Stiepel

Sandfuhrstraße

Der Name „von Hagen“ in der Stiepeler Historie

Auch wenn der Familienname „von Hagen“ sich vielleicht nicht so anhört, so ist er doch seit über 230 Jahren in Stiepel etabliert. Zum Beispiel gab es unter den Gastwirtschaften zwei mit diesem Namen, zusammen mit “Becker”, “Behrenbeck”, “Wengeler” und “Schreier”, die als Gastwirtfamilien ebenfalls zweimal vertreten waren, wurden diese in der Stiepeler Historie nur von „Hasenkamp“ und „Haarmann“ übertroffen (drei- bzw. viermal). Und in zwei Straßennamen ist die Familie von Hagen verewigt, das schaffen auch nicht viele. Doch eins nach dem anderen. Der erste in Stiepel geborene von Hagen war Diederich (1789 – 1859), seine Eltern sind aus dem heutigen Wuppertal zugewandert. Er erwirbt das in der sog. Markenteilung von 1786 dem Hof Schulte Kortwig (Brockhauser Straße) zugeordnete Waldstück östlich der heutigen Kemnader Straße / rund um die Sandfuhrstraße. Wann genau es verkauft und urbar gemacht wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, zumindest sind im Stiepeler Flurbuch des Jahres 1824 knapp 15 Preußische Morgen, also fast 38.000 m² als Acker-, Weide- und Hoffläche auf seinen Namen eingetragen. Das ursprüngliche kleine Hofgebäude ist heute noch als Haus Kemnader Straße 43 erhalten, es liegt unmittelbar an der Ecke Kemnader-/Sandfuhrstraße. Zu erkennen ist es an der direkt vorgebauten ehemaligen kleinen Tankstelle, die heute von einem Autohändler genutzt wird. Auf dem Kartenausschnitt sind zu erkennen: Hauptstraße (Kemnader Straße), Hertastraße (Krockhausstraße) und Hagenstraße (Sandfuhrstraße). Rot eingekreist ist das beschriebene Stammhaus der Familie.

Kartenausschnitt 1909 der heutigen Kemnader-/Krockhaus-/Sandfuhrstraße

Kartenausschnitt 1909 der heutigen Kemnader-/Krockhaus-/Sandfuhrstraße

Diederich von Hagen war Bergmann von Beruf, der recht große Kotten wurde „nur“ nebenbei bewirtschaftet. Genauso setzten es sein Sohn Wilhelm (*1831) und sein Enkel Wilhelm (*1856) fort. Erst in der vierten Generation änderte sich mit Heinrich von Hagen (*1910) der ausgeübte Beruf. Durch Erbteilung und Verkäufe verkleinerte sich der Kotten, Heinrich verdiente seinen Lebensunterhalt als Viehhändler, nach dem 2. Weltkrieg zusätzlich als Obsthändler. Im Jahr 1961 begründete er ein neues berufliches Standbein, indem er ein Gebäude für eine Gastwirtschaft, den „Stiepeler Krug“, errichtete. Unmittelbar neben seinem Kotten an der Kemnader Straße betrieb er zusammen mit seiner Frau Else, geb. Stracke (*1910) die Gastwirtschaft samt Hotel -mit 11 Zimmern- bis zu seinem Tod 1973.

Postkarte "Stiepeler Krug" 1960er Jahre

Postkarte “Stiepeler Krug” 1960er Jahre

Else von Hagen betrieb im alten Haus nebenbei ein kleines Lebensmittel­geschäft. Die Gastwirtschaft wurde von deren Tochter Elsa von Hagen (*1935) wiederum bis zu ihrem Tod im Jahr 1987 fortgeführt, seitdem ist das Gebäude im Wesentlichen ungenutzt. Nur im Keller wird ein Schießstand regelmäßig von einer Kompanie des Weitmarer Schützenvereins genutzt. Zwischendurch gab es Versuche, eine neue Gastwirtschaft anzusiedeln, diese blieben aber erfolglos.

Blick auf den alten Hof (links) und die geschlossene Gastwirtschaft, Stand April 2020

Blick auf den alten Hof (links) und die geschlossene Gastwirtschaft, Stand April 2020

Straßennamen wurden in Stiepel im Jahr 1909 eingeführt. Obwohl es zu jener Zeit ein reiner Privatweg war, erhielt die heutige Sandfuhrstraße den Namen „Hagenstraße“. Was auch sonst, schließlich führte der Weg über den Kotten der Familie von Hagen. Der Name änderte sich im Jahr 1929 im Zuge der Eingemeindung nach Bochum in „Sandfuhrstraße“. Einen Stiepeler Bezug zum neuen Namen der Straße lässt sich nicht nachweisen. Erst ein Jahr vor der Eingemeindung wurde der Privatweg von der Gemeinde Stiepel in die öffentliche Unterhaltungspflicht übernommen. Heutzutage findet sich der Name von Hagen in der im Jahr 2011 erstellten Straße Hagen-Hof-Weg wieder, die unmittelbar neben der ehemaligen Krockhaus-Villa als neue Wohnstraße von der Krockhausstraße abzweigt.

Elsa von Hagen vor dem Lebensmittelgeschäft, 1950er Jahre

Elsa von Hagen vor dem Lebensmittelgeschäft, 1950er Jahre

Wie eingangs erwähnt, gab es in Stiepel zwei Gastwirtschaften mit dem Familiennamen von Hagen. Neben dem oben erwähnten Heinrich von Hagen und seinem „Stiepeler Krug“ (ab 1961) gab es 100 Meter weiter südlich etwa ab 1919 die „Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen“ (*1877). Dieser ältere Heinrich hat im Jahr 1911 zusammen mit seiner Frau Hulda, geb. Diergardt (*1878) an der seinerzeitigen Hauptstraße 29a, heute Kemnader Straße 65, ein Wohn- und Geschäftshaus mit zwei Ladenlokalen errichtet hat. Zunächst betrieb er dort eine Kolonialwarenhandlung, erst später erwirbt er die Konzession für den Betrieb einer Gastwirtschaft. Dieses Haus erhielt im Mai 1943 beim schwersten Luftangriff auf Stiepel einen Bombentreffer und wurde komplett zerstört. Es wurde nicht wieder aufgebaut, vielmehr wurde im Nachbarhaus, heute Kemnader Straße 59, unmittelbar nach Kriegsende die Wirtschaft neu eröffnet und vom Sohn Walter von Hagen (*1907) und seiner Frau Albertine, geb. Rumberg (*1914) bis zum Ende der 1960er Jahre betrieben. Nach einer kurzen Verpachtung wurde die Wirtschaft Anfang der 1970er Jahre geschlossen, die Räumlichkeiten wurden in eine Wohnung umgewandelt. Die Tochter Marianne, verheiratete Klein, (*1939) hat zwar immer im elterlichen Betrieb mitgearbeitet, die Wirtschaft aber nicht fortgeführt. Im Jahr 1968 hat sie ein Blumengeschäft im Haus eröffnet, welches noch heute unter dem Namen „Blumen Klein“ weitergeführt wird.

"Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen" 1930er Jahre

“Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen” 1930er Jahre

Abgesehen von diesen Schilderungen zur Familie und zum ehemaligen Kotten ist es auch etwas Besonderes, dass eine Stiepeler Familie das „von“ im Namen trägt.

Rumberg (Kemnader Straße 319)

„Op dä Höchte“, auf der Höhe in Stiepel gab es mit Haus Frische und der Wirtschaft Rumberg gleich zwei Stiepeler gesellschaftliche Zentren in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Wirtschaft von Ludwig Rumberg (*1857) und seiner Ehefrau Alwine, geborene Frische (*1858), erbaut um 1890 an der Ecke Kemnader-/Surkenstraße, war insbesondere aufgrund des großen Saales eine Art Veranstaltungszentrum und ein Stiepeler Mittelpunkt. Zu dem im Jahr 1896 angebauten Saal gehörte eine Bühne, so dass die in der Wirtschaft beheimateten Vereine viele Feste, Aufführungen oder Bälle veranstalteten. Aber auch für das damalige Stiepel eher ungewöhnliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein Auftritt des „Hofzauberkünstler Kleppini“, wurden von den Rumbergs organisiert. Immerhin war der Saal mit 600 Stühlen ausgestattet. Nach dem Tode von Ludwig Rumberg im Jahr 1909 führte zunächst seine Witwe den Betrieb einige Jahre weiter, dann übernahm eines der fünf Kinder, der Sohn Emil Rumberg (*1892) zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud, geborene Vorkötter (*1897) die Gastwirtschaft. Ab 1919 stritt Emil Rumberg gerne mit der Gemeinde Stiepel, wenn es um die Höhe der von ihm zu zahlenden sogenannten Lustbarkeitssteuer für Filmvorführungen ging. Einem Protokoll der Stiepeler Gemeindevertretung können wir entnehmen, dass er ab dem 1.4.1919 ein „ … Kinotheater eingerichtet hat, welches er an jedem Sonntag in Betrieb zu setzen beabsichtigt.“ Somit war im Rumberg’schen Saal das erste Stiepeler Kino untergebracht, lange vor dem im Saal von Haus Frische beheimateten „Alhambra“. Vermutlich betrieb Emil Rumberg auch die erste öffentliche Tankstelle in Stiepel, es existiert zumindest ein Foto aus dem Jahr 1936 mit einer Zapfsäule vor dem Haus unmittelbar an der Kemnader Straße.

Wirtschaft Rumberg in den 1950er Jahren

Wirtschaft Rumberg in den 1950er Jahren

Emil und Gertrud Rumberg führten die Gastwirtschaft bis zu Emils Tod im Jahr 1955. Dann wurde der Betrieb von der dritten Rumberg-Generation fortgesetzt, und zwar von der Tochter Margarete (*1923), verheiratet mit Günter Wieg (*1924). Sein vor dem Einsatz im 2. Weltkrieg begonnenes Kunststudium setzte er nach Kriegsende nicht fort. Vielmehr musste er sein Geld zunächst auf der Zeche Constantin verdienen, ab 1955 stieg er als Wirt mit in den Betrieb ein. Im Haus war auch eine der Stiepeler Poststellen untergebracht, die bereits in den 1940er Jahren von Margarete betrieben wurde. Unter dem Saal, mit Eingang von der Surkenstraße, befand sich übrigens ein Haushaltswarengeschäft, das die älteren Stiepeler noch mit dem Namen Kestermann verbinden.

Blick von der Surkenstraße 1944, mit Haushaltswarengeschäft Kestermann

Blick von der Surkenstraße 1944, mit Haushaltswarengeschäft Kestermann

Zum Grundstück gehörte eine Obstwiese auf der gegenüber liegenden Seite der Kemnader Straße / Ecke Steilstraße, diese wurde auch als Gartenwirtschaft genutzt. Im Jahr 1959 erwarb die Sparkasse Bochum das Grundstück und errichtete dort eine Zweigstelle für den Ortsteil Stiepel. Eingeplant wurde auch ein Geschäftslokal, in dem die Eheleute Wieg das erste Stiepeler Lottogeschäft betrieben sowie Tabakwaren und Zeitschriften verkauften. Bis 1964 betrieb das Ehepaar Wieg die Wirtschaft und das Tabakwaren-/Lottogeschäft parallel, dann wurde die Wirtschaft an die Schlegel-Brauerei verpachtet, die bis Ende der 1970er Jahre den Betrieb an unterschiedliche Wirte vergab. Die Wiegs konzentrierten sich fortan auf den Betrieb ihres Geschäftes. Im Jahr 1981 setzten sie sich zur Ruhe und übergaben es an die langjährige Angestellte Brigitte Stracke.

Eröffnung Tabakwaren-/Lottogeschäft 1959

Eröffnung Tabakwaren-/Lottogeschäft 1959

Das Haus Rumberg erfuhr 1979/80 einen grundlegenden Umbau, nachdem der Betrieb der Gastwirtschaft eingestellt wurde. Der alte (Holz-)Saal wurde abgerissen und für die Vermietung als Supermarkt in Betonbauweise neu errichtet, seinerzeit an Coop als erster Mieter. Das eigentliche Haus wurde kernsaniert, in der ersten Etage ließ sich der Zahnarzt Lehmann nieder, in das Dachgeschoss zog der bekannte Bochumer Architekt Karl-Friedrich Gehse ein, welcher den Umbau auch geplant hatte. Die beschriebene Neueröffnung des Geschäftshauses erfolgte im Dezember 1980.

Eröffnung des neuen Geschäftshauses 1980

Eröffnung des neuen Geschäftshauses 1980

100 Jahre Revolution und Ruhrkampf

Vortrag am Montag, 2. März 2020, 19:00 Uhr. Der Stiepeler Heimatverein erinnert unter dem Titel “100 Jahre Revolution und Ruhrkampf – Der März 1920 in Stiepel” an den Kapp-Lüttwitz-Putsch und seine Konsequenzen für das Ruhrgebiet und speziell für die damalige Landgemeinde Stiepel. Auch wenn der Militärputsch vor genau 100 Jahren im entfernten Berlin seinen Anfang nahm, so führte er zu heftigen Auseinandersetzungen gerade im Ruhrgebiet. Wir beleuchten in diesem Vortrag einen bisher völlig unbekannten Aspekt Stiepeler Geschichte aus dem Zeitraum März / April 1920. Dabei geht es auch um die Arbeiterbewegung und die gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ende des  1. Weltkriegs. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hattinger Anzeiger, März 1920: Gefallene Stiepeler

Hattinger Anzeiger, März 1920: Gefallene Stiepeler

Wilde Verwandte von Biene Maja – wie schütze und fördere ich sie?

Einladung zum Vortrag am 10. Januar 2020: Insektenschutz ist aktuell in aller Munde. Und tatsächlich: wer den Sechsbeinern vorbehaltlos gegenübertritt, kommt aus dem Staunen kaum heraus. Mehrere 1000 Wespenarten sorgen als Schädlingsvertilger und Gesundheitspolizei in Mitteleuropa für Ordnung. Viele hundert Bienenarten, darunter die beeindruckenden Hummeln, sind perfekt an ihren Lebensraum samt Schlechtwetter angepasst. Oft sind Bestäuber und Bestäubte so perfekt aufeinander eingestimmt, dass der Eine ohne den Anderen nicht überleben kann. Grund genug, sich von Insektiziden und schwäbischer Kehrwoch‘ im eigenen Garten zu verabschieden. Wie siedle ich Hummeln und andere Wildbienen in meinem Garten an? Sind Wespen wirklich lästig? Wozu sind Hornissen gut? Im Vortrag beantworten wir diese Fragen und noch mehr. Sie erhalten Einblicke in das spannende Leben und das ökologische Wirken der wilden Verwandten unserer Honigbiene. Auch besteht Gelegenheit zum Fachsimpeln über ein sinnvolles Blütenangebot und geeignete Nisthilfen. Am Freitag, den 10. Januar 2020 um 19 Uhr erfahren Naturfreunde in der Pfingstblume, Brockhauser Straße 126 in Stiepel Wissenswertes zu Biologie, Nutzen und Schutz von Wildbiene & Co.. Dr. Pia Aumeier bewertet aus wissenschaftlicher Sicht aktuelle Initiativen und gibt sinnvolle Tipps für den fachmännischen Schutz wildlebender Insekten. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.  

Mauerbienenmännchen sind an ihrem weißen Kopfputz zu erkennen.

Mauerbienenmännchen sind an ihrem weißen Kopfputz zu erkennen.

Gedenkfeier am Volkstrauertag 2019

Am Volkstrauertag wollen wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken und uns erinnern, dass es unsere Verpflichtung ist, für Frieden und Versöhnung einzutreten. Dafür einzutreten ist eine Mahnung, die die Opfer, um die am Volkstrauertag getrauert wird, uns mitgeben. Wir laden ein zur Teilnahme an der Gedenkfeier, die am

Sonntag, den 17. November 2019 (Volkstrauertag)

um 11:15 Uhr (nach dem Gottesdienst)

auf dem Evangelischen Friedhof Stiepel-Dorf stattfindet. Gemeinsam mit dem Knappenverein Schlägel & Eisen Bochum-Stiepel-Dorf 1884 und dem Bürgerschützenverein 1854 Bochum-Stiepel e.V. werden wir im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung am Ehrenmal einen Kranz niederlegen. Bei schlechten Witterungsbedingungen findet die Veranstaltung ggf. in der Dorfkirche statt. Die musikalische Begleitung erfolgt durch den Posaunenchor Stiepel-Dorf. Zum anschließenden Imbiss im Gemeindehaus laden wir ebenfalls herzlich ein.

Carl Diergardt (1875 – 1967)

So mancher Stiepeler dürfte in einem von ihm erbauten Haus wohnen – vielleicht ohne es zu ahnen. Mit diesem Beitrag wollen wir erinnern an den Stiepeler Bauunternehmer Carl Diergardt (1875 – 1967). Das Stammhaus der Diergardts lag an der heutigen Straße „Am Hang“, von dort stammen auch diejenigen Zweige der Familie, die mit dem Betrieb der Fähre an der Ruhr und mit dem bekannten gleichnamigen Restaurant in Hattingen verbunden sind.

Carl Diergardt, 1920er Jahre

Carl Diergardt, 1920er Jahre

Carl Diergardt begann im Alter von 14 Jahren eine Schreinerlehre und erwarb später die Qualifikation als Schreiner- und als Baumeister. Der Begriff des Baumeisters ist heute nicht mehr gebräuchlich, man kann sich darunter in etwa die Tätigkeiten der Bauplanung und -überwachung vorstellen, auch für fremde Gewerke. In einem Einwohnerverzeichnis des Jahres 1904 wird er zwar bereits als Bauunternehmer bezeichnet. Nach seiner Eheschließung mit Luise, geb. Grünendiek, wohnt er jedoch zunächst als Mieter im Hause des Wirtes Schreier an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 49. Erst im Jahr 1908 baut er sich ein eigenes Domizil und legt dort den Grundstein für sein wachsendes Unternehmen. Die spätere Adresse lautet Hauptstraße 12 (ab 1909) bzw. Kemnader Straße 40 (nach der Eingemeindung 1929). Hinter dem Büro- und Wohnhaus errichtet er ein großes Lager- und Werkstattgebäude mit einer markanten Dachform. Dort waren untergebracht eine Schreinerei, Möbel- und Holzlager, eine allgemeine Werkstatt sowie das Lager für sämtliche Baumaterialien. Das Besondere daran: Mit einer Art „Nahwärmeheizung“ wurde das Wohnhaus von der Schreinerei aus beheizt. Im Gewerbeverzeichnis der Gemeinde Stiepel für das Jahr 1925 wird das Unternehmen bezeichnet als „Möbel & Eisenwarenhandlung, Baugeschäft“. Es ist überliefert, dass sein Unternehmen rund 20 Mitarbeiter hatte. Darüber hinaus betrieb seine Ehefrau im Wohnhaus ein eigenes Haushaltswarengeschäft.

Wohn- und Bürohaus Kemnader Straße, Vorderansicht

Wohn- und Bürohaus Kemnader Straße, Vorderansicht

Das Schicksal ereilte ihn, als beim schweren Luftangriff auf die südlichen Bochumer Stadtteile im Mai 1943 sein Haus zerstört wurde. Bis es wieder bewohnbar war, musste die Familie in einer eigens auf dem Grundstück gezimmerten Baracke leben. Zum Zeitpunkt des Bombentreffers war Carl Diergardt bereits 68 Jahre alt, sein einziger Sohn Wilhelm hat das Unternehmen danach nicht weitergeführt. Carl Diergardt lebte noch bis zu seinem Tod 1967 im wieder aufgebauten Haus an der Kemnader Straße 40. Als wohlhabender Unternehmer hatte er sich als Altersvorsorge eigentlich mehrere Mietshäuser in Wuppertal gekauft, aber diese wurden während des Krieges ebenfalls zerstört. Das bekannteste von ihm in Stiepel erstellte Gebäude dürfte das ehemalige, 1910 fertiggestellte Gemeindehaus an der Ecke Kemnader-/Kosterstraße sein. Zahlreiche Stiepeler, aber auch Weitmarer Wohnhäuser gingen in den Jahrzehnten seines Schaffens auf sein Konto. Sein eigenes Haus an der Kemnader Straße 40 wurde ein paar Jahre nach seinem Tod abgerissen, unter anderem, weil es an dieser Stelle keinen Bürgersteig gab und die Stadt Bochum die Kemnader Straße von der Krockhausstraße in Richtung Weitmar mit Bürgersteig neu gestalten wollte. Unmittelbar nach dem Abriss (ca. 1968/69) wurden dort neue Häuser errichtet. Neben Carl Diergardt gab es zu jener Zeit Georg Kortwig, Wilhelm Behrenbeck und Gustav Diergardt als weitere Stiepeler Bauunternehmer.

Werkstatt und Lager Kemnader Straße

Werkstatt und Lager Kemnader Straße

Plattdeutscher Abend am 18. Oktober 2019

Der Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V.  lädt am Freitag, den 18. Oktober 2019 um 18 Uhr ins Lutherhaus, Kemnader Straße 127 zu einem Plattdeutschen Abend ein (Einlass: 17 Uhr). Zunächst findet, begleitet vom Posaunenchor Stiepel-Haar, ein plattdeutscher Gottesdienst statt. Daran schließt sich ein gemütliches Beisammensein „met lecker eätten, drinken un plattkürn“ an, bevor der Theaterkreis des Vereins mit dem Mundartstück: „Vandage singt dä Nachtigall“ unterhält. Der Verein freut sich auf viele Besucher, für das leibliche Wohl wird wie immer gesorgt! Kommt git mä alle un makt dä Kiärke vull. Büs daohen, holt git ink fräit und bliwwt git mi gesund!

Vortrag “Unter Tage … ”

Der Stiepeler Heimatverein setzt seine Vortragsreihe fort. Am Montag, 7. Oktober 2019 um 19:00 Uhr lautet das Thema: „Unter Tage – Bilder der Zeche Vereinigte Pfingstblume“. Referent Wilhelm Hensing zeigt Bilder der Zeche Vereinigte Pfingstblume (über und unter Tage) und erzählt aus deren Geschichte. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Zum Altdeutschen (Meier-Bäumer, Brockhauser Straße 14)

Das Haus mit Gastwirtschaft im historischen Stiepeler Ortskern an der heutigen Brockhauser Straße 14 wurde im Jahr 1868 durch den Schiffsbauer Friedrich-Wilhelm Sondermann (1842 – 1889) und seiner Frau Lisette Alwine (1842 – 1905), geborene Kamplade errichtet. Weil der Junggesellenverein „Altdeutsch“ dort gegründet wurde, hatte sich der Name „Zum Altdeutschen“ etabliert. Nach dem Tod von Sondermann im Jahr 1889 wurde die Wirtschaft zunächst von seiner Witwe fortgeführt, und zwar solange, bis die Tochter Friederike Mathilde Sondermann (1869 – 1943) den Bäckermeister Wilhelm Diedrich Meier (1866 – 1901) aus Lütgendortmund heiratete und die Konzession für den Betrieb einer Schankwirtschaft im Juni 1899 auf ihn übertragen wurde. Die beiden hatten sieben Kinder, als Wilhelm Meier bereits im Jahr 1901 starb.

Ansicht der Brockhauser Straße 1966

Ansicht der Brockhauser Straße 1966

Die Witwe Sondermann/Meier heiratete daraufhin im Jahr 1903 in zweiter Ehe den genau gegenüber wohnenden Landwirt Georg Voskuhl. Fortan wurde die Wirtschaft unter dem Namen „Restaurant Zum Altdeutschen von Georg Voskuhl“ als Nebenerwerb weitergeführt. Das Haus blieb aber nicht im Besitz von Georg Voskuhl, vielmehr gingen das Gebäude und der Betrieb der Gastwirtschaft im Jahr 1925 auf einen Sohn aus erster Ehe, Wilhelm Meier jun. (1890 – 1958) und seine Ehefrau Hedwig, geb. Voskuhl (1891 – 1930) über. Eine Schwester von Wilhelm Meier jun., Alma Anna Meier (1887 – 1967) heiratete übrigens im Jahr 1914 Wilhelm Freese, den Schreiner und Gastwirt aus der Voßkuhlstraße. Nach dem Tode seiner Frau Hedwig im Jahr 1930 ging Wilhelm Meier jun. 1931 eine zweite Ehe ein. Mit Adele, geb. Fernholz, betrieb er die Wirtschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1958. Dann übernahm die Tochter Ilse Meier (1926 – 2006) gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Bäumer (1928 – 2002) den Betrieb. Seitdem war der Betrieb nur unter dem Namen Meier-Bäumer geläufig. Zusätzlich zur Gastwirtschaft war bis in die 1960er Jahre im Obergeschoss ein Saal untergebracht, im Erdgeschoss war ab Mitte der 1930er Jahre eine Poststelle untergebracht, die zuletzt (bis 1965) von Ilse Bäumer geleitet wurde.

Postkarte Meier-Bäumer 1960er Jahre

Postkarte Meier-Bäumer 1960er Jahre

Nachdem die Gastwirtschaft über vier Generationen von derselben Familie betrieben wurde, wurde sie ab 1992 verpachtet. Ca. 2006/2007 wurde der Betrieb eingestellt, im Jahr 2008 erfolgte ein Umbau der Wirtschaft und der ehemaligen Poststelle zur Wohnung, ein Anbau wurde abgerissen.

Postkarte um 1940

Postkarte um 1940

Denkmalschutz in Stiepel

Wie funktioniert Denkmalschutz? Welche Denkmäler gibt es in Stiepel und wie werden sie erhalten? Wie können wir die Denkmalbehörde unterstützen? Antworten auf diese Fragen gibt eine Informationsveranstaltung des Stiepeler Vereins für Heimatforschung und der FDP-Fraktion in der Bezirksvertretung Süd. Zu dieser Veranstaltung ist neben allen interessierten Bürgern insbesondere Dagmar Stallmann eingeladen, Leiterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bochum. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 19. September 2019, 19:00 Uhr in der Pfingstblume, Brockhauser Straße 126, Bochum-Stiepel.