Stiepel

0_Standorte der Informationstafeln (Karte) und Informationen zu den Objekten

Aktuelle offizielle Route (modifiziert)

Bergbauwanderweg (neue Nummerierung 2. Dez. 2020)

Achtung : Es handelt sich bei der oberen Abbildung nicht um die  exakte Wiedergabe der im Friedrichstal, Anfang der Rauendahlstraße, bei Behrenbeck und bei Heveney  aufgestellten Übersichtstafeln. Bei den Genannten verläuft der vorgeschlagene Weg  zwischen Station 26 und 35 über die Blankensteiner Straße. Auf obiger Übersicht wurde der Weg über den Wanderweg parallel zur Blankensteiner Straße geführt. Hier verlief der aus dem Friedrichstal kommende historische,  erst zur Kohlenniederlage Carl Friedrichs Erbstollen und nach dem Bau der Kosterbrücke  direkt zur Henrichshütte  führende Schiebeweg, über den zunächst die pferdebetriebenen und später mit Dampfkraft betriebenen  Transporte verliefen. An ihn wurden aus dem Rauendahl und die von Schacht David kommenden Schienenstränge angebunden

Die erste Version des Bergbauwanderweges

Abbildung entnommen dem von der Stadt Bochum, Bezirksvertretung Süd herausgegebenen  Flyer  “Wanderung durch den historischen Bergbau” ,  1992

Die Positionsnummernänderung gegenüber dem vorstehenden Flyer wurde im Rahmen eines Projektes, das die Überarbeitung der auf Anregung des damaligen Bezirksvorstehers Prof. Dr Hellmuth Burchardt in den 1980er Jahren aufgestellten Informationstafeln und die Aufstellung zusätzlicher Informationstafeln zum Gegenstand hatte, erforderlich. Das 2018 auf Initiative von Manfred Bähr gestartete Projekt selbst wurde dankenswerter Weise von den Stadtwerken und der Bezirksvertretung Süd der Stadt Bochum finanziert.

Mitglieder des Knappenvereins Schlägel & Eisen Bochum-Stiepel Dorf 1884 sowie des Stiepeler Vereins für Heimatforschung e.V. realisierten das Projekt mit Unterstützung des Amtes für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum (Gerhard Bergauer).

Ausgangspunkt war Manfred Bährs  Inventur der vorhandenen Informationstafeln des bestehenden Bergbaurundwanderweges sowie ihre Zustandsbeschreibung. Im Nachgang zur Begehung  wurde deutlich, dass der überwiegende Teil  der Tafeln und / oder der Gestelle stark reparatur- oder ersatzbedürftig war,  für einige wichtige bergbaurelevante Stationen noch gar keine Informationstafel bestand und die Darstellung der Informationen nicht mehr zeitgemäß und daher überholungsbedürftig war. Er erstellte daher eine Liste der noch fehlenden Stationen, entwickelte die Route für den erweiterten Rundwanderweg und stellte  die zur Erweiterung erforderlichen  Informationen, historischen Karten und Fotos aus seinem umfangreichen Bergbauarchiv  zur Verfügung.  Sie bildeten die Grundlage für die von PD Dr. Bleidick  verfassten und aktualisierten Infotexte während Gerhard  Bergauer dankenswerter Weise das Layout der neuen witterungsbeständigeren Tafeln übernahm.

Fährt man mit dem Rad (oder geht man) die Informationstafeln in aufsteigender Reihenfolge der neu angelegten Positionsziffern ab, so beträgt die zurückgelegte Strecke in etwa 22 km. Die Qualität des Weges  ist bis auf die Strecke zwischen Brockhauser Straße und Schacht David (23) sowie dem Leinpfad (Kopfsteinpflaster) zwischen Blankensteiner Schleuse (24) und Kosterbrücke  (26) als gut zu bezeichnen.

1    Steinkohlenzeche Glücksburg, Schacht Anna
2    Pferdeschleppbahn Lottental
3    Stollenbetrieb der Steinkohlenzeche Glücksburg
4    Steinkohlenzeche Julius Philipp Erbstollen, Kleinzeche Emma-Glück
5    Pferdeschleppbahn Lottental
6    Steinkohlenzeche Hagensieperbank
7    Zeche Klosterbusch
8    Naturdenkmal Steinbruch Ver. Klosterbusch
9    Zeche Ver. Gibraltar Erbstollen
10  Flözaufschluss Girondelle 2
11  Kohlenplatz der Zeche Anna Catharina
12  Zeche Küper-Kaeseberg
13  Kemnader Brücke
14  Kemnader Mühle
15  Kohlenniederlage Schiffsruder
16  Zeche St. Barbara
17  Georoute Ruhr
18  Die Alte Fähre (Westerberg, Diergardt)
19  Der Leinpfad
20 Die letzte Seilfahrt (Gedenktafel)
21  Schmiede Kamplade
22 Stollenbetrieb Vereinigte Pfingstblume
23 Eisenerzfeld Stolberg I, Schacht David
24 Blankensteiner Schleuse
25 Kohlenniederlage der Zeche Carl Friedrichs Erbstollen
26 Kosterbrücke
27 St. Georgen Erbstolln
28 Steinkohlenzechen Treue Tiefer Stollen und Diebitsch
29 Steinkohle2nzeche St. Mathias Erbstollen

30 Kohlenschleppbahn
31 Steinkohlenzeche Carl Friedrichs Erbstollen, Flöz St. Georg Nr. 7
32 Steinkohlenzeche Treue Oberstollen
33 Tagebau Silberkuhle
34 Steinkohlenzeche Ignatius
35 Zeche Horschberg
36 Stolln von Stiepel
37 Kohlenschleppbahn
38 Alter Stolln
39 Dampfeisenbahn
40 Steinkohlenzeche Brockhauser Tiefbau
41 Zechen Preußischer Zepter und Friedrich
42 Gahlenscher Kohlenweg
43 Kleinzeche Haunert
44 St. Georgen Oberstollen
45 Maschinenschacht der Zeche Carl Friedrichs Erbstollen
46 Dampfhaspelbahn der Zeche Carl Friedrichs Erbstollen
47 Stollenzeche Sternberg
48 Zeche Carl Friedrichs Erbstollen
49 Steinkohlenzeche Glückswinkelburg
50 Steinkohlenzeche Julius Philipp

Apotheken in Stiepel

Über nicht vorhandene Ärzte innerhalb der Gemeinde Stiepel haben wir schon berichtet. Nachzulesen ist dieses Kapitel Stiepeler Geschichte in der Darstellung von Dr. Gerhard Gilbert, der sich am 1. Dezember 1919 als erster Arzt in Stiepel niedergelassen hat. In der Zeit davor mussten sich die Stiepeler zur ärztlichen Versorgung in die Nachbargemeinden Weitmar, Wiemelhausen und auf die gegenüberliegende Ruhrseite nach Blankenstein begeben. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie denn die Stiepeler nach einem Arztbesuch mit Arzneimitteln und Medikamenten versorgt wurden. In Stiepel gab es keine Apotheke, also musste man sich ebenfalls in den Nachbargemeinden aushelfen. Und genau in diesem Kontext hat der Geschichtskreis Weitmar im Juli 2020 unter dem Titel „Merkwürdiger Arzneimittelhandel in Weitmar“ über einen kleinen „Arzneimittelskandal“ recherchiert, bei dem es auch um zwei Stiepeler Gastwirtschaften und deren Rolle als Verteilzentren geht. Auslöser von polizeilichen Untersuchungen im November 1907 war wohl, dass der eine Apotheker dem anderen seine geschäftlichen Aktivitäten neidete und sich gegen die Übergabe von Rezepten direkt aus einer Arztpraxis heraus an eine „Botenfrau“ zu wehren versuchte. Im Zuge der Untersuchungen kam heraus, dass die Witwe Wilhelmine Berentroth sich mit  Duldung des Arztes Meffert in dessen Praxis aufhielt, ausgestellte Rezepte direkt einsammelte, diese zum Apotheker Brinkmann brachte und später die hergestellten Arzneien als Botenfrau an die Wirtschaft Westermann in Stiepel lieferte. Der Wirt Westermann (heutiges Haus Kemnader Straße 200 / Ecke Kosterstraße, Gründung der Wirtschaft 1895) gab die etikettierten Medikamente dann an die Stiepeler Kundschaft aus.

Strafanzeige 1907: Vernehmung Wirt Westermann (Quelle: Stadtarchiv Bochum)

Strafanzeige 1907: Vernehmung Wirt Westermann (Quelle: Stadtarchiv Bochum)

Gastwirtschaften waren zu jener Zeit mehr als nur eine Wirtschaft, sie hatten unterschiedliche Funktionen für das soziale Miteinander in der Gemeinde. Zum Beispiel für das Vereinsleben, als Lohn-, Steuer- oder Rentenzahlstelle, Versicherungsbüro, Poststelle usw. Nun also auch noch als Ausgabestelle für Arzneimittel. Der Amtmann von Weitmar teilte nach Abschluss der Untersuchungen der Polizei-Verwaltung in Blankenstein Ende November 1907 mit, dass die Lieferung von Medikamenten aus einer Weitmarer Apotheke an die Wirtschaft von Westermann in Stiepel aus seiner Sicht einen Verstoß gegen Gesetz und Kaiserliche Verordnung darstellt. Wie die Geschichte in Stiepel ausging, wissen wir nicht, in Weitmar erhielt der Wirt Flake die Verfügung, Annahme und Ausgabe von Medikamenten unter Strafandrohung zu unterlassen. Wir erfahren durch die polizeilichen Ermittlungen aber auch noch, dass es ein identisches System aus der Gemeinde Blankenstein heraus mit dem Wirt Frische in Stiepel gab, und das bereits seit Bestehen der Blankensteiner Apotheke im Jahr 1872. Das Haus Frische war ein seit 1857 bestehendes, über die Stiepeler Grenzen hinaus bekanntes Ausflugslokal an der heutigen Haarholzer Straße. Der apothekenlose Zustand sollte bis zum Jahr 1954 bestehen bleiben. In jenem Jahr hat die Stadt Bochum einen Apotheken-Standort in Stiepel ausgeschrieben, den Zuschlag erhielt der Großvater des heutigen Apothekers Heiko Meyer (Ruhrland-Apotheke).

Apfelfest 10. Oktober 2020

Unser Apfelfest für Große und Kleine findet statt am

Samstag, 10. Oktober 2020 von 12 – 17 Uhr

bei uns an der Pfingstblume, Brockhauser Straße 126 in Bochum-Stiepel. Kommt und findet heraus, was es alles rund um das Thema “Apfel” zu entdecken gibt: Vom Cidre bis zur Apfelschorle, vom Apfelkuchen bis zu den Reibeplätzchen mit Apfelmus! Landwirt Jörg Große Munkenbeck gibt Informationen zum Thema Apfel und man kann Leckeres vom Land erwerben. Um (wegen Corona) Warteschlangen zu vermeiden haben wir folgende Zeiten festgelegt: Verpflegung am Reibekuchenstand von 12 – 15 Uhr, Kaffee und Kuchen von 14 -  17 Uhr. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Es ist die letzte Veranstaltung des Vereins in diesem Jahr, daher genießt noch einmal eine schöne Zeit in historischer Atmosphäre. Zusätzlich ist letztmalig die Ausstellung “Ignatius Geitel” geöffnet.

Ignatius Geitel (1913 – 1985)

Ignatius Geitel hatte ab 1951 Atelier und Lebensmittelpunkt in Stiepel auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Carl Friedrich Erbstollen an der Ecke Kemnader-/ Markstraße. Sein künstlerisches Schaffen begann im Alter von 16 Jahren. Nach dem Besuch der „Maler- und Bildhauerklasse“ der Essener Folkwangschule und der „Meisterklasse Glasmalen“ an der Werkskunstschule Trier ließ er sich in den 1930er Jahren von seinem expressionistischen Vorbild Edvard Munch inspirieren, litt mit seinem künstlerischen Werk aber unter den nationalsozialistischen „Säuberungen“. Nach Kriegseinsatz und russischer Kriegsgefangenschaft verlagerte er seine künstlerischen Aktivitäten hin zur „Kunst am Bau“. Ignatius Geitel gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zu den meistbeschäftigten Bochumer Künstlern im öffentlichen Raum und zu den wichtigsten Glaskünstlern überhaupt.

Ignatius Geitel 1956

Ignatius Geitel 1956

Geboren ist er am 15. November 1913 in Bochum-Ehrenfeld. Nach Besuch der Volksschule, einer abgebrochenen kaufmännischen Lehre und Arbeit in der Landwirtschaft absolviert er eine Lehre als Steinmetz und besucht die Maler- und Bildhauerklasse an der späteren Folkwangschule in Essen. Sein erstes Gemälde erstellt er 1929 im Alter von 16 Jahren. In den 1930er Jahren unternimmt er zahlreiche Studienreisen durch Holland und Belgien, sein künstlerisches Vorbild in dieser Zeit ist Edvard Munch. Ab 1934 erfährt er eine intensive Unterstützung durch das Bochumer Unternehmerehepaar und Kunstmäzene Irene und Karl Gröppel . In der Villa Gröppel, heute: Hospiz St. Hildegard an der Königsallee, kann Geitel relativ geschützt arbeiten. 1939 führt eine Ausstellungsbeteiligung mit dem Bild „Das lungenkranke Kind“ zur Vorladung vor die nationalsozialistische Kunst-Kommission in Düsseldorf. Weiteren Repressalien entkommt er durch den Kriegseinsatz von 1939 bis 1945, von der russischen Kriegsgefangenschaft kehrt er erst im November 1949 zurück. Sofort danach beginnt er wieder mit künstlerischen Aktivitäten, überwiegend Glasfensterarbeiten und „Kunst am Bau“. Er beteiligt sich an zahlreichen Ausstellungen und ist Mitbegründer einiger Künstlervereinigungen. Im Jahr 1951 bezieht er sein neues Atelier in Stiepel im Maschinenhaus der ehemaligen Zeche Carl-Friedrich-Erbstollen an der Kemnader-/Ecke Markstraße, später erfolgt die Errichtung seiner Wohn- und Atelier-Bungalows auf demselben Grundstück, heute Kemnader Straße 14 a, die Entwürfe stammen vom Architekten Reiser. Eines seiner bekanntesten Werke ist das 1954 aus rund 40.000 Glas-Bruchstücken erstellte Mosaik „Niobe“. Es ist das Mahnmal der Stadt Bochum für die Opfer des 2. Weltkriegs und befindet sich auf dem Hauptfriedhof Freigrafendamm. In den 1950er und 1960er Jahren liegen seine künstlerischen Aktivitäten überwiegend in der „Kunst am Bau“: Geitel gehörte zu den meist-beschäftigten Bochumer Künstlern im öffentlichen Raum. Monumentale Glasfenster-Aufträge im kirchlichen und weltlichen Bereich sind bis heute erhalten.

Ignatius Geitel: Theater

Ignatius Geitel: Theater

Im Jahr 1983 präsentiert er seine letzte Ausstellung anlässlich seines 70. Geburtstages in seinem Haus an der Kemnader Straße, er stirbt am 22. Januar 1985. Um sein Gesamtwerk kümmert sich heute seine Lebensgefährtin und Nachlassverwalterin Inge Diergardt.   * Informationen zum Lebenslauf entnommen aus: Sepp Hiekisch-Picard. Ignatius Geitel. Das künstlerische Werk