliger Katholischer Friedhof

Geht man an der Kemnader- / Ecke Ministerstraße den Weg zwischen den Hausnummern 300 und 302 hinauf, so endet dieser vor einem Zaun mit einem Tor. Dahinter erkennt man noch zwei aus Bruchstein gefertigte Säulen einer Toranlage, die einmal der Eingang zum katholischen Friedhof in Stiepel war. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand bei der Stiepeler Bevölkerung katholischen Glaubens der Wunsch nach einer eigenen Begräbnisstätte. Betreut wurden die Katholiken bis dato von der Gemeinde in Blankenstein, doch war es oft mühsam, die Bestattungen in Blankenstein durchzuführen. Die Kosterbrücke wurde erst im Februar 1910 für die Öffentlichkeit begeh- und befahrbar, die Kemnader Brücke erst im Juni 1928 fertiggestellt. Bis zum Bau der neuen Kirche in den Jahren 1913-15, der heutigen Wallfahrtskirche St. Marien am Varenholt, wurde zum Beispiel der Gottesdienst und der katholische Schulunterricht in der damaligen Gaststätte Becker-Links, heute das Haus Kemnader Straße 251, abgehalten. Im Jahre 1872 kaufte die katholische Gemeinde ein Grundstück für eine Begräbnisstätte. In einer alten Grundakte der Katholischen Kirchengemeinde Mittelstiepel aus dem Jahre 1886 befindet sich das Grundstück „Auf der Egge“ und ist „15 Are und 27 M“ groß. Der Friedhof wurde am 23.1.1873 geweiht und bis in die 1960er Jahre belegt. Endgültig geschlossen wurde der Friedhof 1981, nachdem der Kommunalfriedhof an der Nettelbeckstraße eingerichtet wurde. Die erste Bestattung wurde auf diesem neuen Friedhof im Juni 1970 durchgeführt. Bis zur Fertigstellung der Trauerhalle und der anderen Betriebsgebäude im Jahre 1974 wurde die Trauerhalle des Evangelischen Friedhofs mitbenutzt. Die Angehörigen hatten nun die Möglichkeit, ihre Verstorbenen auf den neuen Kommunalfriedhof umbetten zu lassen. Viele Jahre erinnerte ein Kreuz mit einer Gedenktafel an die Begräbnisstätte der Katholischen Kirchengemeinde. Das Kreuz mit der Gedenktafel ist leider in den 1980er Jahren dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Das Gelände ist heute eingezäunt und nicht mehr zugänglich, man erkennt nur noch einige Stufen und Stützmauern der einst terrassenförmig angelegten Friedhofsanlage.

Katholischer Friedhof Stiepel, Eingangstor, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Eingangstor, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Treppenanlage, Zustand 1986

Katholischer Friedhof Stiepel, Treppenanlage, Zustand 1986

Text und Fotos: Gerhard Hagenkötter Quellen: Archiv Wilhelm Dickten, Archiv Katholische Kirchengemeinde St. Marien

Sonntagschule (1892-1970)

An der Gräfin-Imma-Straße, in der heutigen Hausnr. 56, befand sich von 1892 – 1970 die sog. Sonntagschule von August Hahnefeld. Begründet im April 1892 von den Baptisten August Hahnefeld sen. und Karl Eifert, übernahm nach seiner Entlassung aus dem 1. Weltkrieg im Jahr 1917 August Hahnefeld jun. die sonntägliche Bibelstunde für rund 40 – 60 Stiepeler Kinder.

Das Gebäude der Sonntagsschule, heute Gräfin-Imma-Straße 56 (Foto: H.-D. Eickelbeck)

Das Gebäude der Sonntagschule, heute Gräfin-Imma-Straße 56 (Foto: H.-D. Eickelbeck)

Erwähnenswert ist die jährliche Weihnachtsfeier, die im Saal der benachbarten Wirtschaft (Haus Schreier, später Steinsträßer, heute ein Griechisches Restaurant) stattfand. Der Saal wurde vor der Feier mit Kohle beheizt, die die Familie Hahnefeld per Schubkarre herbeischaffen musste. Als besonderes Geschenk gab es für jedes Kind eine mit dem Motiv der Sonntagschule bedruckte Tasse oder Teller. In der Abbildung ein Weihnachtsteller aus dem Jahr 1930:

Weihnachtsteller der Sonntagschule Stiepel

Weihnachtsteller der Sonntagschule Stiepel

  In einem “Klassenbuch” wurde die Anwesenheit per Strichliste nachgehalten.

Ausschnitt aus dem Klassenbuch „Namen und Anwesenheit der Sonntag-Schüler im Jahr 1932“

Ausschnitt aus dem Klassenbuch „Namen und Anwesenheit der Sonntag-Schüler im Jahr 1932“

Aus gesundheitlichen Gründen musste August Hahnefeld jun. die Sonntagsschule im Jahr 1970 schließen. (Text in Anlehnung an „Stiepeler Schulen“, hrsg. von Wilhelm Dickten)

Ausschnitt der WAZ vom 22. Dezember 1967 zur 75-Jahr-Feier

Ausschnitt der WAZ vom 22. Dezember 1967 zur 75-Jahr-Feier

Krieger-Gedächtnisstätte für Gefallene aus Stiepel

Alle drei Jahre tritt ein Denkmal aus dem Schatten des alten Gemeindehauses an der Kemnader Straße hervor, wenn der Bürgerschützenverein von 1854 Ausrichter des Schützenfestes ist. Die traditionelle Totenehrung mit Zapfenstreich führt der Bürgerschützenverein am Vorabend des Königsschießens an diesem Ehrenmal durch. (Text: Gerhard Hagenkötter)

Neben dem Gemeindehaus an der Kemnader Straße: das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs

Neben dem Gemeindehaus an der Kemnader Straße: das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs

Die Geschichte dieses Denkmals beginnt am 3. Oktober 1920. An diesem Tag fand eine Versammlung von Vereinsvorständen der Gemeinde Stiepel in der Gastwirtschaft Frische statt. Es wurde der Wunsch nach einem „Heldenhain“ für die im Weltkrieg gefallenen Männer aus Stiepel artikuliert. In einem Brief an die Gemeindevertretung wurde um ein Grundstück oberhalb des Spielplatzes vom Wirt G. Schreier entgeltfrei für diesen Zweck gebeten. Unterschrieben war die Eingabe von Lehrer Linnhoff.

Schreiben vom 4.10.1920

Schreiben vom 4.10.1920

In der am 15.12.1920 stattgefundenen Sitzung der Gemeindeversammlung wurden beschlossen, eine Kommission, in der Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene vertreten waren, zwecks weiteren Vorgehens einzusetzen. Obwohl sich die Kriegsteilnehmer nicht ausreichend vertreten sahen, konnte die Kommission in einer Sitzung der Gemeindevertreter am 7.3.1921 ein Modell der geplanten Gedenkstätte präsentieren. Der Entwurf wurde von den Gebrüdern Hugo und Paul Hedtfeld aus Weitmar erstellt. Als Ort des Denkmals wurde ein Platz neben dem Gemeindehaus festgelegt. Am 2.5.1921 beschloss die Gemeindevertretung den Plan der Kommission gut zu heißen und für die Ausführung einen Kredit von 30.000 Mark bereit zu stellen. Die Ausführung sollte die Firma Friederich Nippus aus Sprockhövel übernehmen. Es wurde auch eine Anfrage an die Westfälische Heimstätte für Kriegerehrung in Münster gestellt, ob das geplante Denkmal eine künstlerisch einwandfreie Lösung sein wird. Im Juli beantragte die Kommission zusätzliche Mittel, da die Namen der 173 gefallenen Kriegsteilnehmer auf Marmortafeln angebracht werden sollen, das würde den Kredit um 9.300 Mark überschreiten. Unheil drohte der Gemeinde durch ein Schreiben des Justizrates Mummenhoff, Anwalt und Notar aus Bochum, den die Brüder Hedtfeld als Vertreter ihrer Interessen beauftragt hatten, da der Auftrag ihres entworfenen Denkmals an eine andere Firma ging. Die Gemeinde begründete die Auftragsvergabe an die Firma Nippus mit den geringeren Kosten, Nippus war 7.000 Mark günstiger. Um einen langen Rechtsstreit und Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen, schon damals gab es Urheberrechtsprobleme, strebte man eine gütliche Einigung an. Die Brüder Hedtfeld verlangten 3.619 Mark, die Gemeinde wollte nur 2.750 Mark zahlen. Die als Vermittler von Hedtfeld angerufene Heimstätte für Kriegerehrungen in Münster schlug als Vergleich 3.000 Mark vor. Die Gemeindevertreter stimmten auf der Sitzung vom 5.12.1921 diesem Vergleich zu. Auch die verlangte Erstattung der Anwaltskosten über 119,40 Mark der Gebr. Hedtfeld wurde nach längerem Zögern im Juni 1922 durch die Gemeinde erstattet. Um die ständig steigenden Kosten abzufangen, wurde der Kredit am 17.5.1922 auf ein Volumen von 40.000 Mark erhöht, wohl wissend dass die Kosten auf bis zu 70.000 Mark steigen könnten. Weiter wurde festgelegt, dass am 11.6.1922 die Einweihung des Denkmals stattfinden soll. In einem Brief wurde Hauptlehrer Böhle, der auch Organist der Kirchengemeinde war, gebeten, für den musikalischen Rahmen zu sorgen; es soll eine „schlichte Einweihung stattfinden“. Mit einer Anzeige in der Hattinger Zeitung wurde die Gemeinde eingeladen. Auch wurde ein Heldengedicht in der gleichen Zeitung veröffentlicht.

Anzeige aus der Hattinger Zeitung

Anzeige aus der Hattinger Zeitung

Von der Gedenkstätte wurden Ansichtskarten durch den Hattinger Photographen Albert Kessler angefertigt. Der Buchhändler Friederich Höltermann aus Stiepel sollte den Verkauf übernehmen. Die Gesamtausgaben für das Denkmal betrugen laut einer Aufstellung im Rechnungsbuch der Gemeindeverwaltung 74.548,60 Mark. Zum Vergleich: Im Jahre 1922 kostete ein Brot 3,08 Mark, ein Bier 2,00 Mark und ein Pfund Butter 3,21 Mark. Beschreibung des Denkmals: Auf einem ca. 60 qm großen Grundstück neben dem 1910 erbauten Gemeindehaus, steht die zweigeteilte Anlage des Denkmals.

Denkmal im Jahr 1922

Denkmal im Jahr 1922

Nach vorne wird das Ehrenmal von einer Treppenanlage mit drei Stufen, rechts und links mit zwei Bänken, abgegrenzt. Die Rücklehnen der Steinbänke sind aus Schmiedeeisen, in der Mitte jeweils mit einem Eisernen Kreuz, jene besondere Kreuzform, die das Merkmal des gleichnamigen, erstmals im Jahre 1813 durch König Friederich Wilhelm III. von Preußen verliehenen Ordens ausmacht. Die ursprünglich auf den vier vorderen Pfeilern aufgestellten Blumenkästen sind heute nicht mehr vorhanden, wie auch die auf der Aufnahme von 1922 zu sehende Eisenkette auf einer Bruchsteinmauer. In der Mitte der Anlage besteht das Denkmal aus einem mehrteiligen Sockel in den Abmessungen 1,94 x 1,38 und 0,16 m (breit, tief und hoch) und einem darauf weiteren verjüngten Block von 1,34 x 0,74 x 0,29 m. Darauf steht das eigentliche Denkmal, bestehend aus einem 0,86 breiten, behauenen Sandstein. Vorne ist eine Tafel mit einem Blätterkranz ausgear-beitet. Darin ist folgende Inschrift zu lesen:

NIEMAND HAT GRÖSSERE LIEBE DENN DIE, DASS ER SEIN LEBEN LASSE FÜR SEINE FREUNDE

Den oberen Abschluss bilden zwei Putten, die ein Füllhorn halten, aus dem Blumen quellen. Das gesamte mittlere Denkmal ist 1,94 m hoch und aus Ruhr-Sandstein gearbeitet.

Detailfoto: Putten

Detailfoto: Putten

In die hintere halbrunde Mauer sind die Namenstafeln aus Marmor eingearbeitet. Die Mauer ist in fünf Felder mit jeweils vier Tafeln aufgeteilt. Auf jeder Tafel stehen 10 Namen, nur die jeweilige letzte Tafel im Feld hat nur 9 bzw. 8 Namen. Die Namen sind in alphabetischer Reihenfolge eingeschlagen. In der ca. 2 jährigen Planungs- und Bauzeit müssen noch einige Schicksale vermisster Kriegsteilnehmer geklärt worden sein, so dass nun aktuell 193 Namen auf den Marmortafeln stehen. Diese halbrunde Mauer ist vermutlich aus Ziegelstein gemauert und verputzt. In der Gesamtaufstellung der Kosten gibt es eine Position über 400 Mark an die Gemeindeziegelei. Leider hat der Zahn der Zeit auch hier an dem mittlerweile über 90 Jahre alten Denkmal seine Spuren hinterlassen.

Heldengedicht aus der Hattinger Zeitung

Heldengedicht aus der Hattinger Zeitung

Quelle: Stadtarchiv Bochum, hier Spezial-Akte aus dem Amt Blankenstein, Fach 10, Band I, Nr. 8 Fotos und Reproduktionen: G. Hagenkötter

Sprengwagen

Dieser Sprengwagen wurde zum Benässen der Straßen benötigt. Denn die Stiepeler Straßen und Wege hatten -wenn sie nicht sowieso nur Feldwege waren- zu Beginn des letzten Jahrhunderts in der Regel eine Deckschicht aus Hochofenschlacke, Asche oder sogenanntem Sandstein-Kleinschlag. Um die belästigende Staubbildung zu verhindern, wurde der Straßenbelag feucht gehalten. Der Anschaffung des Sprengwagens im Jahr 1929 gingen sechs Jahre voraus, in denen Anträge gestellt, Alternativen geprüft und verworfen wurden, die Stiepeler Bürger heftig protestierten und Unterschriftslisten erstellten. Sogar ein Sonntagsfahrverbot wurde diskutiert, bis schließlich eine Anleihe aufgenommen wurde, um einen „Motorwagen mit Sprengvorrichtung“ anzuschaffen.

"Minister" Friedrich Finke (mit Kappe) vor dem Stiepeler Sprengwagen. Am Steuer: Otto Bierwirth. Aufgenommen auf der Kreuzung der heutigen Kemnader- mit Koster- und Haarstraße. Im Hintergrund das Fachwerkhaus neben dem heutigen Hof Schulte-Schüren.

“Minister” Friedrich Finke (mit Kappe) vor dem Stiepeler Sprengwagen. Am Steuer: Otto Bierwirth. Aufgenommen auf der Kreuzung der heutigen Kemnader- mit Koster- und Haarstraße. Im Hintergrund das Fachwerkhaus neben dem heutigen Hof Schulte-Schüren.

Die Historie der Anschaffung liest sich anhand einzelner vorliegender Dokumente im zeitlichen Verlauf wie folgt: 1) Ein Beschwerdebrief an die Gemeindevertretung vom 8. April 1924 formuliert die Zustände der Straßenbeschaffenheit relativ deutlich. Im Wesent­lichen geht es um die damalige Hauptstraße, die heutige Kemnader Straße:

Herrn Gemeindevorsteher Linnhoff Im vorigen Jahr ist von der Sozialdemokratischen Fraktion in der Gemeindevertretung der Antrag gemacht worden die Beschaffung eines Schprengwagens welches aber leider abgelehnt worden ist, mit der Begründung wegen der hohen Kosten. Würden die Herren der Gemeindevertretung auch an der Hauptstraße wohnen und kein Zimmer lüften können bei diesem starken Autoverkehr, würden Sie diesen begründeten Antrag nicht abgelehnt haben. Wir Unterzeichneten der Hauptstraße stellen nunmehr noch einmal den Antrag aus Gesundheitsrücksicht an die Vertretung und bitten diesem doch jetzt statt zu geben. Stiepel, den 8/4 1924

  1. Ein Beschluss der Gemeindevertretung Stiepel vom 13. Mai 1926 hält fest:

Anträge der sozialdemokratischen Fraktion b) einen Sprengwagen anzuschaffen Die Notwendigkeit der Beschaffung eines Sprengwagens ist vom Finanzausschuss anerkannt worden. Gleichwohl habe er mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Gemeinden einen Vorschlag auf Beschaffung eines Wagens nicht gemacht. Entsprechend der Stellungnahme des Finanzausschusses erfolgt mit Stimmenmehrheit eine vorläufige Ablehnung.

  1. Die Gemeindevertretung schreibt am 29. September 1926 an die Kommunistische Fraktion Stiepel:

Betr. Ihren Antrag zur Tagesordnung der Gemeindevertretung vom 17.8.26 Da eine Sonntagsstrassensperre nicht zu erreichen ist, soll die Frage einer ausreichenden Strassenbesprengung erneut geprüft werden. Es soll festgestellt werden, ob eine Strassenbespren­gung nach Fertigstellung der Strassenbahn bis Frische und zur Kosterbrücke durch einen Motorwagen möglich ist und wie sich die Kosten einer solchen Besprengung im Gegensatz zu den Kosten einer Besprengung durch Fuhrwerk stellen würden.

  1. Am 17. Januar 1927 beschließt die Stiepeler Gemeindevertretung eine weitere Prüfung:

… ob die Sprengung durch die elektrische Straßenbahn billiger ist. Die Angelegenheit soll dann erneut zur Tagesordnung gestellt werden.

Im Verlauf des Jahres 1927 wird noch eine Kommission zusammen mit den Gemeinden Blankenstein und Welper gegründet. Diese soll eine gemeinschaftliche Anschaffung prüfen, kommt aber offensicht­lich nicht zu einem positiven Ergebnis. Denn letztendlich wird im Jahr 1928 der Beschluss gefasst, einen Sprengwagen anzuschaffen. Im Haushaltsplan der „Gemeindekasse Stiepel“ des Jahres 1929 findet sich die entsprechende Position. 5) Beschluss der Stiepeler Gemeindevertretung vom 19. Juni 1928:

11. Errichtung eines Spritzenhauses Zur Anschaffung des Motorsprengwagens und zur Erbauung eines Schuppens für den Wagen ist eine Anleihe von 30.000 M aufgenommen worden.