Straßenbahn

Vortrag “Wasser, Strom und Straßenbahn …”

Andreas Finke präsentiert uns in seinem reich bebilderten Vortrag “Wasser, Strom und Straßenbahn – als die Infrastruktur nach Stiepel kam” die Anfänge der öffentlichen Infrastruktur in Stiepel nach der vorletzten Jahrhundertwende. Vorgestellt werden die Anfänge der Strom- und Wasserversorgung, der Bau der Straßenbahnlinie und von Koster- und Kemnader Brücke, die Einführung von Straßennamen sowie die Aufnahme der ärztlichen Versorgung.

Der Vortrag findet statt in den Räumen des Stiepeler Heimatvereins an der Brockhauser Straße 126, 44797 Bochum.

Termin: Montag, 5. Dezember 2022, 19:00 Uhr

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Straßenbahn in Stiepel

Fast vier Jahrzehnte lang hat die Straßenbahnlinie 5 / 15 das Leben in Stiepel geprägt. Die Straßenbahn endete bis 1926, aus Bochum kommend, in Weitmar-Mark an der heutigen Kreuzung der Kemnader- mit der Markstraße. Erste Überlegungen für die Verlängerung der Straßenbahnlinie von Weitmar über Stiepel nach Welper und Hattingen lassen sich im Jahr 1911 nachweisen. Zu jener Zeit war die Stiepeler Gemeindevertretung noch der Überzeugung, dass die damalige Brückstraße, heute Am Varenholt „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann, der Varenholt war eine Art Hauptverbindungsstraße und hieß zu jener Zeit nicht umsonst Brückstraße, denn es war die Straße, die zur (Koster-)Brücke führte. Im September 1913 entschloss sich die Stiepeler Gemeindevertretung dann aber im Zusammenhang mit der geplanten Straßenbahn „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße . … Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhältnisse aufweist.

Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten, zunächst gemeindeeigenen Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn. Foto: Sammlung Wilhelm Dickten
Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten, zunächst gemeindeeigenen Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn. Foto: Sammlung Wilhelm Dickten

Der erste im Jahr 1909 vergebene Straßenname für die Kosterstraße war Finkenstraße, benannt nach dem Finkensiepen, durch den sie führt. Allerdings hatte die Straße, besser gesagt: der Feldweg, zu dieser Zeit noch nicht den Verlauf, den wir heute kennen. Die Siedlung, deren nördlich der Straße liegenden Häuser vor ein paar Jahren für den Ausbau der Kosterstraße weichen mussten, war noch nicht errichtet, es gab nur vereinzelt liegende Häuser. Diese Häuser waren durch einen jeweils in Privatbesitz befindlichen, seinerzeit sogenannten Interessentenweg miteinander verbunden. Nachdem die Planungen rund drei Jahre reiften, fasste die Gemeindevertretung im Juli 1914 den Beschluss zum Neubau von Straße und Straßenbahn. Die Finken-/Kosterstraße war eine sprichwörtlich auf der grünen Wiese neu geplante Straße. Mit den Erdarbeiten wurde 1914 begonnen, doch der Ausbruch des 1. Weltkriegs brachte das Projekt zum Erliegen. Bereits wenige Tage nach der Generalmobilmachung wurde durch die Stiepeler Gemeindevertretung beschlossen, „… die Wegebauarbeiten in der Gemeinde vorläufig einzuschränken.“ Im März 1915 wurde speziell zur heutigen Kosterstraße festgehalten: „Der durch den Krieg unterbrochene Ausbau der Finkenstraße wird besprochen. Die Gemeindevertretung ist der Ansicht, daß es zweckmäßig sei, mit der Wiederaufnahme der Arbeiten bis zum Kriegsende zu warten.“ Der Ausbau der Straße wurde erst 1922 fortgesetzt.

Blick aus dem Garten von Dr. med. Gerhard Gilbert (Gräfin-Imma-Straße) auf die Kemnader Straße, 1931
Blick aus dem Garten von Dr. med. Gerhard Gilbert (Gräfin-Imma-Straße) auf die Kemnader Straße, 1931

Die von Bochum über die Markstraße kommende Straßenbahnlinie endete bis 1926 an der Zeche Karl Friedrich, d.h. an der heutigen Kreuzung Kemnader-/Mark-/Heinrich-König-Straße. Die Verlängerung der Linie 5 / 15 über die Kemnader- und Kosterstraße auf der Strecke Zeche Karl-Friedrich – Stiepel Gemeindehaus – Henrichshütte – Hattingen mit einem Abzweig Stiepel Gemeindehaus – Haus Frische wurde im Dezember 1926 eröffnet und sollte für die Stiepeler fast vier Jahrzehnte die Verbindung nach Bochum und Hattingen sein. Bevor der Betrieb der Straßenbahn aufgenommen werden konnte, wurde die Kosterbrücke gründlich geprüft. Bedingt durch das hohe Eigengewicht der Straßenbahnwagen mussten vermutlich die Bögen und Strompfeiler verstärkt werden, Details dieser Baumaßnahmen sind aber nicht bekannt. Einen ersten Rückschlag erfuhr die Linie im Jahr 1960, als die Kosterbrücke für die schweren Triebwagen der Straßenbahn gesperrt wurde. Letztendlich war die Brückenkonstruktion dem Straßenbahnverkehr auf Dauer nicht gewachsen, die Linie 5 / 15 wurde übergangsweise durch Busse ersetzt. Im November 1963 wurde sie komplett eingestellt.

Straßenbahn vor der Gastwirtschaft „Becker links“, Kemnader Straße 251, 1950er Jahre
Straßenbahn vor der Gastwirtschaft „Becker links“, Kemnader Straße 251, 1950er Jahre
Kemnader Straße in Höhe "Lindenhof / Saterdag" mit Linie 5 / 15
Kemnader Straße in Höhe “Lindenhof / Saterdag” mit Linie 5 / 15

Zur Oven-Krockhaus (Kemnader Straße 112)

Als sich der vom Hof Krockhaus (an der gleichnamigen Straße) stammende Wilhelm zur Oven-Krockhaus (*1840) im Jahr 1873 entschloss, eine Wirtschaft an der heutigen Kemnader Straße 112 zu gründen, geschah dies in einer ereignisreichen Zeit. Nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1871 und der Gründung des Deutschen Reichs kam es zunächst zu einem regelrechten wirtschaftlichen Aufschwung, dem aber bald wieder Krisen folgten. Als weiterer Aspekt hatte das zu jener Zeit unter Beteiligung der damaligen Landgemeinde Stiepel startende Landkreis-übergreifende „Project eines Chausseebaus von Steinenhaus über Stiepel und Wiemelhausen nach Bochum“, der Ausbau der heutigen Kemnader Straße als überörtliche Hauptstraße, im Jahr 1872 gerade erst begonnen. Die Straße war bis dahin nur ein unbefestigter Verbindungsweg von Haus Kemnade in Richtung Weitmar. Sich zu jener Zeit also an dieser Stelle niederzulassen war Risiko und Chance zugleich. Fertiggestellt wurde die neue Chaussee erst im Jahr 1892.

Gastwirtschaft von Wilhelm zur Oven-Krockhaus
Gastwirtschaft von Wilhelm zur Oven-Krockhaus

Als Beruf lässt sich für Wilhelm zur Oven-Krockhaus nur der des Wirts nachweisen, was für jene Zeit eher unüblich wäre. Die meisten Gastwirte hatten seinerzeit einen handwerklichen Beruf und betrieben das Wirtschafts-Gewerbe nur nebenbei. Nach Übernahme des Hauses und der Gastwirtschafts-Konzession im Jahr 1897 durch den Sohn ändert sich das: Wilhelm zur Oven-Krockhaus junior (*1865) ist Bäckermeister und Wirt. Der Enkel Paul zur Oven-Krockhaus (*1903) betreibt die Gastwirtschaft nur nebenbei, nach der Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg arbeitet er auf der Hattinger Henrichshütte. Das Haus hat um 1900 im Erdgeschoss neben dem Gastwirtschaftsraum ein Ladenlokal, ein Backhaus-Anbau sowie einen Stall-Anbau in der Größe von 14 x 8 Meter, laut Steuerliste für „1 Pferd, 1 Kuh und 8 Schweine“. Im Jahr 1930 wird der Stall umgebaut in weitere Gesellschaftszimmer, im Jahr 1938 wird auf den Schuppen verzichtet, der bis dahin Pferd und Wagen beherbergte, und in eine Kraftwagen-Garage umgebaut. Dieser Umbau ist -wie bei anderen Handwerkern zu jener Zeit auch- als Indiz zu werten, dass das Geschäft florierte und eine Möglichkeit gesucht wurde, das gebackene Brot im weiteren Umfeld zum Verkauf zu transportieren.

Skizze zur Konzession 1897 Foto: Stadtarchiv Bochum
Skizze zur Konzession 1897. Quelle: Stadtarchiv Bochum

Die Gastwirtschaft an der Kemnader Straße wurde durch Familie zur Oven-Krockhaus der Überlieferung nach bis Ende der 1950er Jahre betrieben. Von dort stammen übrigens auch die Betreiber der gleichnamigen ehemaligen Bochumer Fahrschule. Im Jahr 1978 wurde das Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Luftaufnahme stammt aus dem Jahr 1963. Denn da fuhr zum einem bis zur Stilllegung der Strecke im November 1963 noch die zu erkennende Straßenbahn der Linie 5/15. Zum anderen begannen im Jahr 1963 die auf dem Foto ebenfalls sichtbaren Bauarbeiten des Kindergartens „Im Haarmannsbusch“.

Luftbild 1963: Das Haus zur Oven-Krockhaus ist rot eingekreist. Foto: Bildarchiv Stadt Bochum
Luftbild 1963: Das Haus zur Oven-Krockhaus ist rot eingekreist. Quelle: Bildarchiv Stadt Bochum

Kosterstraße / Kosterbrücke

Koster Brücke

Koster Brücke

  Zwei Dinge sind untrennbar mit der Kosterstraße und der gleichnamigen Brücke verbunden: Der Bau der Straßenbahnlinie von Weitmar über Stiepel nach Welper gehört zur Geschichte der Kosterstraße, wohingegen die in Hattingen liegende Henrichshütte ursächlich für den Bau einer Brücke über die Ruhr war. Betrachten wir zunächst die Kosterstraße. Ihr erster, im Jahr 1909 vergebener Straßenname war Finkenstraße, benannt nach dem Finkensiepen, durch den sie führt. Allerdings hatte die Straße, besser gesagt: der Feldweg, zu dieser Zeit noch nicht den Verlauf, den wir heute kennen. Die Siedlung, deren nördlich der Straße liegenden Häuser für den aktuellen Straßenausbau weichen mussten, war noch nicht errichtet, es gab nur vereinzelt liegende Häuser. Diese Häuser waren durch einen jeweils in Privatbesitz befindlichen, seinerzeit sogenannten Interessentenweg miteinander verbunden.

Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn.

Die Kosterstraße mit den 1922 errichteten Wohnhäusern und der einspurig geführten Straßenbahn.

Erste Überlegungen für die Verlängerung der Straßenbahnlinie von Bochum bzw. Weitmar über Stiepel nach Welper lassen sich im Jahr 1911 nachweisen. Zu jener Zeit war die Stiepeler Gemeindevertretung noch der Überzeugung, dass die damalige Brückstraße, heute Am Varenholt „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann, der Varenholt war eine Art Hauptverbindungsstraße und hieß zu jener Zeit nicht umsonst Brückstraße, denn es war die Straße, die zur (Koster-)Brücke führte. Im September 1913 entschloss sich die Stiepeler Gemeindevertretung dann aber im Zusammenhang mit der geplanten Straßenbahn „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße. … Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhältnisse aufweist.“ Nachdem die Planungen rund drei Jahre reiften, fasste die Gemeindevertretung im Juli 1914 den Beschluss zum Neubau von Straße und Straßenbahn. Die Finken-/Kosterstraße war eine sprichwörtlich auf der grünen Wiese neu geplante Straße. Mit den Erdarbeiten wurde Anfang 1914 begonnen, doch der Ausbruch des 1. Weltkriegs brachte das Projekt zum Erliegen. Bereits wenige Tage nach der Generalmobilmachung wurde durch die Stiepeler Gemeindevertretung beschlossen, „… die Wegebauarbeiten in der Gemeinde vorläufig einzuschränken.“ Im März 1915 wurde speziell zur heutigen Kosterstraße festgehalten: „Der durch den Krieg unterbrochene Ausbau der Finkenstraße wird besprochen. Die Gemeindevertretung ist der Ansicht, daß es zweckmäßig sei, mit der Wiederaufnahme der Arbeiten bis zum Kriegsende zu warten.“ Der Ausbau der Straße wurde erst 1922 fortgesetzt.

Rodungsarbeiten im Finkensiepen für die neue Straße, Mai 1922

Rodungsarbeiten im Finkensiepen für die neue Straße, Mai 1922

Die von Bochum über die Markstraße kommende Straßenbahnlinie endete bis 1926 an der Zeche Karl Friedrich, d.h. an der heutigen Kreuzung Kemnader-/Mark-/Heinrich-König-Straße. Die Verlängerung der Linie 5 / 15 über die Kemnader- und Kosterstraße auf der Strecke Zeche Karl-Friedrich – Stiepel Gemeindehaus – Henrichshütte – Hattingen mit einem Abzweig Stiepel Gemeindehaus – Haus Frische wurde im Dezember 1926 eröffnet und sollte für die Stiepeler fast vier Jahrzehnte die Verbindung nach Bochum und Hattingen sein. Einen ersten Rückschlag erfuhr die Linie 1960, als die Kosterbrücke für die schweren Triebwagen der Straßenbahn gesperrt und der Verkehr nach Hattingen durch einen kleinen Bus fortgeführt wurde. Im November 1963 wurde die Linie 5 / 15 komplett eingestellt. Um nach dem 1. Weltkrieg der aufkommenden Wohnungsnot zu begegnen, errichtete die Gemeinde Stiepel auf einem gemeindeeigenen Grundstück an der Finken-/Kosterstraße in den Jahren 1922 bis 1924 die bereits erwähnte Siedlung. Weitere markante Gebäude sind die ehemalige Ziegendeckstation (heute das Vereinsheim des Bürgerschützenvereins) und die ehemalige Wirtschaft „Stiepeler Hof“ von Gustav Hofstiepel, die 1980 dem Neubau der Kosterbrücke weichen musste. Im Zuge der Eingemeindung von Stiepel nach Bochum im Jahr 1929 wurde die Finkenstraße in Kosterstraße umbenannt. Namensgeber war das Haus „An der Kost“ am Ende der Straße bzw. der Brücke am Welperaner Ruhrufer und die nach diesem Familiennamen benannte Fähre und Kohlenniederlage an der Ruhr.

Die ehemalige Wirtschaft "Stiepeler Hof" am Übergang der Kosterstraße auf die Brücke, 1970er Jahre.

Die ehemalige Wirtschaft “Stiepeler Hof” am Übergang der Kosterstraße auf die Brücke, 1970er Jahre.

Als die Straßenbahn ab Dezember 1926 über die neu erstellte Kosterstraße fuhr, hatte die für diesen Zweck ertüchtigte Kosterbrücke bereits eine Jahrzehnte währende Geschichte hinter sich, die mit dem Bau der Henrichshütte auf der Hattinger Ruhrseite 1854 begann. Die Henrichshütte wurde nicht zufällig im Hattinger Raum gegründet. Für die Eisen- und Stahlproduktion war, zumindest in jener Epoche noch, die räumliche Nähe zu den Rohstoffen Kohle und Eisenerz entscheidend. Für die Stiepeler Kohlen- und Eisensteinzechen, die sich zu jener Zeit im Bereich des sog. Rauterdeller Siepens rund um die Straßen Am Bliestollen, Hülsbergstraße und Am Varenholt konzentrierten, war die Henrichshütte der Hauptabnehmer ihrer Abbauprodukte. Für den Transport von dort bis zur Henrichshütte wurde zunächst eine Pferdebahn erstellt. Die Überquerung der Ruhr erfolgte wahrscheinlich bereits ab 1854 über eine provisorische Holzbrücke, zumindest aber eine sogenannte Ponte, die ein reines Betriebsmittel der Henrichshütte und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Für die massentaugliche Anlieferung von Kohlen und Eisenstein aus Stiepel wurde aber eine größere Lösung benötigt. Mit Konzessionsvertrag vom 3. Dezember 1860 wurde der Henrichshütte der Bau einer „richtigen“ Brücke gestattet. Diese (zweite) Brücke wurde überwiegend aus Holz erstellt und war ausschließlich für den Kohlen- und Eisensteintransport zur Henrichshütte gedacht. Im Jahr 1872 wurde die Aktiengesellschaft „Union für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie“ in Dortmund (Dortmunder Union) Eigentümerin der Henrichshütte. Gleichzeitig erwarb diese die mittlerweile zu „Brockhauser Tiefbau“ konsolidierten Stiepeler Zechen. Die nach 1860 fertiggestellte Holzbrücke erlebte dadurch und durch das enorme Wachstum der Henrichshütte in den 1870er Jahren einen regelrechten Boom. Über die Brücke führte eine zweigleisige Schmalspurbahn, die letzte Kohle überquerte die Ruhr im Jahr 1895. Aber nach wie vor war die Brücke im Eigentum der Henrichshütte und durfte -außer bei Hochwasser, wenn die parallel existierende Koster Fähre wegen Hochwasser nicht fuhr- nicht von der Bevölkerung genutzt werden. 1899 wurde die Brücke dann polizeilich geschlossen, weil sie zu verfallen drohte.

Die zweite Brücke auf einer Postkarte, ca. 1910.

Die zweite Brücke auf einer Postkarte, ca. 1910.

Aus Sicht der Gemeinde Stiepel entwickelte sich der Wunsch, diese brachliegende Brücke zu nutzen und die Koster Fähre damit abzulösen. Ab 1905 sind Verhandlungen der kommunalen Stellen mit der neuen Eigentümerin der Henrichshütte, der Maschinenfabrik Henschel & Sohn, dokumentiert. Letztendlich übernimmt die Gemeinde Stiepel in den Jahren 1908 / 1909 die Brücke zum Materialwert und erhält die Konzession zum Bau einer neuen Brücke, verbunden mit dem Recht, Tarife für die Benutzung festzulegen und Brückengeld zu erheben. Das Fährrecht der zumindest seit 1781 bestehenden Koster Fähre wurde den Erben der Familie Schulte-Umberg für 20.000 Mark abgekauft. Die mittlerweile über 40 Jahre im Dienst stehende Holzbrücke wurde 1909 abgerissen, der Bau der (dritten) Kosterbrücke als Eisenbeton-Konstruktion wurde im Wesentlichen von der Gemeinde Stiepel mit drei Anleihen über insgesamt 129.200 Mark finanziert. Am 1. Februar 1910 wurde die Brücke ihrer Bestimmung übergeben.

Die dritte Brücke endete bis 1979 unmittelbar am Haus "An der Kost".

Die dritte Brücke endete bis 1979 unmittelbar am Haus “An der Kost”.

Um die Baukosten zu decken, wurde von der Gemeinde Stiepel ein Brückengeld erhoben. Es betrug zum Beispiel für Personen 3 Pfennig, für Arbeiter zur oder von der Schicht 2 Pfg., für Großvieh 5 Pfg., für Fuhrwerke zum Fortschaffen von Lasten 25 Pfg. beladen / 20 Pfg. unbeladen pro Zugtier oder für Kraftwagen mit Gummiradreifen 20 Pfg. beladen / 10 Pfg. leer. Das Brückengeld wurde auf Stiepeler Seite von Gastwirt Gustav Hoffstiepel, auf Welperaner Seite von Gastwirt Schulte-Umberg erhoben. Bevor 1926 der Betrieb der Straßenbahn aufgenommen werden konnte, wurde die Brücke gründlich geprüft. Bedingt durch das hohe Eigengewicht der Straßenbahnwagen mussten vermutlich die Bögen und Strompfeiler verstärkt werden, Details dieser Baumaßnahmen sind aber nicht bekannt. Letztendlich war die Brückenkonstruktion dem Straßenbahnverkehr auf Dauer nicht gewachsen, im Jahr 1960 wurde aufgrund der nicht mehr ausreichenden Tragkraft der Straßenbahnverkehr eingestellt, die Linie 5/15 wurde übergangsweise durch Busse ersetzt, im Jahr 1963 wurde die gesamte Strecke stillgelegt. In den 1960er Jahren begannen daher Planungen für den Bau einer neuen (vierten) Brücke. Deren Entstehungsgeschichte zog sich, genau wie später Planung und Ausbau der Kosterstraße, über Jahrzehnte hin. Die vierspurige Stahlbetonbrücke wurde im Oktober 1980 dem Verkehr übergeben. Das Foto macht den Größenunterschied der 1979 abgerissenen zur jetzigen Brücke deutlich.

Die dritte Brücke wird abgerissen, während die vierte Kosterbrücke teilweise fertiggestellt ist, 1979.

Die dritte Brücke wird abgerissen, während die vierte Kosterbrücke teilweise fertiggestellt ist, 1979.

Das Eigentum an Kosterstraße und -brücke ging übrigens im Jahr 1927 von der Gemeinde Stiepel auf den Kreis Hattingen über.