Munkenbeck

Neuer Arbeitskreis “Natur, Umwelt, Landwirtschaft”

Der Stiepeler Heimatverein hat den Arbeitskreis Natur, Umwelt, Landwirtschaft neu ins Leben gerufen.

Der neue Arbeitskreis soll die bisherigen Aktivitäten des Vereins  in dieser Richtung bündeln. Verwiesen wird auf den Bau eines Bienenstocks und eines Insektenhotels schon vor Jahren auf dem Vereinsgelände, sowie auf das vor einigen Jahren neu eingeführte Apfelfest, sowie mehrere Vorträge z.B. über Wildbienen und Wildtiere. Diese Thematik soll nun weiter intensiviert werden, beispielsweise mit Aktivitäten der Landschaftspflege, Waldspaziergängen und weiteren Maßnahmen.

Der neue Arbeitskreis trifft sich regelmäßig am letzten Montag im Monat um 19.00 Uhr in der Pfingstblume, Brockhauser Str.126. Geleitet wird der Arbeitskreis vom Vereinsmitglied und Landwirt Jörg Große Munkenbeck. Die Teilnehmer treffen sich das nächste Mal am Montag, dem 26. Juni. Interessierte sind herzlich eingeladen und können ohne Voranmeldung zu den Terminen in der Pfingstblume kommen.

Friedrich zur Oven Krockhaus (1857 – 1922)

Mit diesem Beitrag möchten wir Friedrich zur Oven Krockhaus (6.10.1857 – 6.11.1922) in Erinnerung rufen, eine für Stiepel prägende Persönlichkeit. Nach 24-jähriger Amtszeit endete im Jahr 1919 seine Tätigkeit als Stiepeler Gemeindevorsteher. Gemäß der damaligen Landgemeindeordnung der Provinz Westfalen hatte Stiepel in den Jahren von 1844 bis zur Eingemeindung nach Bochum 1929 genau zwölf dieser sogenannten Gemeindevorsteher, Friedrich zur Oven Krockhaus war derjenige mit der längsten Amtszeit, und zwar im Zeitraum von 1895 bis 1919. In seine Amtszeit fielen etliche, das damalige Stiepel prägende Entwicklungen. Zum Beispiel die Beteiligung am „Verbandswasserwerk“ und am „Elektricitätswerk Westfalen“ und somit die Einführung der Wasser- und Stromversorgung in Stiepel. Oder der Bau und Ausbau weiterer Straßen und Schulen in den fünf Gemeindeteilen Brockhausen, Haar, Schrick, Ober- und Mittelstiepel. Erwähnenswert auch die Entscheidung, die Kosterbrücke den Eigentümern der Henrichshütte abzukaufen und im Jahr 1910 für die öffentliche Benutzung neu zu bauen. Oder sein Einsatz dafür, im Jahr 1919 den ersten niedergelassenen Arzt, Dr. Gerhard Gilbert, nach Stiepel zu holen. Von besonderer Bedeutung ist auch der Bau des Gemeindehauses für die Stiepeler Gemeindeverwaltung und Gesundheitsversorgung an der Ecke Koster-/Kemnader Straße im Jahr 1910.

Ingenieur Friedrich zur Oven Krockhaus mit seiner Frau Lydia, geb. Große Munkenbeck

Ingenieur Friedrich zur Oven Krockhaus mit seiner Frau Lydia, geb. Große Munkenbeck

Die Familie zur Oven Krockhaus dürfte zu jener Zeit die wohlhabendste Familie in Stiepel gewesen sein. Es wurden Einkünfte erzielt aus dem Betrieb einer Ziegelei und eines Steinbruchs. Der landwirtschaftliche Betrieb wurde wahrscheinlich ab den 1890er Jahren verpachtet. Auf einer Steuerliste des Jahres 1913 für die Gemeinde Stiepel liegt der „Ingenieur Friedrich zur Oven Krockhaus“ mit Abstand an erster Stelle. Vom Wohlstand zeugt insbesondere die 1904 errichtete, auch heute noch so genannte Krockhaus-Villa (heutige Adresse: Krockhausstraße 7). Die historische Aufnahme mit Haus, Garten- und Teichanlagen zeigt einen für das damals von Landwirtschaft und Bergbau geprägte Stiepel eher untypischen Baustil.

Die 1904 errichtete Villa Krockhaus, vom Garten aus betrachtet

Die 1904 errichtete Villa Krockhaus, vom Garten aus betrachtet

Die Hof- und Ackerflächen des erstmals 1335 erwähnten Hofes, die 1959 an eine Bergwerkgesellschaft verkauft wurden, umfassten die Bereiche nördlich und südlich der Krockhausstraße, auch der heutige Weitmarer Sportplatz liegt auf ehemaligen Flächen des Krockhaus-Hofes auf Stiepeler Gemeindegebiet. Südlich der Krockhausstraße zählen insbesondere die Haarkampstraße, Weidengrund und Dertmanns Feld zu den ehemaligen Hofflächen. Der eigentliche Hof Krockhaus, ein Fachwerk-Ständerbau mit Backstein-Ausfachung, wurde beim Bombenangriff im Mai 1943 zerstört, die Villa blieb unversehrt.

Ziegelei Munkenbeck – der erste Industriebetrieb in Stiepel

In unserem über Jahrhunderte durch Landwirtschaft und Bergbau geprägten Ortsteil ist vor etwas mehr als 100 Jahren -wenn man es so sehen will- der erste Industriebetrieb deutlich erweitert worden: die Ziegelei Munkenbeck. 1890 in Betrieb gegangen, wurde im März 1912 die geplante Erweiterung im Hattinger Anzeiger bekanntgemacht, Widerspruchsfrist inklusive. Dort heißt es: „Die Frau Witwe Georg Munkenbeck zu Stiepel beabsichtigt auf ihrem … Grundstücke … einen Ziegel-Ringofen anzulegen.“ Mit diesem Grundstück ist das Gelände des heutigen Sportplatzes an der Kemnader Straße gemeint, das zum Hof Munkenbeck gehörte. Die Genehmigung wurde am 8. Mai 1912 erteilt. Mit demselben Datum wurde darüber hinaus die Anlegung eines feststehenden Dampfkessels genehmigt. Bestandteil der Anlage waren dann neben dem Ringofen und dem Dampfkessel zwei Schornsteine sowie ein großer Wasserteich.

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Blick nach Norden: die Ziegelei Munkenbeck mit der Kemnader Straße im Hintergrund, deren Verlauf durch die alleeartige Baumbepflanzung sichtbar wird. Foto: Archiv W. Dickten

Zunächst, d.h. ab 1890, handelte es sich vermutlich um eine sog. Feldbrandziegelei. Im Stiepeler Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1891 werden rund 10 „Ziegelarbeiter“ genannt, die auch auf dem Gelände der Ziegelei gewohnt haben. Der Umstieg auf einen sog. Ringofen im Jahr 1912 bedeutete eine höhere Mechanisierung und effizientere Produktion.

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Blick nach Süden: die Wiese im Vordergrund ist der ehemalige Sportplatz, dort wo heute die Flaßkuhlstraße beginnt. Dahinter ein Kornfeld, dann die Ziegelei. Der Höhenzug im Hintergrund ist die Henkenbergstraße. Foto: Archiv W. Dickten

Nach dem Tod der Witwe Munkenbeck kauft die Gemeinde Stiepel den Erben die Ziegelei im Jahr 1920 ab. In der Versammlung der Gemeindevertretung von 1. April 1920 wird protokolliert: „… beschließen wir heute den Ankauf der in unserer Gemeinde liegenden Munkenbeckschen Ziegelei zum Preis von 130.000 M. … durch die Produktion der Bausteine einerseits preisausgleichend und preisermäßigend zu wirken … und andererseits wird die Rentabilität durch den mit starker Wahrscheinlich­keit grossen Bedarf auf längere Zeit sichergestellt sein.“ Neben der eigentlichen Finanzverwaltung der Gemeinde gibt es in den Folgejahren eine separate „Ziegeleikasse“. Nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum (1929) betrieb das Tiefbauamt der Stadt Bochum die Ziegelei. Das Rohmaterial wurde im Steinbruch gewonnen und je nach Beschaffenheit und Art der herzustellenden Produkte mit Sandstein und Lehm aufbereitet. Nach der Weltwirtschaftskrise wurde die Ziegelei in den Jahren 1930 und 1931 nur mit halber Produktion betrieben, im Jahr 1932 ruhte der Betrieb. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde ein Drittel der Belegschaft (von insgesamt rund 25 Personen) eingezogen. Solange es eben ging, wurde die Produktion aufrecht erhalten. Im Frühjahr 1941 konnte die Ziegelei aber nicht wieder in Betrieb gehen, sie wurde als “nicht kriegswichtig” stillgelegt. Beim schweren Luftangriff auf Stiepel am 13./14. Mai 1943 wurde sie so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht machbar erschien. Die noch vorhandenen Maschinen wurde an andere Ziegeleien verkauft bzw. ein Rest verschrottet und die Gebäudereste Anfang der 1950er Jahre abgebrochen (Informationen aus den Verwaltungsberichten der Stadt Bochum 1928 – 1952). Der Tonschieferbruch und der große Ziegelei­teich wurden mit Trümmern aus dem zerstörten Bochum zugeschüttet, der gesamte Bereich wurde planiert. Anfang der 1950er Jahre wurde auf dem Gelände der Stiepeler Sportplatz erstellt.

Stadtplan-Ausschnitt 1929: An der Stelle der Ziegelei ist heute der Tennis- und Sportplat. Foto: Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367 Stadt Bochum

Stadtplan-Ausschnitt 1929: An der Stelle der Ziegelei ist heute der Tennis- und Sportplatz. Foto: Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367 Stadt Bochum